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20.06.2012

14:08 Uhr

Schuldenkrise

„Deutschland muss aus dem Euro austreten“

ExklusivDer Euro steht auf der Kippe. Wird die Währungsunion weiter bestehen? Nein, meint Jens Ehrhardt. Allerdings rät der Vermögensverwalter nicht Griechenland zum Austritt aus dem Euro, sondern Deutschland. Ein Gastbeitrag.

„Die einzige sinnvolle Lösung lautet: Deutschland muss aus der Euro-Zone austreten. Der Rest-Euro würde stark abwerten. Auf dieser Basis hätten die Mittelmeerländer wieder eine Chance, wettbewerbsfähig zu werden.”Jens Ehrhardt, Gründer und Chef der Vermögensverwaltung DJE Kapital Falk Heller/Argum für Handelsblatt

„Die einzige sinnvolle Lösung lautet: Deutschland muss aus der Euro-Zone austreten. Der Rest-Euro würde stark abwerten. Auf dieser Basis hätten die Mittelmeerländer wieder eine Chance, wettbewerbsfähig zu werden.”

Jens Ehrhardt, Gründer und Chef der Vermögensverwaltung DJE Kapital

Der Euro wird in seiner heutigen Form nicht überleben. Dazu sind die einzelnen Mitgliedsstaaten in wirtschaftlicher Hinsicht zu unterschiedlich.

Solange die Mittelmeerländer gemeinsam mit Deutschland im Euro sind, haben sie keine Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit – etwa durch eine Abwertung der Währung – zu verbessern. Fehlende Leistungsfähigkeit sowie mangelnde Fähigkeit zur Schuldenrückzahlung werden durch die starre Konstellation der Euro-Zone sogar noch wachsen.

Immer höhere Arbeitslosenzahlen in den Mittelmeerländern werden auf die Dauer zu politischen Extremen führen, die dann nicht nur von der wirtschaftlichen, sondern auch von der politischen Seite einen Austritt erzwingen werden.

Die Politiker wären gut beraten, nicht zu lange mit den nötigen Anpassungsprozessen zu warten, da diese umso schmerzlicher werden, je länger man wartet. Andernfalls wird sich das Kohl‘sche Argument „Der Euro sichert Frieden in Europa“ ins Gegenteil umkehren.

Stimmen zur Griechenland-Wahl

Guido Westerwelle, Außenminister

„Die Reformen müssen jetzt ohne Abstriche weitergeführt werden. Die Vereinbarungen stehen nicht zu Disposition. Europa kann nicht nur an zu wenig, sondern auch an zu viel Solidarität scheitern.“

Mario Monti, italienischer Staatspräsident

„Der Sieg der konservativen Neuen Demokratie ist für die Zukunft Europas und der Eurozone gut. Jetzt müsse aber schnell eine Regierung gebildet werden.“

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

„Der Euro wird überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen. Aber vermutlich wird Griechenland der Währungsunion in fünf Jahren nicht mehr angehören. Die verbliebene Währungsunion wird zu einer Transfer- und Haftungsunion mutiert sein. Wirtschaftlich schwache Länder, die sich mehrheitlich Reformen verweigern, werden auf Kosten wirtschaftlich stärkerer Länder leben.“

Jürgen Pfister, Chefsvolkswirt der BayernLB

„Griechenland muss nach den bisherigen Troika-Plänen weitere Haushaltskürzungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro beschließen. Angesichts dieser Einschnitte ist allerdings nicht gewährleistet, dass der von der Troika vorgezeichnete Weg erfolgreich fortgesetzt werden kann. Mit dem Wahlsieg der Reformbefürworter ist somit zunächst Zeit gewonnen. Eine erneute Umschuldung der Staatsschuld und/oder ein Austritt aus der Währungsunion sind wohl nur durch anhaltende, umfangreiche Transferzahlungen zu verhindern.“

Heino Ruland, Ruland Research

„Dieses Wahlergebnis ist das Worst-Case-Szenario. Denn dadurch wird ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nur hinausgezögert. Langfristig wird der Euro zu einer Schwach-Währung, weil es Transfer-Zahlungen geben wird. Für die Aktien wäre dies positiv, denn bei einer Abwertung des Euro steigt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.“

Jürgen Kurz, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

„Griechenland wird im Euro bleiben. Zum einen wäre ein Ausstieg der Griechen nicht nur für Griechenland eine ökonomische Katastrophe. Zum anderen wäre ein Ausstieg deutlich teurer als der Verbleib der Griechen im Euro. Ich gehe davon aus, dass der Euro aus der aktuellen Krise gestärkt hervorgehen wird. Voraussetzung ist allerdings, dass die Geburtsfehler der Währung endlich beseitigt werden. Hierzu gehört der Aufbau einer gemeinschaftlichen Wirtschafts- und vor allem Finanzpolitik.“

Michael Reuss, Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen

Griechenland hat im Euro keine Chance zu gesunden. Griechenland braucht ein Ventil um wieder wettbewerbsfähig zu werden und das kann in dem Fall, weil der „Point of no return“ bereits überschritten ist, nur noch eine abwertende Währung sein. Aus unserer Sicht wird Griechenland in den nächsten 12 Monaten aus dem Euro ausscheiden. Den Euro wird es in fünf Jahren noch geben, weil er politisch gewollt ist. Er wird aber ein anderes Gesicht haben. Der Euro wird weniger Teilnehmer haben und tendenziell etwas schwächer sein.

Anita Paluch, Gekko Global Markets

Da sich Griechenland nun einem Verbleib in der Euro-Zone verschrieben hat, atmen die Märkte durch, da das Untergangsszenario abgewendet wurde. So sehr der Wahlausgang auch die Furcht vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gedämpft hat, so zurückhaltend ist der Optimismus. Griechenland ist noch nicht über den Berg. Darüber hinaus gibt es neben Griechenland auch noch andere Faktoren, wie die steigenden Finanzierungskosten in Italien und Spanien.

Roger Peeters, Close Brothers Seydler

„In den vergangenen Wochen ist Angela Merkel mehr und mehr zum Feindbild geworden, aber ihr Verlangen nach einer soliden Haushaltspolitik kommt der nächsten Generation in ganz Europa zugute. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass das Wirtschaftswachstum in Südeuropa in Schwung kommt. Mit dem Wahlergebnis in Griechenland ist eine konstruktive Debatte möglich. Die Märkte dürften optimistisch in die neue Woche starten.“

Manfred J.M Neumann, Ökonom und Währungsexperte

„Dass Griechenland im Euro bleibt ist unrealistisch. Ein wirtschaftlicher Aufstieg ist ohne eine Abwertung um etwa 30 Prozent nicht denkbar. Den Euro wird es auch in zwanzig Jahren noch geben. Allerdings lässt sich nicht von der Hand weisen, dass das eine oder andere südeuropäische Land ebenfalls den Euro verlassen wird. Das würde den Euro nicht schwächen und wäre auch nicht als Scheitern Europas zu werten. Es würde zu realistischeren und damit stabileren Währungsrelationen in Europa führen.“

Alfred Roelli, Chefanlagestratege Pictet

Das Risiko, dass Griechenland den Euro verlässt, bleibt hoch. Die Chance, dass Griechenland in der Euro-Zone verbleibt, schätzen wir etwas höher ein als jene eines Austritts. Den Euro wird es auch in fünf Jahren noch geben. Dies allerdings nur, wenn stärker zentralisiert wird und die Überwachung der Mitglieder intensiviert wird. Wir sind weiterhin der Meinung, dass eine vernünftig aufgesetzte Eurobond-Struktur Teil der Lösung sein wird. Leider wird die Diskussion der Euro-Bonds dogmatisch und ideologisch geführt.

Die im Ausland geforderte Vergemeinschaftung der Schulden – zum Beispiel via Euro-Bonds – kommt nicht infrage. Dadurch würde Deutschland in Schuldensumpf hineingezogen. Nicht nur die Kosten für die Refinanzierung würden dadurch steigen. Auch die Konjunktur würde sich verschlechtern. Je mehr Zins- und Verschuldungsgleichheit in Europa herrscht, desto schlechter die deutsche Binnenkonjunktur inklusive Immobilienmarkt. Der Export dürfte sich ohnehin weltwirtschaftsbedingt abflachen.

Auch ein ständiges Gelddrucken durch die Europäische Zentralbank ist keine Alternative, die von der Mehrheit der heutigen Euro-Länder akzeptiert werden kann.

Die einzige sinnvolle Lösung lautet: Deutschland muss aus der Euro-Zone austreten. Der Rest-Euro würde stark abwerten. Auf dieser Basis hätten die Mittelmeerländer wieder eine Chance, wettbewerbsfähig zu werden. Ähnlich wie China oder die Schweiz könnte man die deutsche Aufwertung begrenzen und dabei wertvolle Währungsreserven bilden.

Der Autor ist einer der prominentesten deutschen Vermögensverwalter. Als Gründer und Vorstandschef der DJE Kapital AG wacht der Münchener über ein Vermögen von rund zehn Milliarden Euro.

Kommentare (152)

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20.06.2012, 14:15 Uhr

Dass das ganze Übel und Elend solange bis zur Unkontrollierbarkeit weiter geht, bis wir aussteigen sollte jedem klar sein denn D ist das Armenhaus für die ganze Welt und der Volltrottel noch gleich dazu. Wenn dieser Austritt nicht kommt (und er wird nicht kommen, dafür sorgen die Verbrecher unserer Politik), wird das ganze in den kommenden Jahren ohne Vorwarnung in die Luft gehen und dann geht es rund.

Account gelöscht!

20.06.2012, 14:28 Uhr

Deutschland mit "Neuer D-Mark", das wäre die grandiose Lösung der Krise.

Die EURO-Länder bekämen dann Stützungs-Gelder nachdem der EURO abgewertet hat aus der deutschen Neuen-DM-Kasse, damit die restlichen FPIIGS unds in guter Erinnerung lassen und nicht griechische Panzer nach Berlin kommen müssen um uns an unsere ewige Solidarität zu erinnern.

Account gelöscht!

20.06.2012, 14:33 Uhr

Der ESM ist als eine Kreditmaschine für die Ewigkeit geplant

Das größte Risiko hätten dabei die deutschen Steuerzahler, die für mindestens 27,15 Prozent der potentiellen Verluste haften.

Wenn ein Schuldner ausfällt, dann entstehen dem ESM Verluste. Diese sind von den Anteilseignern zu tragen. Deutschland haftet mit seinem

Kapitalanteil von 27,1Prozent für die Verluste des gesmmten Rettungsfonds.

Was ist, wenn ESM-Mitglieder ihre Zusagen für die Bareinlage oder die Garantien im Fall von Verlusten nicht einhalten können?

Dann müssen die anderen Staaten anteilig einspringen. vorallem DE!

Anteile am ESM
DE 27,1
FR 20,4
Italien 17,9
Spanien 11,9

Letzendlich wird Deutschland aus dem obrigen folgend, die insolventen Staaten FR/IT/SP auffangen müssen. Alleine die drei machen fast 50 % aus,

incl. DE Anteil müsste im worst case Szenario , der m.M kommt, 75% alleine stemmen.

Prost Mahlzeit

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