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21.02.2012

13:53 Uhr

Schuldenschnitt für Griechenland

Die Leiden eines Privatanlegers

Die Großbanken haben den Schuldenschnitt mit Griechenland ausgehandelt. Doch was passiert eigentlich mit den kleinen Anlegern? Mancher gerät jetzt ins Schwitzen. Ein Betroffener berichtet, wie er um sein Geld bangt.

Ein Privatanleger berichtet für Handelsblatt Online, wie er den Schuldenschnitt für Griechenland erlebt. dpa

Ein Privatanleger berichtet für Handelsblatt Online, wie er den Schuldenschnitt für Griechenland erlebt.

Ich habe wohl noch einmal Glück gehabt, denn in der vergangenen Nacht haben die Euro-Finanzminister ein neues Rettungspaket für Griechenland geschnürt: 130 Milliarden Euro ist es schwer. Das wird den Griechenland-Anleihen in meinem Depot sicher gut tun. Jawohl, ich bekenne mich: Ich bin seit Juli 2011 privater Gläubiger des Fast-Pleite-Staates.

Ich weiß nicht mehr so genau, welcher Teufel mich im Sommer geritten hat. Meine Frau hatte ihre Hände mit im Spiel. Sie hatte mich auf ein Spiegel-Interview mit dem Hannoveraner Finanzprofessor Stefan Homburg aufmerksam gemacht. Sicher war auch es Homburg selbst. Der hatte in dem Interview freimütig bekannt, er habe „in den letzten Tagen … einen namhaften Betrag in griechische Anleihen gesteckt.“ Renditeerwartung: 25 Prozent. Risiko: überschaubar.

Er schlafe wunderbar, so erzählte Homburg, weil er an die „grenzenlose Dummheit der Bundesregierung“ glaube. „Sie wird zahlen." Und auch Gründe für moralische Skrupel gebe es keine, „weil ich die Rettungsmaßnahmen unfreiwillig durch meine Steuern mitfinanziere, ist es doch in Ordnung, wenn ich auch von den Gewinnen einen Teil erhalte. Warum sollten denn ausschließlich Banken und Hedge-Fonds profitieren?“ Das klang plausibel. Trotzdem zögerte ich noch. Sollte ich wirklich in ein Land investieren, das kurz vor dem Kollaps stand?

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Meine eher risikofreudige Frau zeigte sich dagegen wild entschlossen. Die zu erwartende Rendite der gepriesenen Hellas-Kurzläufer sei attraktiv und so, wie Professor Homburg es beschrieben hatte, scheine das Investment sicher. Ich gab schließlich nach und orderte griechische Anleihen – allerdings nur mit kleinem Einsatz: Nominalwert 1.000 Euro, Laufzeit bis 18. Mai 2012. Der Kurs betrug 83,98 Euro, also stehen seitdem knapp 840 Euro auf dem Spiel.

Kommentare (81)

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Thomas-Melber-Stuttgart

21.02.2012, 14:08 Uhr

"Ich weiß nicht mehr so genau, welcher Teufel mich im Sommer geritten hat."

Hatte das HB nicht griechische Staatsanleihen ausdrücklich empfohlen, zumindest deren Erwerb der Leserschaft nahegelegt?

audit

21.02.2012, 14:13 Uhr

naja, wer die deutschen Medien als Info-Quelle nimmt:
- sabbelt Mist bei der Bild / Wulff Affäre
- Kauft Staatsanleihen aus GR, I, SP
- Sieht den IM Herrn Gauck als Saubermann an

Man kann es drehen, wie man will, die Welt ist einfach gerecht.

Euro-Payer

21.02.2012, 14:14 Uhr

Mich hat als Steuerzahler auch niemand gefragt, ob ich meine Erspartes/meine Rentenansprüche für griechische, italienische (und andere) Steuerbetrüger und Bilanzfälscher hergeben will.Und wenn jetzt Leute, die Mitte 2011 noch schnell an der Krise verdienen wollten, auf die Nase fallen, dann würde mich das eher freuen.

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