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23.02.2012

11:37 Uhr

Schuldenschnitt für Kleinanleger

Was wird aus meinen Griechen-Anleihen?

Griechenland hat mit den Großbanken einen Schuldenschnitt vereinbart. Doch was bedeutet das für deutsche Kleinanleger? Müssen sie mitziehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Schuldenschnitt.

Zwei Griechen stehen vor dem abgeriegelten griechischen Parlament. dpa

Zwei Griechen stehen vor dem abgeriegelten griechischen Parlament.

Die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) wollen bis 2014 schrittweise 130 Milliarden Euro an Athen überweisen. Damit ist eine Staatspleite zumindest vorerst abgewendet. Gleichzeitig sollen die privaten Gläubiger freiwillig auf einen Großteil der Forderungen verzichten. Zu den privaten Gläubigern zählen nicht nur die Banken, sondern auch Fondsgesellschaften, Versicherer und Kleinanleger. Das Problem: Wenn nicht genug Gläubiger freiwillig mitmachen, kann Griechenland die Bedingungen für seine Anleihen ändern und den Schuldenschnitt erzwingen.

Viele Kleinanleger, die in den letzten Monaten besonders mit der im März fällig werdenden Anleihe gezockt haben, schwant inzwischen Böses. Seit Freitag ist der Kurs dieses Bonds von 43 auf 29 Prozent des Nominalvolumens gesunken. „Der Verlauf spiegelt deutlich die große Unsicherheit vieler Anleger wider“, sagt Markus Gross, Handelsexperte der Börse Stuttgart. Die Verkäufer seien in Überzahl. „Auf der anderen Seite gibt es trotzdem einige, die diese Staatsanleihe kaufen. Da sich das Papier momentan auf einem sehr niedrigen Kursniveau befindet, scheint ihnen auch das Verlustpotenzial überschaubar“, erläutert Gross.

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Auf wie viel Geld verzichten die Schuldner nominal?

Die privaten Gläubiger verzichten auf 53,5 Prozent des Nennwerts ihrer Anleihen. Eine Anleihe über 1000 Euro ist also nur noch 46,5 Prozent des Nennwerts und somit 465 Euro wert.

Was bekommen sie dafür?

Die Gläubiger bekommen 15 Prozent des ursprünglichen Nominalwerts, also im Beispiel 150 Euro, in Form von Anleihen des Euro-Rettungsschirms EFSF. Die werden innerhalb der nächsten zwei Jahre, also bis 2014, fällig. Das ist zwar kein Bargeld, gilt aber als Quasi-Cash-Komponente, weil die Anleihen des EFSF als sicher und jederzeit verkäuflich gelten - wobei auch bei diesen Bonds die Kurse schwanken. Die restlichen 31,5 Prozent des ursprünglichen Nominalwerts, also 315 Euro, werden in neue griechische Anleihen getauscht.

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Welche Laufzeit haben die neuen griechischen Anleihen?

Sie werden im Jahr 2042, also in 30 Jahren, fällig. Nach elf Jahren werden sie aber bereits teilweise zurückgezahlt. Vincent Chaigneau, Zinsstratege bei der Société Générale, interpretiert das so, dass ab 2023 jährlich fünf Prozent der neuen Bonds getilgt werden.

Welche Zinsen gibt es für die neuen Anleihen?

Die Verzinsung der EFSF-Anleihen steht noch nicht fest. Bislang gibt es keine zweijährigen EFSF-Anleihen, der in drei Jahren fällige Bond des Rettungsfonds rentiert mit knapp 1,3 Prozent. Die Zinsen der umgetauschten neuen griechischen Anleihen steigen im Zeitablauf. Für die ersten drei Jahre gibt es Zinsen von zwei Prozent, für die folgenden fünf Jahre drei Prozent und danach 4,3 Prozent.

Kommentare (33)

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Maerzanleihe-verliert-Praemie

23.02.2012, 12:19 Uhr

Bei der vielbeachteten Märzanleihe wurde darauf spekuliert , dass diese aufgrund der kurzen Restlaufzeit nicht von der Umstrukturierung erfasst werde. Die Anleihe wurde daraufhin mit einem deutlichen Preisaufschlag gegenüber anderen Griechenland-Anleihen gehandelt.
Nun ist klar, dass sich diese Illusion nicht erfüllt - Die Märzanleihe unterliegt den gleichen Prozeduren und verdient keine Preisprämie gegenüber anderen GR-Anleihen.
Zudem treiben die neuen Regularien einen Keil in das Gläubigerlager. Faktisch liegt es in der Hand der Banken, ob Kleinanleger über die Gemeinschaftsklauseln ( CAC ) mithaften. Verweigern Banken als Verzichtsträger kalkuliert die Erstzustimmung, werden Gemeinschaftklauseln aktiviert. Dadurch wird ohne Zusatzrisiko für die Banken der Haftungskreis auch auf die Kleinanleger ausgeweitet.
Kleinanleger sollten sich hüten, weiterhin auf die falschen Propheten in bestimmten Anlegerforen zu hören. Diese liegen nicht erst seit heute "schief" und suchen einen Narren, der ihre faulen Papiere noch mit Prämie bezahlt.

oldTrader

23.02.2012, 12:27 Uhr

Hurraaa!! Das Ende des Euros ist endlich eingeleitet. Ein erzwungener Schuldenschnitt ist natürlich nicht freiwillig. Die Ratingagenturen können also gar nicht anders als das default feststellen. Im Ausland wird man fürchten, dass Portugal und andere Südeuropäer ebenfalls nachträglich Klauseln einbauen um sich ihrer Schulden zu entledigen (das ist eh der größte Witz aller Zeiten). Den Beteuerungen der Europäer, dass es sich bei Griechenland um ein einmaliges Ereignis handelt wird man keinem Glauben schenken...Das Vertrauen ist hin und der Euro bald weg.
yipp yipp hurraaa und alaaf

Don-Peso

23.02.2012, 12:32 Uhr

Ist das dieses Board, wo man feiert, wenn man nach 10 Jahren teurer Anwaltsakrobatik ein argentinisches Toilettenhäusschen gepfändet hat ?

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