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05.03.2012

11:37 Uhr

Schuldenschnitt für Griechenland

Anlegerschützer raten von Anleihe-Tausch ab

Sollten Privatanleger dem Schuldenschnitt zustimmen? Nein, sagen Anlegerschützer. Die Investoren hätten wenig zu verlieren – zumindest nicht mehr, als ohnehin durch einen Schuldenschnitt weg wäre.

Durch den Schuldenschnitt verlieren Anleger einen Großteil ihres Geldes. dpa

Durch den Schuldenschnitt verlieren Anleger einen Großteil ihres Geldes.

DüsseldorfDer Schuldenschnitt für Griechenland wird zum Drahtseilakt: Noch ist nicht klar, ob genügend Gläubiger „freiwillig“ auf ihre Forderungen verzichten. Den Anlegern bleibt Zeit bis Donnerstag, um zu entscheiden, ob sie das Tauschangebot der griechischen Regierung annehmen. Der Umtausch soll zwischen dem 8. und 11. März erfolgen. Der Ratschlag von Anlegerschützern fällt klar aus: Sie empfehlen Privatanlegern, das Angebot abzulehnen.

„Wir raten […] insbesondere Investoren, deren Papiere kurze Restlaufzeiten haben, das Angebot nicht anzunehmen“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Montag.

Diese griechischen Bonds sind vom Schuldenschnitt 2012 betroffen

Fälligkeit 1. Halbjahr 2012

fällig am 20. März 2012
GR0110021236
GR0A10021571

fällig am 15. Mai 2012
XS0147393861

fällig am 18. Mai 2012
GR0124018525

fällig am 20. Juni 2012
GR0124020547

fällig am 30. Juni 2012
GR0106003792

Fälligkeit 2. Halbjahr 2012

fällig am 13. Juli 2012
GR2000000106

fällig am 20. August 2012
GR0114020457
GR0A14020793

fällig am 13. September 2012
FR0000489676

fällig am 22. Oktober 2012
GR0133002155
GR0B33002425
GR0C33002358

fällig am 21. Dezember 2012
XS0208636091

fällig am 22. Dezember 2012
GR0326042257

fällig am 31. Dezember 2012
GR0508001121

Fälligkeit 1. Halbjahr 2013

20. Februar 2013
GR0512001356

26. März 2013
XS0354223827

31. März 2013
GR0110022242

2. April 2013
XS0165688648

20. Mai 2013
GR0124021552
GR0A24021898

20. Mai 2013
GR0128001584

25. Juni 2013
XS0372384064

Fälligkeit 2. Halbjahr 2013

3. Juli 2013
GR0124022568

5. Juli 2013
CH0021839524

31. Juli 2013
GR0110023257
20. August 2013
GR0114021463
GR0A14021809

30. September 2013
GR0124023574

11. Oktober 2013
GR2000000064

22. Dezember 2013
GR0326043263

Fälligkeit 1. Halbjahr 2014

11. Januar 2014
GR0128002590

30. Januar 2014
XS0142390904

5. Mai 2014
GR2000000221
21. Mai 2014

XS0097596463
20. Mai 2014
GR0124024580
GR0A24024926

22. Juni 2014
GR2000000239

Fälligkeit 2. Halbjahr 2014

1. Juli 2014
GR0124025595

25. Juli 2014
GR0112003653

12. August 2014
XS0198741687
GR2000000304

20. August 2014
GR0114022479
GR0A14022815

30. September 2014
GR0112004669

20. Dezember 2014
GR2000000247

27. Dezember 2014
GR2000000023

Fälligkeit 2015

24. März 2015
GR2000000254
30. Juni 2015
GR2000000262
14. Juli 2015
JP530000CR76

20. Juli 2015
GR0124026601
GR0A24026947

20. August 2015
GR0114023485
GR0A14023821

28. August 2015
GR1150003688

30. September 2015
GR0114024491

29. Oktober 2015
FR0010027557

10. November 2015
GR0124027617

Fälligkeit 2016

1. Februar 2016
JP530000BS19

3. Februar 2016
GR2000000080
4. März 2016
GR2000000049

8. April 2016
XS0165956672

11. April 2016
XS0357333029

21. Mai 2016
GR0516003606

24. Mai 2016
XS0193324380

20. Juli 2016
GR0124028623

22. August 2016
JP530000CS83

25. August 2016
GR2000000056

13. September 2016
GR0116002875

19. September 2016
GR1150001666

8. November 2016
XS0071095045

6. Dezember 2016
JP530005ASC0

27. Dezember 2016
GR0326038214

Fälligkeit 2017

1. März 2017

GR0118014621

17. März 2017

XS0215169706

4. April 2017

GR0528002315

20. April 2017

GR0118012609

GR0A18012945

1. Juli 2017

GR0518072922

GR0518071916

3. Juli 2017

XS0078057725

18. Juli 2017

XS0308854149

20. Juli 2017

GR0124029639

GR0A24029974

8. August 2017

XS0079012166

9. Oktober 2017

GR0118013615

27. Dezember 2017

XS0160208772

Fälligkeit 2018-2020

3. April 2018

GR0120003141

25. April 2018

GR2000000270

2. Juni 2018

GR2000000031

5. Juli 2018

XS0260024277

20. Juli 2018

GR0124030645

GR0A24030014

9. August 2018

GR2000000098

22. Februar 2019

XS0286916027

27. Februar 2019

GR0122002737

4. März 2019

GR0122003743

30. April 2019

XS0097010440

3. Juni 2019

XS0097598329

19. Juli 2019

GR0124031650

GR0A24031020

17. September 2019

GR0120002135

22. Oktober 2019

GR0133001140

20. Dezember 2019

XS0280601658

19. Juni 2020

GR0124032666

GR0A24032036

13. Juli 2020

XS0224227313

12. August 2020

GR2000000015

Fälligkeit 2021-2057

19. April 2021

XS0251384904

31. Mai 2021
XS0255739350

9. Juni 2021
XS0256563429

22. Oktober 2022

GR0133002155
GR0B33002425
GR0C33002358

16. Mai 2023

GR2000000296

20. März 2024
GR0133003161
GR0A33003507

6. Juli 2024

XS0223064139

7. Juli 2024

XS0223870907

25. Juli 2025

GR0338001531

20. März 2026

GR0133004177

GR0A33004513

10. Juli 2026

XS0260349492

18. Mai 2027

GR2000000288

14. April 2028

XS0110307930

25. Juli 2030

GR0338002547

10. Mai 2034

XS0192416617

17. Juli 2034
XS0191352847

20. September 2037

GR0138001673

20. September 2040

GR0138002689

25. Juil 2057

XS0292467775 25-Jul-57

Der Schuldenschnitt betrifft ausstehende Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 206 Milliarden Euro. Insgesamt sollen private Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten. Für die restlichen 46,5 Prozent erhalten sie neue Wertpapiere.

In Form einer 30-jährigen griechischen Anleihe mit EFSF-Absicherung fließen 31,5 Prozent, in Form von EFSF-Papieren mit ein oder zweijähriger Laufzeit weitere 15 Prozent. Zusätzlich gibt es zu der griechischen Anleihe ein Wertpapier, das vom Wirtschaftswachstum Griechenlands abhängt. Für die neuen Anleihen wird britisches Recht gelten. Das Programm soll bis 2042 laufen.

Was Anleger beim Schuldenschnitt 2012 erhalten

Frische 30-jährige Anleihe

Exakt 31,5 Prozent des ausstehenden Nennwerts der bisherigen Anleihen erhalten Gläubiger in Form des folgenden Papiers:

Anleihe mit Laufzeit bis 2042:

In den Jahren 2013, 2014 und 2015 beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 2,0 Prozent

In den Jahren 2016 bis 2020 einschließlich beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 3,0 Prozent

Im Jahr 2021 beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 3,65 Prozent

Ab dem Jahr 2022 beläuft sich die jährliche Zinszahlung (Koupon) auf: 4,3 Prozent

Die Zinsen werden ab dem 24. Februar 2012 berechnet.

Die neuen Anleihen werden eine Umschuldungsklausel (CAC) enthalten.

An das BIP gekoppeltes Papier

Zu der frischen 30-jährigen Anleihe mit EFSF-Absicherung erhalten die Anleger ein getrennt handelbares Wertpapier:

Der Wert dieses Papiers wird von der Entwicklung des Wirtschaftswachstums in Griechenland abhängen. Ab welchem Wachstumswert des Bruttoinlandsprodukts (BIP) diese Papiere greifen, war in der ersten veröffentlichten Übersicht des griechischen Finanzministeriums nicht vermerkt. Mittlerweile liegen die Schwellenwerte vor, ab denen es zusätzliche Zahlungen geben wird.

Eine Auszahlung wird es erstmals für das Jahr 2014 geben, die Überweisung dafür erfolgt am 15. Oktober 2015. Bezugsgröße ist das bis dahin von der europäischen Statistikbehörde Eurostat veröffentlichte BIP für Griechenland. Spätere Revisionen finden keine Berücksichtigung. Die letzte Zahlung kann es im Jahr 2042 für das Jahr 2041 geben.

Die Auszahlung errechnet sich wie folgt:

[(Nominales BIP - nominaler BIP-Referenzwert] - realem BIP-Referenzwert] x 1,5 = Y
Sollte Y den Wert 0,01 überschreiten, gilt Y=0,01
Auszahlung für jeweils 100 Euro Nennwert des Papiers = 100 € x Y
Maximal werden also 1 Euro je 100 Euro Nennwert ausgeschüttet.

Die Wachstumsrate berechnet sich aus dem nominalen BIP im betreffenden Jahr im Vergleich zu nominalen Referenz-BIP-Werten.

Die realen BIP-Referenzwerte sind folgende:
2014 - 2,345 %
2015 - 2,896 %
2016 - 2,845 %
2017 - 2,797 %
2018 - 2,597 %
2019 - 2,497 %
2020 - 2,247 %
2021-2041 - 2 %

Die nominalen BIP-Referenzwerte lauten (in Mrd. €)
2014 - 210,1
2015 - 217,9
2016 - 226,4
2017 - 235,7
2018 - 245,5
2019 - 255,9
2020-2041 - 266,5

Aus den nominalen und realen BIP-Referenzwerten für 2014 leitet sich folgendes Beispiel ab: Das nominale BIP im Jahr 2014 muss mindestens 215,03 Milliarden Euro betragen, damit es eine Zahlung auf die Papiere gibt. Ab einem nominalen BIP-Wert von 217,13 Milliarden Euro im Jahr 2014 gibt es für dieses Jahr die maximale Zahlung von einem Euro pro 100 Euro Nennwert.

Zur Erinnerung: Das nominale BIP Griechenlands hat im Jahr 2010 laut den jüngsten Zahlen von Eurostat 230 Milliarden Euro betragen, ist im vergangenen Jahr aber deutlich geschrumpft. Bei einem angenommenen Minus von sieben Prozent hat das nominale BIP 2011 etwa 214 Milliarden Euro betragen. Die Stagnation des BIP-Referenzwerts ab 2020 lässt Auszahlung in den Jahren danach wahrscheinlicher werden.

Die Angaben erfolgen ohne Gewähr.

EFSF-Papier statt Bargeld

Gläubiger mit Sitz in den USA erhalten 15 Prozent des ausstehenden Nennwerts ihrer Anleihen in bar ausgezahlt. Alle anderen Gläubiger erhalten diese 15 Prozent in Form eines EFSF-Wertpapiers:

EFSF Note:

Es wird zwei Varianten dieser „Notes“ geben, beide mit einem Gesamtvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro.

Die Laufzeit endet am 12. März 2013 beziehungsweise am 12. März 2014.

Der Zinssatz auf diese Papiere steht noch nicht fest.

Durch den Forderungsverzicht und die veränderten Konditionen könnten sich die Verluste nach Meinung von Experten auf mehr als 70 Prozent des Nominalwerts summieren. Angesichts so hoher Einbußen, überlegen viele Anleger, ob sie das Angebot tatsächlich annehmen sollen.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

05.03.2012, 12:31 Uhr

Und wenn man schließlich zum 100. Geburtstag sein Restgeld bekommt, dann reicht es für ein verkleinertes Hühnerei. Ob unter solchen Erfahrungen überhaupt noch jemand den PIIGS-Staaten ein Cent leiht, ist zu bezweifeln. Dann zahlt der Steuerzahler.

Roland

05.03.2012, 12:37 Uhr

Nur Idioten können dem Forderungsverzicht zustimmen. Jeder kann inzwischen nachvollziehen, dass so oder so nichts mehr übrig bleibt. Eine 30-jährige griechischen Anleihe mit EFSF-Absicherung, aber das vom Wirtschaftswachstum Griechenlands abhängig ist. Wer glaubt noch an Wunder in Griechenland? Warum?
- Griechenland wird alle Kontrollen unterlaufen.
- Durch den EZB-Tender hat sich Athen durch eigene
Banken refinanziert.
- Warum sind die Wahlen verschoben worden?
- Weil die nächste Tranche in Anspruch genommen wird.
- Die Neuen nach der Wahl werden weiterhin den Reformen
nicht zustimmen.
Was dann?

Rambo

05.03.2012, 12:51 Uhr

Woher wollen Sie wissen, was die nächste Regierung in Griechenland macht? Sind Sie etwas wie ein Guru? Und Aufschwung wird in Griechenland kommen, spätestens wenn die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) von Griechenland festgelegt wird (nach bestehenden Gesetzen und trotz Widerstands aus der Türkei) und dann endlich die Bohrarbeiten für die Erdölvorkommen in Griechenland beginnen. Ist alles nur eine Frage der Zeit.

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