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03.09.2014

14:08 Uhr

Schub für IPOs

Zalando-Börsengang könnte Tech-Firmen pushen

Weltweit gehen Firmen wieder verstärkt an die Börse, um frisches Geld zu besorgen. Hierzulande allerdings traute sich zuletzt kaum einer aufs Parkett. Das könnte sich mit dem Zalando-Börsengang ändern, meinen Experten.

Auch hierzulande wächst wieder das Interesse der Investoren an Technologieunternehmen, die sich aufs Parkett wagen. dpa

Auch hierzulande wächst wieder das Interesse der Investoren an Technologieunternehmen, die sich aufs Parkett wagen.

Frankfurt/MainDer Internet-Händler Zalando hat sich eine günstige Zeit für seinen Börsengang in Frankfurt ausgesucht. Getragen vom Wirbel, den in den USA regelmäßig Parkett-Neulinge aus der Internetwelt wie Facebook und Twitter oder der Börsenkandidat Alibaba auslösen, wächst auch hierzulande wieder das Interesse der Investoren an Technologieunternehmen. Experten zufolge ist das Marktumfeld für den Berliner Internetversender Zalando positiv - genauso wie für die mit ihm verwandte Startup-Fabrik Rocket Internet. Sie könnten zu „Leuchttürmen“ werden und weitere Technologiefirmen aufs Parkett locken.

Nach Einschätzung von Konrad Bösl, Börsengangsexperte der Beratungsgesellschaft Blättchen & Partner, ist die Zeit für ein Debüt von Zalando gerade richtig. „Facebook und Twitter sind Eisbrecher für Unternehmen, bei denen die Internettechnologie die Geschäftsbasis darstellt“, sagt er. Da es hierzulande in jüngster Zeit kaum Börsengänge gab, warteten Investoren geradezu auf Anlagemöglichkeiten. Da helfe es, dass Zalando zuletzt einen operativen Gewinn vermeldet habe.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Ein gutes Abschneiden des Mode-Händlers beim Börsenstart dürfte nach Einschätzung Bösls auch Rocket Internet einen Schub für das erwartete Debüt geben. Unter dem Dach der auf Internetunternehmen spezialisierten Beteiligungsgesellschaft war Zalando einst groß geworden. Gründer von Rocket sind die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. Die Start-Up-Schmiede hat laut Bösl noch mehr im Köcher: „Wenn es gut läuft, könnte Westwing gleich der nächste Börsenkandidat sein.“ Westwing ist ein auf Wohnaccessoires spezialisierter Shopping-Club.

Martin Steinbach, bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zuständig für Börsengänge, sieht noch viel mehr Potenzial im deutschen Markt. „Technologie-Unternehmen, speziell aus dem Bereich E-Commerce, sind hoch im Kommen derzeit. Das war in den USA schon im vergangenen Jahr so, und in Europa spüren wir das jetzt auch.“ Investoren sind laut Steinbach wieder risikofreudiger geworden und suchen wieder stärker Wachstumswerte. Davor seien Unternehmen in Mode gewesen, die eine sichere Dividende zahlten, jedoch nicht so hohe Wachstumsaussichten böten.

Somit könnten auch Unternehmen an der Börse erfolgreich starten, die noch keine oder kaum Gewinne schreiben. „Wichtig ist, dass es Leuchttürme gibt - Beispiele, die funktionieren“, sagt Steinbach, „Diese zeigen anderen Technologieunternehmen, dass ihnen auch die Börse als Finanzierungskanal offensteht.“ Allgemein schätzt Steinbach das Klima für Börsengänge derzeit gut ein. Als Gründe dafür nennt er unter anderem eine stabile Entwicklung des Aktienmarktes, das Abflauen der europäischen Finanzkrise und die andauernde Niedrigzinspolitik.

„Wir werden eine rege zweite Jahreshälfte sehen, sofern nicht irgendwelche unvorhersehbaren externen Schocks oder Krisen dazwischen kommen“, sagt Steinbach. Das Jahr 2014 könne insgesamt 10 bis 15 Neuemissionen bringen, bisher waren es fünf mit einem Emissionsvolumen von insgesamt gut 900 Millionen Euro. Mit einem Hype wie zu den Zeiten des Neuen Marktes um das Jahr 2000 herum rechnet der Experte hingegen nicht. „Der Markt ist erwachsener geworden.“

Von

dpa

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