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12.07.2011

13:26 Uhr

Schuldenkrise in Europa

Hohe Renditen auf Italiens Staatsanleihen

Die Gerüchte über die massiven Schuldenprobleme Italiens zeigen eine direkte Reaktion: Die Zinsen für Staatsanleihen des Landes steigen. Immerhin verlief eine Auktion erfolgreich.

Instabile Währung: Der Euro leidet an der Verschuldung der Mitgliedsstaaten. Quelle: dpa

Instabile Währung: Der Euro leidet an der Verschuldung der Mitgliedsstaaten.

Rom/Mailand/Athen Das ins Visier der Märkte geratene Italien muss für frisches Geld deutlich mehr Zinsen zahlen als zuletzt. Bei der Emission eines Geldmarktpapiers mit zwölf Monaten Laufzeit im Volumen von 6,75 Milliarden Euro verlangten die Investoren am Dienstag eine Rendite von 3,67 Prozent. Dies ist der höchste Zinssatz seit September 2008.

Zuletzt hatte das Mittelmeerland den Anlegern bei einer vergleichbaren Auktion nur 2,14 Prozent bieten müssen. Auch die Nachfrage war nicht mehr ganz so hoch wie zuletzt: Die Anleihe war 1,55-fach überzeichnet. Bei der Auktion im Juni überstieg die Nachfrage das Angebot noch um das 1,7-Fache.

Auch die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Roms lag erstmals seit 1997 - also noch vor der Euro-Einführung - zeitweise über die Marke von sechs Prozent. An der Höhe der Rendite bemisst sich die Gefahrenzulage, die der Kapitalmarkt für das jeweilige Land verlangt.

Experten verweisen allerdings darauf, dass Italien trotz der Gerüchte um seine Schuldentragfähigkeit somit zumindest das angestrebte Emissionsvolumen erreicht habe: „Das sollte dem Markt auf kurze Sicht etwas Erleichterung verschaffen. Auch die Rendite hätte durchaus höher ausfallen können, wenn man die jüngsten Nackenschläge für Italiens Kreditwürdigkeit bedenkt“, meint Peter Chatwell von Credit Agricole.

Auch Spanien spürt Renditedruck

Auch in Spanien - nach Italien die viertgrößte Euro-Wirtschaft - legten die Renditen zeitweise stark zu. In Deutschland hingegen liegt die zehnjährige Rendite mit 2,5 Prozent wesentlich niedriger. Dies ist Ausdruck des hohen Zutrauens der Investoren in die Bonität Deutschlands. Italien und Spanien - die dritt- und viertgrößte Euro-Wirtschaft - sind in den vergangenen Tagen an den Finanzmärkten stark in Bedrängnis geraten.

Im Vergleich: In den bereits geretteten Euro-Ländern Griechenland, Irland und Portugal liegen die zehnjährigen Zinsen aktuell bei 16 Prozent, 12,7 Prozent und 12,2 Prozent - also deutlich höher als in Italien und Spanien

Bis zum Mittag entspannte sich die Lage an den Rentenmärkten Italiens und Spaniens wieder etwas. Händler spekulierten über Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Im Mai 2010 hatte die Notenbank im Zuge der Griechenland-Rettung damit begonnen, Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu kaufen. Seit mittlerweile 15 Wochen hatte die EZB aber nach eigenen Angaben keine Anleihen mehr erworben. Im Mittagshandel lag die Rendite in Italien wieder deutlich unter der Sechs-Prozent-Marke, in Spanien knapp darüber.

Kaum Erleichterung verspürte unterdessen Griechenland bei der Ausgabe eines Geldmarktpapiers mit sechs Monaten Laufzeit: Die Investoren verlangten für die Schuldtitel eine Rendite von 4,90 Prozent und damit kaum weniger als zuletzt, als 4,96 Prozent fällig wurden. Die Emission im Volumen von 1,625 Milliarden Euro war 2,88-fach überzeichnet. Damit waren die Papiere etwas gefragter als bei der Auktion von Mitte Juni, die nur 2,58-fach überzeichnet war. Allerdings griffen diesmal weniger ausländische Investoren zu: Ihr Anteil lag bei 22 Prozent, Mitte Juni waren es noch 37 Prozent.

Der Schuldenberg Italiens

Gegenwind an den Kapitalmärkten

Mit bangem Blick verfolgt Italien die steigende Nervosität an den Märkten, denn mit höheren Risikoaufschlägen für Italiens Anleihen steigen auch die Refinanzierungskosten. Hier ein kurzer Überblick über den Schuldenberg des Landes und wie es an frisches Geld kommt.

Italien in „schlechter Gesellschaft“

Ende 2010 erreichte der Schuldenstand des Staates bereits 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wird wohl dieses Jahr 120 Prozent übersteigen. Damit wäre die Quote doppelt so hoch wie im Maastrichter EU-Vertrag erlaubt. Italiens Schuldenberg reicht aber noch nicht an die gigantische Quote des von EU und IWF vor der Pleite bewahrten EU-Partners Griechenland (2010: 142,8 Prozent) heran. Auch Irland (EU-Prognose für 2011: 112,0 vH) und Portugal (101,7 vH) werden voraussichtlich Ende dieses Jahres mehr Schulden angehäuft haben, als sie an Wirtschaftsleistung auf die Waage bringen.

Inländische Gläubiger stützen

83 Prozent der Schuldensumme Italiens von 1,843 Billionen Euro wurden 2010 nach Informationen des Wirtschafts- und Finanzministeriums über Staatstitel abgedeckt. Den Großteil davon halten Gläubiger im Inland. Damit konnte sich das Land bislang sozusagen am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen.

Absturzgefahr

Doch das Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP) verweist darauf, dass das Land schon seit zwei Jahren mehr Kapital im Ausland leiht als es für Investitionen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten ausgibt. „Wenn sich um Italien nicht schnell etwas tut, gleitet das Land bereits 2011 in die unterste Risikokategorie ab, in der sich Griechenland, Portugal, Zypern und Malta befinden“, warnte CEP-Vorstandschef Lüder Gerken.

Anstehende Emissionen

Paolo Bonaiuto, der Berater des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, beziffert die Gesamtsumme an Emissionen „in den kommenden Monaten“ auf 120 bis 130 Milliarden Euro. Von Juli bis September sollen allein mit der Ausgabe neuer Anleihen insgesamt 40 Milliarden Euro in die Staatskasse wandern. Zudem behält sich die Regierung vor, weitere Neuemissionen aufzulegen. Außerdem will der Staat durch die Aufstockung laufender Anleihen zusätzlich frisches Geld bei Investoren einsammeln.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

12.07.2011, 13:39 Uhr

Nach noch unbestaetigte Geruechten aus wie immer gut unterrichteten Expertenkreisen der HB Redaktion geht hervor, dass ab sofort mit dem Ankauf Italienischer Staatsanleihen als Sonderbonus ein gratis Hausbesuch von Berusconis Privat Dirnen zugestanden wird.

Zur besonderen Beachtung fuer das aktuelle Angebot der Italienischen Regierung:

Es gilt das Windhundprinzip.

Firt come

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