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25.01.2007

10:30 Uhr

Schwache Nachfrage

Banken lassen Deutschland auf neuer Anleihe sitzen

Die Auktion der neuen Bundesanleihe mit 32 Jahren Laufzeit ist am Mittwoch unerwartet schlecht verlaufen. Für das angebotene Volumen von sechs Milliarden Euro bekam der Bund von den Banken lediglich Kaufaufträge über 5,885 Milliarden Euro.

HB FRANKFURT. Weniger Nachfrage als Angebot hatte es in Deutschland zuletzt bei einer neuen zehnjährige Bundesanleihe im November 2005 gegeben. Damals hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzinserhöhungszyklus angekündigt. Seitdem sind die Renditen für Staatsanleihen kräftig gestiegen.

„Das schwache Ergebnis hat uns überrascht“, sagte Gerhard Schleif, Chef der Finanzagentur des Bundes, dem Handelsblatt. Die Finanzagentur ist für den Kapitalmarktauftritt Deutschlands verantwortlich. Die Auktion zeige, wie schwierig gerade das lange Ende des Marktes derzeit sei, sagte Schleif. Für die Anleihen des Bundes dürfen derzeit nur 32 zugelassene Banken Gebote abgeben. Sie bieten meist im Auftrag von institutionellen Investoren.

Auch Gregor Beckmann, Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus und Burkhardt, erklärte die schwache Nachfrage mit dem schwierigen Marktumfeld: „Dem Rentenmarkt fehlt eine klare Richtung, das belastet vor allem lang laufende Anleihen.“

In diesem Jahr haben bereits Österreich, Italien und die Niederlande 30-jährige Anleihen über insgesamt knapp sieben Mrd. Euro begeben, wobei auch in Österreich die Nachfrage gering war.

Die deutsche Finanzagentur behielt von der neuen Anleihe knapp 1,058 Mrd. Euro und damit über 17 Prozent des Emissionsvolumens zur Marktpflege ein. Durch diese hohe Quote ergab sich eine 1,2-fache Überzeichnung. „Die Marktpflegequote gibt dem Bund Flexibilität, von daher ist die schwache Nachfrage kein gravierendes Problem“, sagte Beckmann.

Die Anleihe, die am 1. Januar 2039 fällig wird, wurde mit einer Durchschnittsrendite von 4,11 Prozent zugeteilt. Damit bot sie ein bis zwei Basispunkte weniger Rendite als die kürzer laufende im Januar 2037 fällige Anleihe. Dies habe die Attraktivität der neuen Anleihe nicht erhöht, sagte Beckmann. Schleif betonte dagegen, die etwas geringere Rendite sei erwartet worden und als Prämie gerechtfertigt, weil die neue 30-jährige Anleihe der Richtung weisende Bond in diesem Laufzeitsegment sei.

Die Finanzagentur konnte die Anleihe zudem zu einem für den Bund günstigen Preis zuteilen. Im vergangenen Jahr hat Deutschland nach Berechnungen von HSBC Trinkaus und Burkhardt bei den Emissionen insgesamt 49,3 Mill. Euro gespart, weil der Bund die Anleihen zu Preisen abgab, die über dem fairen Wert der Anleihen oder den Kursen im Sekundärmarkt lagen. 2006 hat der Bund Anleihen über insgesamt 153 Mrd. Euro begeben oder aufgestockt. Für dieses Jahr sind Anleihen mit Laufzeit von zwei, fünf, zehn und 30 Jahren über insgesamt 141 Mrd. Euro geplant.

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