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30.01.2012

17:26 Uhr

Schuldenkrise in Europa

Anleger stoßen Portugals Anleihen ab

VonJörg Hackhausen

Während Italien erfolgreich Geld einsammelt und die EU-Granden um den Schuldenschnitt Griechenlands ringen, wetten Investoren bereits auf die nächste Staatspleite. Für Portugal wird die Luft dünner.

Portugiesische Landesfahne: Die Rendite für Bonds ist auf dem höchsten Stand seit Einführung des Euros. dpa

Portugiesische Landesfahne: Die Rendite für Bonds ist auf dem höchsten Stand seit Einführung des Euros.

FrankfurtGriechenland braucht dringend neue Kredite, sonst droht der unmittelbare Bankrott. Außerdem sollen die Gläubiger einem Schuldenerlass zustimmen. Das südeuropäische Land beherrscht so sehr die Schlagzeilen, dass für die anderen Schauplätze der Euro-Krise kaum Platz bleibt. Dabei haben die Investoren schon den nächsten Pleitekandidaten ausgeguckt. „Nicht nur Griechenland, auch andere Staaten sind insolvent“, sagte der Ökonom Nouriel Roubini am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Was im Getöse um Griechenland fast unterging: In den vergangenen Tagen sind die Renditen portugiesischer Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro geklettert. Die Renditen der fünf- und zehnjährigen Papiere stiegen auf 23 beziehungsweise 17 Prozent. Händler meinten, die Europäische Zentralbank habe versucht, portugiesische Anleihen zu stützen, dennoch fielen die Kurse weiter.

Die Risikoprämie der portugiesischen Bonds zeige, dass die Situation ebenso gefährlich wie die griechische sei, sagte Peter Dixon von der Commerzbank in einem Interview mit Bloomberg Television.

Auch die Kosten für Ausfallversicherungen erreichen bedrohliche Ausmaße. Die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) stiegen auf 4250 Basispunkte – ebenfalls ein neues Allzeithoch. Übersetzt heißt das: Wer zehn Millionen für fünf Jahre versichern will, muss dafür im Voraus 4,25 Millionen Euro bezahlen. So hohe Kosten verlangt der Markt eigentlich nur, wenn ein Schuldner als akut pleitegefährdet gilt.

Zentrale Fragen zum Euro-Rettungsschirm

Was ist die EFSF?

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (European Financial Stability Facility, EFSF) wurde am 10. Mai 2010 als vorläufiger Euro-Rettungsschirm von einem EU-Gipfel ins Leben gerufen. Sie wird Mitte 2013 vom dauerhaften Rettungsschirms ESM abgelöst, der über dieselben Möglichkeiten verfügen soll. Die EFSF wird von dem deutschen Beamten Klaus Regling geführt.

Was müssen die Hilfeempfänger leisten?

Geholfen wird in jedem Fall nur, wenn ein hilfesuchendes Land Auflagen erfüllt. Erhält es EFSF-Kredite oder kommt es zu Anleihenkäufen, muss es sich einem vollen Reformprogramm unterziehen. Bei einer vorsorglichen Kreditlinie sind weniger strikte Auflagen vorgesehen. Hilfskredite für die Banken eines Landes werden an Reformen im Finanzsektor des Landes geknüpft. Die EFSF-Gelder werden außerdem verzinst. Beschlüsse über Hilfsersuchen müssen die Euro-Regierungen einstimmig fällen.

Welche neuen Instrumente bekommt die EFSF?

Die Euro-Staaten haben am 21. Juli die Garantie-Aufstockung und vier neue Instrumente für die EFSF beschlossen und dazu ihren EFSF-Rahmenvertrag angepasst. Die vier Instrumente sind: - Anleihenkäufe am Primärmarkt: Die EFSF kann künftig bei den Regierungen direkt neu ausgegebene Staatsanleihen kaufen. - Anleihen am Sekundärmarkt: Auch Anleihenkäufe an den Börsen sind möglich, aber nur im Ausnahmefall. - Vorsorgliche Kreditlinien: Euro-Länder können sich von der EFSF eine Kreditlinie zusichern lassen, die sie aber nicht nutzen müssen. Dies soll die Finanzmärkte beruhigen. - Die EFSF kann Ländern künftig besondere Kredite geben, damit sie ihre Banken rekapitalisieren können.

Was wird an der EFSF geändert?

Die EFSF borgt sich das Geld selbst am Kapitalmarkt. Dafür stellen die Euro-Länder Garantien zur Verfügung, bisher 440 Milliarden Euro. Faktisch kann die EFSF bisher aber nur 260 Milliarden Euro aufnehmen. Denn um selbst ein Spitzenrating zu erhalten, müssen die von der EFSF aufgenommenen Kredite übersichert sein, weil nicht alle Euro-Länder wie Deutschland oder Frankreich ein AAA-Rating haben. Deshalb wird bei der EFSF 2.0 der Garantierahmen auf 780 Milliarden Euro erhöht. Für Deutschland steigt der Anteil von 123 auf 211 Milliarden Euro.

Was sind die Aufgaben der EFSF?

Bisher kann die EFSF nur Kredite an Euro-Länder geben, die am Kapitalmarkt wegen ihrer hohen Verschuldung keine Kredite mehr zu tragbaren Zinsen aufnehmen können. Unter dem Schirm stehen derzeit Portugal und Irland. Die vor der EFSF-Gründung vereinbarten Hilfen für Griechenland werden auf Basis gesonderter Beschlüsse der Euro-Länder geleistet. Das bereits vereinbarte zweite Griechenland-Hilfspaket wird von der EFSF übernommen. Die EFSF kann 440 Milliarden Euro bereitstellen.

Vom Kapitalmarkt ist Portugal ohnehin schon abgeschnitten - und das dürfte für längere Zeit auch so bleiben. Derzeit wird das Land mit Mitteln des Rettungsfonds EFSF finanziert. Nur kurz laufende Papiere können die Portugiesen noch an den Mann bringen – am Mittwoch steht die nächste Auktion an.

Kommentare (29)

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Account gelöscht!

30.01.2012, 17:28 Uhr

Portugal ist das Griechenland des Jahres 2012. 2013 ist dann das italienische Jahr. Und 2014 ist dann alles ganz anders - dann sind sogar unsere unverbesserlichen politischen Eliten kuriert und behaupten, man habe es ja natürlich nicht ahnen können.

Fiskus

30.01.2012, 17:46 Uhr

Es ist ja alles alternativlos - wir können machen was wir wollen!

NWO

30.01.2012, 17:52 Uhr

Leute,

das ist das NWO-System ud unsere Herrschaften aus Politik & Wirtschaft unterliegen dem System.

www.wasistlosindieserwelt.de
www.lupocattivoblog.wordpress.com

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