Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2010

17:43 Uhr

Schuldenkrise

Griechen planen schon die nächste Anleihe

VonAndrea Cünnen

Griechenland will die massive Nachfrage nach seiner ersten Anleihe in diesem Jahr nutzen und prescht mit weiteren Emissionen vor. Die problemlose Platzierung der Anleihen hilft Experten zufolge allerdings nicht dem Rating des überschuldeten Staates.

EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark machen der starke Anstieg der Staatsdefizite im Euro-Raum Sorgen. Quelle: ap

EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark machen der starke Anstieg der Staatsdefizite im Euro-Raum Sorgen.

FRANKFURT. "Wir planen für Februar eine zehnjährige Anleihe über drei Mrd. bis fünf Mrd. Euro", sagte am Dienstag Spyros Papanicolaou, Chef der griechischen Finanzagentur, der Nachrichtengagentur Reuters. Dabei wolle das Land wieder Banken als Vermittler einschalten.

Am Montag hatte Griechenland mit Hilfe von sechs Konsortialbanken eine fünfjährige Anleihe über acht Mrd. Euro begeben. Dafür gab es Kaufaufträge in Höhe von 25 Mrd. Euro. Griechenland hätte die fünfjährige Anleihe deshalb auch größer ausfallen lassen können. Die Finanzagentur wollte nach Angaben der Konsortialbanken nicht zu viel von der Nachfrage abschöpfen, eben weil sie noch Bonds mit anderen Laufzeiten begeben will. Insgesamt will Athen in diesem Jahr Staatsanleihen über 53 Mrd. Euro an den Markt bringen.

Dabei waren vor der erfolgreichen Anleiheplatzierung am Montag noch Zweifel aufgekommen, ob Griechenland überhaupt genügend Investoren zusammenbekommt. Das Land hat mit 12,7 Prozent das höchste Budgetdefizit im Euro-Raum, und Volkswirte zweifeln an den vorgelegten Sparplänen. Die Hoffnung darauf, dass Griechenland im Zweifelsfall Hilfe der anderen Euro-Länder bekommt, und die hohe Rendite für die Anleihe lockten dann aber doch über 600 Investoren an.

Den Zinsschein für den neuen fünfjährigen griechischen Bond legten die Schuldenagentur und die Konsortialbanken am Dienstag mit 6,1 Prozent fest. Der Emissionskurs lag unter dem Rückzahlungswert von 100 Prozent, so dass sich eine Rendite von 6,21 Prozent ergab. Damit zahlen die Griechen rekordhohe 3,8 Prozentpunkte mehr Rendite als Deutschland für fünfjährige Staatsanleihen.

Moody's: Bond-Emission hilft dem Rating nicht

"Die Größe der Emission war ermutigend, und der Renditeaufschlag lag letztlich im Rahmen der Erwartungen", sagte Wilson Chin, Zinsstratege bei der niederländischen Großbank ING. Für deutlich sinkende Renditeaufschläge müsste Griechenland seine Fiskalpolitik gründlich ändern. Am Dienstag stiegen die Risikoprämien für schon länger ausstehende griechische Anleihen erneut.

Auch die Ratingagentur Moody's bewertete die Anleihe-Platzierung nicht über. Sie senke die Gefahr weiterer Ratingherabstufungen nicht. Die könne nur gebannt werden, wenn die Regierung ihre angekündigten Sparpläne umsetze, sagte Moody's-Analystin Sarah Carlson der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, betonte, die Notenbank sei generell besorgt über den "starken Anstieg der Staatsdefizite und der Verschuldung der Länder im Euro-Raum".

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Leertasche

27.01.2010, 10:56 Uhr

Griechische Anleihe: Wäre interessant zu wissen, welche deutsche banken mit welchem Volumen hier eingestiegen sind. - Wegen der Verpflichtung den Finanzplatz Deutschland zu sichern. - Ähh... kleiner Scherz. Der bevölkerung Griechenlands wünsche ich viel Mut zur Erneuerung seines Staates.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×