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19.03.2012

18:19 Uhr

Schuldenschnitt

Wette auf Griechenland-Pleite zahlt sich aus

VonJörg Hackhausen, Michael Maisch

Die vom Schuldenschnitt betroffenen Anleihen Griechenlands sind kaum noch etwas wert. Wer mit Kreditausfallversicherungen auf eine Pleite spekuliert hat, ist aber fein raus. Bald fließen Milliarden als Entschädigung.

Insgesamt dürften 2,5 Milliarden Dollar an Investoren fließen, die sich mit CDS gegen eine Pleite Griechenlands abgesichert oder auf einen solchen spekuliert haben. AFP

Insgesamt dürften 2,5 Milliarden Dollar an Investoren fließen, die sich mit CDS gegen eine Pleite Griechenlands abgesichert oder auf einen solchen spekuliert haben.

Es ist das große Reinemachen vor dem Zahltag: Banken und Großinvestoren haben in einer Auktion ermittelt, was nach dem Schuldenschnitt der Griechen übriggeblieben ist. Der Restwert der Griechen-Bonds beträgt 21,5 Prozent ihres ursprünglichen Nennwerts. Dies teilten die beiden Auktionsleiter, der Datenanbieter Markit und die auf Kreditderivate spezialisierte Handelsplattform Creditex, am Montagnachmittag mit.

Der Ablauf dieses Auktionsverfahren lief nach einem bewährten Protokoll ab: Es trägt den technischen Titel „Auction Settlement and Restructuring CDS Protocol“, in der Derivate-Branche auch bekannt unter dem Spitznamen „Small Bang“.

Welche Banken mit CDS auf Griechenland handeln

Deutsche Bank

CDS gekauft („protection buyer“): 4,324 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 4,420 Milliarden Euro

Summe: - 96 Millionen Euro

Quelle: European Banking Authority (EBA)

Commerzbank

CDS gekauft („protection buyer“): 825 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 825 Millionen Euro

Summe: 0

Landesbank Baden-Württemberg

CDS gekauft („protection buyer“): 271 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 216 Millionen Euro

Summe: 55 Millionen Euro

DZ Bank

CDS gekauft („protection buyer“): 636 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 806 Millionen Euro

Summe: - 170 Millionen Euro

NordLB

CDS gekauft („protection buyer“): 0

CDS verkauft („protection seller“): 92 Millionen Euro

Summe: - 92 Millionen Euro

WestLB

CDS gekauft („protection buyer“): 326 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 403 Millionen Euro

Summe: - 77 Millionen Euro

DekaBank

CDS gekauft („protection buyer“): 10 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 20 Millionen Euro

Summe: - 10 Millionen Euro

Österreichische Volksbank

CDS gekauft („protection buyer“): 81 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 35 Millionen Euro

Summe: 46 Millionen Euro

Banco Santander

CDS gekauft („protection buyer“): 214 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 214 Millionen Euro

Summe: 0

BNP Paribas

CDS gekauft („protection buyer“): 214 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 306 Millionen Euro

Summe: - 92 Millionen Euro

Credit Agricole

CDS gekauft („protection buyer“): 9 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 48 Millionen Euro

Summe: - 39 Millionen Euro

Societe Generale

CDS gekauft („protection buyer“): 2,454 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 2,457 Milliarden Euro

Summe: - 3 Millionen Euro

Royal Bank of Scotland

CDS gekauft („protection buyer“): 3,375 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 3,152 Milliarden Euro

Summe: 223 Millionen Euro

HSBC Holdings

CDS gekauft („protection buyer“): 1,725 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 1,482 Milliarden Euro

Summe: 243 Millionen Euro

Barclays

CDS gekauft („protection buyer“): 4,372 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 4,451 Milliarden Euro

Summe: - 79 Millionen Euro

Unicredit

CDS gekauft („protection buyer“): 817 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 1,116 Milliarden Euro

Summe: - 299 Millionen Euro

Quelle: European Banking Authority (EBA)

Damit lässt sich der Schaden für die Investoren genau taxieren - sie haben fast 80 Prozent verloren. In einem zweiten Schritt wird nun berechnet, wie hoch die Entschädigung für diejenigen ausfällt, die mit Kreditausfallversicherungen – Credit Default Swaps (CDS) – spekuliert haben.

Mit CDS sichern sich Investoren bei anderen Investoren vor dem Zahlungsausfall eines Schuldners ab und zahlen dafür jährlich eine Prämie. Sie profitieren aber nicht nur bei einem Zahlungsausfall, sondern auch dann, wenn die CDS-Prämien steigen und sie so ihren Schutz teuer an andere Investoren weiterverkaufen können.

Das US-Abwicklungshaus DTCC beziffert das Gesamtvolumen aller Griechenland-CDS auf rund 70 Milliarden Dollar. Da viele der großen Spieler am CDS-Markt die Ausfallversicherungen aber nicht nur verkauft, sondern auch gekauft haben, liegt die Nettosumme deutlich niedriger.

Presseschau: Belohnung für die Zocker

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Eine Belohnung für die Zocker

Die Entscheidung des internationalen Derivateverbands zur Fälligkeit von Kreditausfallversicherungen sorgt für ein großes Medienecho. Doch das Votum bleibt umstritten. Die Presseschau.

Wer seine Bestände über CDS abgesichert hat, erhält von den Emittenten den Nennwert der Bonds abzüglich dem Restwert, der sogenannten "Recovery Rate". Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters sind dies insgesamt 2,5 Milliarden Dollar.

Kommentare (21)

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Politikverdrossen

19.03.2012, 14:22 Uhr

Und weshalb genau haben wir uns jetzt so ins Bockshorn jagen lassen ?!?

Sollten lt. Einschätzung der Politik und des Bankenverbandes nicht die Finanzmärkte kollabieren und eine Pleitewelle schlimmer als Lehmann durch die Welt schwappen wenn die CDS für Griechenland infolge einer Insolvenz fällig werden?

Wieder mal ein Lehrstück dafür, wie mit Inkompetenz in Politik und Medien und fehlerhaften Informationen seitens der Interessenvertreter der Steuerzahler vorgeführt wird!

GausN

19.03.2012, 15:10 Uhr

...vollste Zustimmung !!

Account gelöscht!

19.03.2012, 17:27 Uhr

Könnte es sein, dass es in der Bankenübersicht mit dem Vorzeichen nicht so genau genommen wurde? Nur zB bei der UniCredit müsste doch ein "-" stehen, oder? Toll, für ein Wirtschaftsblatt!!!

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