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09.03.2012

07:21 Uhr

Schuldenschnitt für Griechenland

Gläubiger stimmen ihrer Enteignung zu

Die privaten Gläubiger haben dem Schuldenschnitt für Griechenland mit großer Mehrheit zugestimmt - und damit ihrer eigenen Enteignung. Wer sich bis zuletzt geweigert hat, wird nun zur Umschuldung gezwungen.

Hohe Beteiligung am Schuldenschnitt

Video: Hohe Beteiligung am Schuldenschnitt

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AthenGriechenland kann den Schuldenschnitt durchziehen: Nach Angaben des griechischen Finanzministeriums vom Freitagmorgen lag die Beteiligung privater Gläubiger am Schuldenschnitt bei
83,5 Prozent. Nach Angaben des Finanzministeriums beteiligten sich private Gläubiger, die griechische Anleihen im Wert von 172 Milliarden von insgesamt 206 Milliarden Euro hielten.

Das Ministerium kündigte zugleich an, die Umschuldungsklauseln (CAC) aktivieren zu wollen, die es ihr erlauben würde, weitere Gläubiger zur Teilnahme an der Aktion zu zwingen. Diese erlauben es, weitere Gläubiger zur Teilnahme an der Aktion zu zwingen. Zusammen mit den anderen Anleihen würde die Quote dann insgesamt bei 95,7 Prozent liegen. Das würde 197 der insgesamt 206 Milliarden Euro Anleihevolumen in der Hand privater Gläubiger entsprechen.

Bei dem Schuldenschnitt tauschen private Gläubiger wie Banken, Fonds und Versicherungen ihre alten Staatsanleihen gegen neue Schuldpapiere mit einem geringeren Wert und längeren Laufzeiten von teils bis zu 30 Jahren. Unter dem Strich verzichten sie damit auf bis zu 70 Prozent ihres Geldes.

Nach den bisherigen Planungen sollen dann am 12. März die verschiedenen Verträge zum Tausch der alten in neue Staatsanleihen mit langen Laufzeiten und günstigeren Konditionen unterzeichnet werden. Am 20. März werden Anleihen Griechenlands über 14,5 Milliarden Euro fällig. Ohne das neue Hilfspaket könnte das Euro-Land die Schulden nicht zurückzahlen.

Durch den Forderungsverzicht der Banken, Versicherer und Fonds sollen die Verbindlichkeiten um insgesamt 107 Milliarden Euro sinken, damit sich das Euro-Land aus dem Würgegriff der eigenen Schulden befreien kann. Eine erfolgreiche Umschuldung ist die Grundvoraussetzung für ein zweites Rettungspaket durch die anderen Euroländer. Die Euro-Finanzminister wollen sich am Freitagnachmittag in einer Telefonkonferenz mit den Ergebnissen des griechischen Anleihetausch-Angebots beschäftigen. Auf der Tagesordnung steht die endgültige Freigabe des Anfang März grundsätzlich beschlossenen 130-Milliarden-Hilfspakets für Griechenland.

Doch auch mit Schuldenschnitt und weiteren Hilfen ist die Griechenland-Krise noch lange nicht gelöst. Nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger wird das Land auf Sicht der nächsten zwölf Monate einen „echten Schuldenerlass“ benötigen. Nur so könne die Schuldenlast des Landes auf ein tragbares Niveau gesenkt werden, erklärte das Mitglied im Sachverständigenrat der deutschen Bundesregierung im Interview mit Bloomberg TV.

Auch mit einem erfolgreichen Anleihetausch bleibe die Verschuldung Griechenlands „enorm“. Im Hinblick auf die europäische Politik bestehe die Notwendigkeit eines Umdenkens, sagte Bofinger in Berlin. Weitere Schuldenschnitte für Griechenland könnten nach seiner Ansicht bereits in sechs Monaten erforderlich werden.

Kommentare (96)

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Koboldo

08.03.2012, 08:48 Uhr

Das Debakel um die Griechenlandpolitik der Bundesregierung kann eigentlich nicht überzeugend wirken. Griechenland ist pleite und wird es trotz Schuldenschnitt und Rettungsschirm auch bleiben! Jede derzeitige Hilfe für Griechenland festigt nur die dortigen Strukturen mit der Folge, dass sich dort nicht wirklich etwas ändert, sodass Griechenland auch noch in 20 Jahren mit offener Hand vor der Türe stehen wird. Das ist letztlich teurer, als wenn heute mit der Wahrheit operiert und klar gesagt werden würde, dass Griechenland auch nicht ansatzweise die Kriterien für die Beibehaltung des Euro erfüllt. Aber die Wahrheit schmerzt und deshalb wird das Gewurschtel der Politik so weiter gehen. Ausbaden müssen es dann eben künftige Generationen.

Account gelöscht!

08.03.2012, 08:59 Uhr


100MRD Schuldenschnitt, GR lebt damit wie mit einer 10 MRD EU Subventionshilfe. Glaubt die GR Politik, das Kreditspiel kann so weiter fortleben wie bisher ?.
Der harte Aufschlag in der so "harten Finanz-Realitaet" kommt noch.
Unverändert schlummert unser unbedarfter Hellas-Grieche mit unruhigem Schlaf auf seiner Ali Baba Wohl-Fühl-Wolke.
Wenn es schief laeuft, wacht er heute schon auf...

gerdon

08.03.2012, 09:16 Uhr

dem griechischem Volk wurden unsere Kredite regelrecht aufgezwungen und vorallen Deutsche Banken haben fette Geschäfte mit Griechenland gemacht und machen sie noch immer. Leider waren die Helenen zu naiv und haben sich Investitionen aufquatschen lassen. Herr Ackermann & Co, sowie die IWF sind die modernen Inkassoeintreiber und die BRD steht als Garant wie Frankreich hinter denen.....

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