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28.03.2014

14:04 Uhr

Schuldscheine

Russland erschließt neue Geldquellen

Bei Investoren ist Russland unten durch. Seit der Annexion der Krim musste das Land mehrere Anleiheauktionen absagen. Doch die Russen sind erfinderisch. Sie haben schon einen anderen Weg gefunden, um an Geld zu kommen.

Krim-Krise

Kapitalflucht aus Russland - wohin geht das Geld?

Krim-Krise: Kapitalflucht aus Russland - wohin geht das Geld?

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MoskauRussland muss sich alternative Geldquellen suchen. Seit der Annexion der Halbinsel Krim sind mehrere Bondauktionen gescheitert. Weil Investoren das Land meiden, platziert das Land nun Schuldscheine direkt bei Pensionsfonds und Banken - allerdings zu einem hohen Preis.

Das Finanzministerium bietet am heutigen Freitag nicht handelbare Wertpapiere im Volumen von 100 Milliarden Rubel (zwei Milliarden Euro) an. Die Hälfe wird im März 2015 fällig und bietet eine Rendite von 7,73 Prozent, der Rest mit Fälligkeit Februar 2016 bringt eine Rendite von 8,25 Prozent, wie es auf der Website des Ministeriums hieß. Die Rendite von in Rubel denominierten Staatsanleihen mit Fälligkeit Januar 2016 ist seit Jahresbeginn um 212 Basispunkte auf 8,25 Prozent am Tag vor Bekanntgabe der Platzierung gestiegen.

Russland offeriert an einem einzigen Tag fast das Dreifache der Summe, die bisher in diesem Jahr über Auktionen eingenommen wurde. Das könnte ein Signal sein, dass das Land nicht mit einer baldigen Verbesserung der Anlegerstimmung rechnet, vermuten BCS Financial Group und GHP Group. Die russischen Fremdkapitalkosten sind seit der Annexion der Krim auf ein Rekordhoch geklettert.

„Das Finanzministerium will eine möglicherweise noch bestehende Nachfrage nicht vergraulen“, sagte Fedor Bizikow, Vermögensverwalter bei GHP Group in Moskau. „Seine Botschaft lautet: 'Ich bin bereit, Kapital aufzunehmen, aber ich werde es nicht am Markt tun.' Es kann nicht auf ausländische Investoren zählen, und heimische Anleger werden ohne kräftigen Aufschlag wohl kein Geld zur Verfügung stellen.“

Sanktionen gegen Moskau: Der Drei-Stufen-Plan der EU

Erste Stufe

Gespräche über Visa-Erleichterungen und ein Wirtschaftsabkommen mit Russland werden am 6. März auf Eis gelegt.

Zweite Stufe

Die zweite Sanktionsrunde betrifft Einreiseverbote für russische und ukrainische Verantwortliche in EU-Staaten sowie das Einfrieren ihrer Auslandskonten in der EU. Die EU-Außenminister beschließen dies am 17. März, nachdem das umstrittene Referendum über eine Abspaltung der Krim trotz der Proteste des Westens abgehalten wurde.

Betroffen sind 21 Russen und Ukrainer, die für das Referendum verantwortlich gemacht werden, unter ihnen der Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow und der Befehlshaber der russischen Schwarzmeerflotte, Alexander Witko.

Die Sanktionen sind zunächst auf sechs Monate beschränkt, können aber verlängert werden. Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel geht es nach Angaben von Diplomaten um eine Ausweitung der Stufe zwei, also eine Ausdehnung der Sanktionsliste auf weitere Verantwortliche.

Dritte Stufe

Die dritte Stufe beschreibt Folgen „in einer Reihe von Wirtschaftsbereichen“, also Wirtschaftssanktionen. Diese sollen verhängt werden, sollte Russland weitere Schritte „zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine“ unternehmen, also etwa über die Krim hinaus im Osten des Landes militärisch eingreifen.

Angesichts der damit verbundenen weitreichenden Auswirkungen auf die Wirtschaft in der EU könnte der Gipfel die EU-Kommission beauftragen, diese zu analysieren und abzuwägen.

Russland hat seit Jahresbeginn sieben Bondauktionen abgesagt und dabei auf die „ungünstigen“ Marktbedingungen verwiesen. Die Kapitalabflüsse aus Russland beliefen sich in den ersten drei Monaten wohl auf fast 70 Milliarden Dollar, sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister Andrei Klepach gegenüber Journalisten. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2013 lagen die Abflüsse bei 63 Milliarden Dollar.

Die Regierung könnte auch von sieben Milliarden Dollar schweren Eurobond-Emissionen absehen und ihr Emissionsziel von 825 Milliarden Rubel für heimische Bonds reduzieren, sagte Finanzminister Anton Siluanow. Das Ministerium hat seit Beginn des Jahres 37 Milliarden Rubel aufgenommen, wie aus Daten auf seiner Website hervorgeht.
„Sie wollen den Markt nicht unter Druck bringen, indem sie die Finanzierungskosten für die Gesamtwirtschaft erhöhen“, sagt Dmitri Dudkin, Leiter Analyse Festverzinsliche bei UralSib Capital in Moskau. Die nicht handelbaren Papiere erlauben ihnen, „ihren Refinanzierungsbedarf für den Rest des Jahres zu decken“, erklärte er.

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