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07.01.2010

07:46 Uhr

Schuldenkrise

Griechenland plant mit neuen Staatsanleihen

VonGerd Höhler

Seit Wochen herrscht an den Finanzmärkten Sorge um die Zahlungsfähigkeit Griechenlands, das tief in einer Schuldenkrise steckt. Nachdem die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft wurde, erwägt die Regierung eine Privatplatzierung von Staatsanleihen. Damit will sich Athen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen.

Finanzminister Giorgos Papakonstantinou: "Wir erwarten nicht, von irgendjemandem gerettet zu werden" Reuters

Finanzminister Giorgos Papakonstantinou: "Wir erwarten nicht, von irgendjemandem gerettet zu werden"

ATHEN. Das hochverschuldete Griechenland erwartet bei der Bewältigung seiner Finanzprobleme keine Hilfe von außen. Das stellte der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou gestern in Athen klar. "Wir erwarten nicht, von irgendjemandem gerettet zu werden", sagte Papakonstantinou in einem Interview mit Bloomberg TV. Vielmehr erwägt Athen noch in diesem Monat eine weitere Privatplatzierung von Staatsanleihen.

Der Finanzminister reagierte mit seinem Interview auf eine Äußerung von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, der in einem Interview mit der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore" gesagt hatte, die anderen EU-Staaten würden "nicht ihre Brieftaschen aufmachen, um Griechenland zu retten". Starks Äußerung brachte den Euro an den Finanzmärkten zeitweise unter Druck und sorgte in Athen für deutliche Verstimmung. "Offen gesagt, wir brauchen diese Klarstellung nicht", sagte Finanzminister Papakonstantinou, "wir werden selbst tun, was nötig ist."

Zehnjährige griechische Bonds rentieren 2,3 Prozentpunkte über der Bundesanleihe

Seit Wochen herrscht an den Finanzmärkten Sorge um die Zahlungsfähigkeit Griechenlands, das im abgelaufenen Jahr das relativ größte Haushaltsdefizit aller EU-Länder verzeichnete und in diesem Jahr die höchste Schuldenquote in der Europäischen Union aufweisen wird. Im Dezember hatten die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor?s Griechenlands Kreditwürdigkeit auf "BBB+" heruntergestuft und das Land damit aus der ersten Liga der Schuldner verbannt. Das Downgrade brachte die Kurse griechischer Staatsanleihen unter Druck und verteuert dadurch den Schuldendienst. Aktuell liegt die Rendite des zehnjährigen griechischen Bonds knapp 2,3 Prozentpunkte über der vergleichbaren Bundesanleihe.

Mit einer neuen Privatplatzierung könnte das Land die Risiken einer Auktion umgehen. Bereits im Dezember hatte Griechenland auf diesem Weg Anleihen im Volumen von zwei Mrd. Euro bei vier griechischen Banken und der italienischen Banca IMI untergebracht. Der variabel verzinsliche Bond mit Fälligkeit 2015 rentiert 2,5 Prozentpunkte über dem Sechsmonats-Euribor. Marktteilnehmer berichten allerdings, die Banken hätten die Anleihe nur zögerlich abgenommen.

Im Januar muss Griechenland Schulden von 4,8 Mrd. Euro refinanzieren. Ob man erneut den Weg einer Privatplatzierung wähle oder über ein Bankenkonsortium an den Markt gehe, hänge von der Reaktion auf das in diesem Monat erwartete Konsolidierungsprogramm der Regierung ab, sagte Spyros Papanikolaou, Chef der griechischen Schuldenagentur.

Verbindlichkeiten der Privatwirtschaft eingerechnet, stand das Land nach Angaben der Notenbank zum Ende des 3. Quartals 2009 mit 403,2 Mrd. Euro in der Kreide, was 168 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprach. Davon entfielen 263 Mrd. auf Staatsschulden.

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