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08.12.2014

14:25 Uhr

Schuldenstreit

Argentinischer Bond soll Krise beenden

Ein neuer Bond löst in Argentinien eine auslaufende Anleihe ab und gibt neue Hoffnungen im argentinischen Schuldenstreit. Der Dollar-Bond soll die Belastung für Devisenreserven abmildern und verschafft dem Land Zeit.

Argentiniens Präsidenten Cristina Fernandez de Kirchner während einer Pressekonferenz: Ihr Land befindet sich in einem langwierigen Schuldenstreit. dpa

Argentiniens Präsidenten Cristina Fernandez de Kirchner während einer Pressekonferenz: Ihr Land befindet sich in einem langwierigen Schuldenstreit.

Buenos AiresMit der Ausgabe einer neuen Dollar-Anleihe will sich Argentinien Luft im Schuldenstreit mit Hedgefonds verschaffen. Das südamerikanische Land will mit dem Geld aus dieser Schuldverschreibung einen 2015 auslaufenden Dollar-Bond ablösen und damit die weitere Schwächung der eigenen Devisenreserven abmildern. Außerdem gewinnt die Regierung im Schuldenstreit mit Hedgefonds Zeit - die Verhandlungen würden sonst mitten in den argentinischen Präsidentschaftswahlkampf fallen.

Finanzminister Axel Kicillof hatte in der vergangenen Woche die Emission einer auf Dollar lautenden und bis 2024 laufenden Anleihe „Bonar24“ im Volumen von bis zu drei Milliarden Dollar angekündigt. Es wäre die erste Ausgabe eines Fremdwährungsbonds seit der Staatspleite vom Juli. Mit diesem Geld will Argentinien ein Teil der 6,7 Milliarden Dollar aus den sogenannten Boden15-Titeln finanzieren, die im Oktober 2015 fällig werden.

„Mit der Refinanzierung von Boden15 lindert die Regierung den Druck auf die Devisenreserven“, sagt der argentinische Volkswirt Miguel Kiguel. Diese betragen derzeit 28,9 Milliarden Dollar. Dadurch verringere sich gleichzeitig die Notwendigkeit, noch vor den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2015 eine Einigung im Schuldenstreit zu erzielen, fügt Kiguel hinzu. Ähnlich urteilt Finanzmarkt-Experte Alejo Costa von der Investmentbank Puente. „Die Regierung kann in der Frage des Hair Cut aggressiver auftreten.“

Nach der Staatspleite von 2002 hatte sich Argentinien mit den meisten Anleihe-Gläubigern auf einen Schuldenerlass - im Börsenjargon Hair Cut genannt - geeinigt. Einige Hedgefonds kauften argentinische Papiere günstig auf und klagten auf volle Auszahlung von 1,33 Milliarden Dollar samt Zinsen. Die Regierung in Buenos Aires wirft ihnen vor, Profit aus der Notlage des Landes schlagen zu wollen. Weil Argentinien im Zuge des Streits für zahlungsunfähig erklärt wurde, rutschte es im Sommer 2014 erneut in die Staatspleite.

Argentinien bietet Besitzern der Boden15-Papiere, die 2013 und damit nach der Staatspleite von 2002 ausgegeben wurden, für jeden Dollar des Nominalwerts 97 US-Cent, wenn sie ihre Bonds zwischen dem 10. und dem 12. Dezember zum Verkauf anbieten. Zum regulären Fälligkeitsdatum am 3. Oktober 2015 würden Investoren 1,07 Dollar erhalten.

Diejenigen Investoren, die befürchteten, dass Argentinien Boden15 bei Fälligkeit im Herbst 2015 nicht zurückzahlen kann, gehen mit der Rückgabe der Papiere auf Nummer sicher und kommen sofort an ihr Geld. Risikofreudigere Anleger, die auf eine starke wirtschaftliche Erholung des rezessionsgeplagten Landes setzen, können darüber hinaus Boden15- in Bonar24-Titel umtauschen. „Sie geben Anlegern die Option, sich zurückzuziehen oder ihre Wette zu verdoppeln“, sagt Volkswirt Alejo Czerwonko von UBS Wealth Management.

Czerwonko zufolge hat die Regierung ihre Hausaufgaben gemacht und ausgelotet, ob sie ausreichend viele Bonar24 an den Finanzmärkten platzieren kann. Das Interesse der Investoren lasse sich angesichts der kurzen Andienungsfrist aber schwer abschätzen, betont der UBS-Experte. Ein weiteres Manko sei, dass Argentinien keine internationale Großbank mit dem Deal beauftragt habe.

Aus Sicht des Portfolio-Managers Rune Hejrskov von Jyske Invest sind auch die Konditionen ein Hemmschuh. Gemessen am Börsenkurs vom Freitag würden Investoren bei Annahme des argentinischen Angebots mit ihren Boden15-Anleihen für jeden investierten Dollar einen US-Cent Verlust machen. Beim Umtausch in Bonar24 komme ein Minus von einem weiteren halben Cent hinzu.

Von

rtr

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