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04.11.2011

07:19 Uhr

Schuldenkrise

Soros warnt vor „Kernschmelze“

Der berühmt-berüchtigte Investor George Soros sorgt sich um Europa. Die Entscheidungsträger täten zu wenig, um die Schuldenkrise zu bekämpfen. Im schlimmsten Fall drohe dem Finanzsystem die Kernschmelze.

George Soros glaubt an den Fortbestand des Euros. Mit der Währung sei es wie mit einem Rührei - auch das kann man nicht mehr "entrühren". Reuters

George Soros glaubt an den Fortbestand des Euros. Mit der Währung sei es wie mit einem Rührei - auch das kann man nicht mehr "entrühren".

BudapestGeorge Soros hat vor einer Pleite Griechenlands gewarnt. Es bestehe die "reale Gefahr eines ungeordneten Zahlungsausfalls", sagte der Milliardär und Investor auf einer Rede in Budapest. In so einem Fall könnte es zu einem Run auf die Banken in anderen Ländern kommen.

Jeder Schuldenschnitt müsse "geordnet erfolgen", sagte Soros. Andernfalls drohe eine "Kernschmelze". Die Behörden müssten sicherstellen, dass die griechischen Banken "am Leben erhalten" blieben und dass die Guthaben sicher seien.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Dass private Gläubiger auf die Hälfte ihrer Forderungen an Griechenland verzichten wollen, geht nach Ansicht des Milliardärs nicht weit genug. Er forderte die europäischen Entscheidungsträger dazu auf, den Euro-Rettungsfonds EFSF dazu einzusetzen, griechische Bonds von der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu kaufen. Dadurch würde Griechenland eine Möglichkeit gegeben, sich aus der Krise herauszuarbeiten.

"Europa ist zurzeit an einem kritischen Punkt und die Entscheidungsträger tun zu wenig und zu spät", sagte Soros. Es sei allerdings noch nicht zu spät. Der Euro werden bleiben, sagte der 81-Jährige. Schließlich könne ein Rührei auch nicht wieder "entrührt" werden.

Kommentare (16)

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04.11.2011, 07:47 Uhr

Herr Sorros, Sie irren. Die gemeinsame Währung zwischen Tschechien und der Slowakei wurde an einem Wochenende aufgelöst! Das geht immer!
Sie haben wohl viel zu verlieren, dass Sie so in Goebbelscher Manier das Trommeln nicht einstellen. Anders ist Ihr Heulen nicht zu erklären. Aber Sie werden noch das Zähneklappern kriegen!

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04.11.2011, 08:06 Uhr

Soros ist 81 Jahre alt. Da klappern die Zähne entweder jetzt schon oder sie werden auch in Zukunft nicht mehr damit anfangen. Zumindest nicht wegen Geldsorgen.

Soros ist für mich ähnlich kryptisch wie Ackermann. Mal lügen sie der Öffentlichkeit aus Eigennutz etwas vor, mal sagen sie aber auch die Wahrheit.

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04.11.2011, 08:24 Uhr

Soros kennt doch nur sich und nicht "Eigentum verpflichtet"! Ist wohl zu dick drin in seiner Zockerei und orakelt deshalb kryptisch herum. Ein Rührei, das nix taugt, kann man auch gleich wegwerfen!

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