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19.12.2011

14:54 Uhr

Schuldenkrise in Europa

Investoren flüchten in Schwellenländer

Banken, Versicherer oder Pensionsfonds suchen für ihre Milliarden verstärkt weltweit nach soliden Staats- oder Firmenbonds. Der Grund: In Europa gibt es nur geringe Renditen – oder hohes Risiko.

Für Investoren sind Schwellenländer attraktiver als Europa. dpa

Für Investoren sind Schwellenländer attraktiver als Europa.

FrankfurtDie Zeiten, in denen europäische Staatsanleihen eine sichere Rendite versprachen, sind mit der Schuldenkrise passé. Große Investoren wie Pensionsfonds, Versicherer oder Banken folgen deshalb inzwischen einer neuen Strategie: Die internationale Streuung des Anleihevermögens sei derzeit „eines der großen Themen“ für große institutionelle Anleger, sagt Herwig Kinzler, Leiter der Investmentberatung beim Consultant Mercer in Deutschland.

Investoren suchten verstärkt weltweit nach Alternativen zu Europa, führt Kinzler aus. Das können Schwellenländer-Staatsanleihen guter Bonität oder Bonds solider Unternehmen sein, ebenfalls in den Emerging Markets. Den Anteil von Anleihen aus aufstrebenden Schwellenländern in den Portfolios schätzt der Mercer-Experte inzwischen bereits auf bis zu ein Zehntel.

Auch Nigel Cresswell, der beim Unternehmensberater Towers Watson in Deutschland die Investmentberatung leitet, stellt fest, dass große Pensionseinrichtungen ihre teils milliardenschweren Vermögen immer stärker international anlegen. So hat sich der Anteil von Schwellenländerbonds am Anleiheportfolio seit dem vergangenen Jahr auf immerhin neun Prozent verneunfacht, hat Cresswell ermittelt. Das Kapital wurde umgeschichtet aus europäischen Staatsanleihen in Länder- oder Firmenbonds aus Schwellenländern.

Cresswell rät Investoren, nach dem Kreditrisiko im Verhältnis zur Rendite zu schauen und sich ein Portfolio aus Wertpapieren mit abgestuften Risiken zusammenzustellen: „Wir empfehlen unseren Kunden, jetzt eher von der Bonität als vom Emittenten her zu denken“, sagt er. Dabei setzt er qualitativ hochwertige Staatsanleihen aus Schwellenländern auf eine Stufe mit soliden Firmenbonds wie beispielsweise die der US-Fast-Food-Kette McDonald’s.

„Die Wahl zwischen Pest und Cholera“

Allerdings sind viele Pensionseinrichtungen verpflichtet, einen gewichtigen Anteil Staatsanleihen hoher Bonität zu behalten, um ihre Rentenzahlungen zu sichern beziehungsweise Regulierungsvorschriften zu genügen. „Sie haben nur die Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagt Mercer-Experte Kinzler. So bemühten sich Investoren aktuell, mit Bonds aus Frankreich, den Niederlanden oder Österreich wenigstens noch etwas höhere Renditen zu bekommen als mit deutschen Bundesanleihen.

Wer Anleihen auch etwas niedrigerer Bonität dazukaufen wolle, schaue aktuell nicht in erster Linie nach Italien. Italienische und spanische Staatsanleihen blieben aber tendenziell im Portfolio, sagt Towers-Watson-Berater Cresswell. Die wenigsten Investoren hätten noch Griechenland im Portfolio, berichtet er – wenn, dann behielten sie diese Bonds jetzt aber. Nach einer Umfrage von Towers Watson unter 25 Unternehmen aus dem Dax und MDax mit Pensionsvermögen von insgesamt rund 95 Milliarden Euro machen Staatsanleihen hoher Bonität rund die Hälfte des Rentenportfolios aus, die zweitgrößte Klasse sind aber bereits Firmenanleihen mit knapp einem Drittel. Insgesamt stecken in einem typischen Portfolio rund 80 Prozent des Vermögens in Anleihen.

Zudem sicherten sich große Investoren gegen Risiken ab, wie Cresswell erläutert. Knapp die Hälfte der Befragten schützt sich vor Zinsänderungen, die Hälfte vor Währungs- und ein Viertel vor Inflationsrisiken.

Kommentare (1)

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ImExil

19.12.2011, 15:53 Uhr

Fazit: Die Euro Politiker haben damit einen Paradigmenwechsel ausgelöst. Die Zukunft und der Wohlstand gehört den Schwellenländer - Deutschland wurde von europäischen Politikern, hier zeichneten sich vor allem Deutsche aus, in die Armut überführt. Die Führungsgestalten der Euroeinführung gehören vor Gericht gestellt. Das Ganze ohne Volksentscheid somit unter alleiniger Verantwortung der Politikerkaste. Wie soll mit diesen Politikern verfahren werden?

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