Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.11.2011

13:34 Uhr

Schuldenkrise

Anleihemarkt erholt sich leicht

Die Zinsen auf italienische Staatsanleihen sind auf unter sieben Prozent gefallen. Auch sonst erholte sich der Anleihemarkt leicht. Neue Anleihekäufe der EZB sollen eine Rolle gespielt haben.

Die Rendite der zehnjährigen Schuldtitel aus Rom fiel zurück unter sieben Prozent. dpa

Die Rendite der zehnjährigen Schuldtitel aus Rom fiel zurück unter sieben Prozent.

Frankfurt/MainDie Wogen am Anleihemarkt haben sich nach dem jüngsten Ausverkauf von Papieren starker Euroländer etwas geglättet. Die Kurse französischer, österreichischer, niederländischer und finnischer Anleihen zogen wieder an. Die Rendite der zehnjährigen Schuldtitel aus Rom fiel zurück unter die als langfristig kritisch geltende Grenze von sieben Prozent. Entspannung war auch bei spanischen und portugiesischen Anleihen zu beobachten. Kreditausfallversicherungen für diese Länder verbilligten sich. Die zuletzt als sicherer Hafen massiv nachgefragten Bundesanleihen gaben nach. Zehnjährige Papiere rentierten um 1,8 Prozent.

„Die aktuelle Erholung ist vor allem eine Gegenbewegung auf die starken Anleihekursverluste am Vortag“, sagte Rainer Guntermann, Anleiheexperte von der Commerzbank. „Die Bewegungen am Vortag war wohl etwas übertrieben.“ Die zum Teil panischen Reaktionen seien aber auch durch einen dünneren Handel begünstigt gewesen, sagte Guntermann. Auch die Einigung auf eine mit Fachleuten besetzte Regierung unter Regierungschef Mario Monti in Italien habe für Entspannung gesorgt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat laut Guntermann durch Anleihekäufe zu einer Entspannung beigetragen.

„Wir stehen kurz vor einer Eskalationsstufe, und es gibt nur noch einen Rettungsanker - die EZB“, sagte ein anderer Analyst, der anonym bleiben wollte. „Wir haben Rettungsprogramme aufgelegt, Sparpläne ausgehandelt, Regierungen ausgetauscht, aber es hat alles nichts genützt.“ Entweder Europa laufe jetzt direkt in die Katastrophe oder die EZB schalte sich entschieden ein. „Sie könnten den Schweizer Weg nehmen und sagen, Renditen steigen auf höchstens 4,5 Prozent, ansonsten halten wir dagegen.“ Für die EZB hieße das letzten Endes nichts anderes als die Notenpresse anzuwerfen.

Die Schweizerische Nationalbank hatte in ihrem Kampf gegen die Aufwertung der heimischen Währung Anfang September einen Mindestkurs festgesetzt. Mit unbeschränkten Devisenkäufen verhindert sie seitdem, dass der Euro unter die Marke von 1,20 Franken fällt.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

CoRo11

16.11.2011, 12:00 Uhr

Natürlich ist es eine trügerische Phase, da die Zinsen gerade durch einen massiven EZB-Anleihenkauf gedrückt werden....ansonsten würde es durch die Decke gehen!

Wer weiß wieviel Mrd. EURO die EZB tatsächlich schon in die Problemländer investiert hat...200, 300 Mrd?

Mich würde einfach mal interessieren, ab wann denn die Inflation zu wirken beginnt? Meine, bei wieviel Mrd. EUR Staatsanleihenankauf der EZB, schlägt sich das bemerkbar auf die "harmonisierte Inflationsrate" nieder, die ja aktuel gerade offiziel bei 3% liegen soll? (Gefühlt sind es aber, 10% mind. wenn ich z.B. im Supermarkt einkaufen gehe oder Stromrechnungen erhalte...)

Wheeler

16.11.2011, 12:49 Uhr

Look,die Etablierten kennen nur ihren Profit. Fern von jeder Moral und zum Teufel mit den Verträgen. Look, nun greifen sie unverschämt, wie es ihre Art ist, den Steuerzahlern ungeniert in die Taschen.

atinak

16.11.2011, 12:52 Uhr

Klare Marken lassen sich nicht beziffern, da sehr komplexe Zusammenhänge über die Höhe der Inflationsrate bestimmen. Aber natürlich liegt diese inzwischen auch in D deutlich über 3% (seriösen Schätzungen zufolge für einen bürgerlichen Durchschnittshaushalt momentan bei rund 8%), und da die an ihrer Macht klebenden Politiker zu den erforderlichen strukturellen Änderungen nicht bereit sind (dann müssten sie auch eingestehen, dass sie selbst und nicht etwa die Banken für den Schlamassel verantwortlich sind), wird die schleichende Enteignung vor allem des Mittelstandes über das Gelddrucken und die derzeit in vielen Bereichen noch gebremste Inflation weitergehen. Zu den erforderlichen Änderungen würden wirklich ernsthafte Sparanstrengungen und Machtverschiebungen gehören. In I und GR würde dies u.a. eine solide Bestreuerung der wirklich Reichen bedeuten, die im Gegensatz zu D kaum oder gar keine Steuern bezahlen; in D wären massive Einschnitte in die viel zu breit aufgespannte soziale Hängematte für arbeitsfähige, gesunde Arbeitsverweigerer und umfassende Umstrukturierungen im Gesundheitssystem zuungunsten der Pharmaindustrie und der Apparatemedizin und zugunsten der erheblich billigeren und beträchtlich nebenwirkungsärmeren Naturheilkunde und Präventivmedizin und eine Rückkehr zur Entlohnung von Ärzten nach Zeit statt Fallpauschale erforderlich. Auch die derzeitige Förderung von Agrar- und Pharmaindustrie, der irrsinnigen Offshore-Windkraft und der zum Scheitern verurteilten und zur großflächigen Boden- und Wasserverseuchung führenden, ineffizienten Nutzung von Erdwärme zu STromgewinnung ist eine katastrophale, weil zukunftsvernichtende Verschleuderung von Steuergeldern. Eine Partei, die mit ökonomischem SAchverstand solch ein intelligentes Umsteuern propagiert und dabei von der Bevölkerung unterstützt wird, ist allerdings nirgendwo in Sicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×