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18.01.2006

20:40 Uhr

Schwarzer Tag an der Tokioter Börse

Die Furcht vor dem Japan-Pessimismus

250 Milliarden Euro Verlust wurden innerhalb von zwei Tagen an der Tokioter Börse geschrieben. Sollte Japan nun - so fürchtet man zumindest in Marktkreisen - auf Grund von Skandalen wie bei Livedoor die Türen für Reformen und ausländische Investoren verschließen oder sich der Reformprozess verlangsamen, könnte der japanische Markt für ausländische Investoren wieder unattraktiver werden und die jüngste Aufbruchstimmung womöglich gar wieder in den jahrelangen Japan-Pessimismus umschlagen.

HB TOKIO. Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch einen ihrer schwärzesten Tage erlebt. Im Zuge des Skandals um die junge Internet- Firma Livedoor kam es nicht nur zu massiven Kursstürzen. Auch konnte das Computersystem der Börse den Ansturm der Aufträge der Investoren nicht mehr standhalten. Nach kurzer Zeit musste zum zweiten Mal in der 56-jährigen Geschichte der Börse der gesamte Handel abgebrochen werden. Analysten sprechen von einem Desaster und einer Schande für Japan.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index verlor zeitweise mehr als vier Prozent und schloss 2,94 Prozent niedriger bei 15 341. Zählern - der größte Tagesverlust des Nikkei seit dem 18. April 2005. Der breiter gefasste Topix-Index gab um 3,49 Prozent 1 575 Zähler nach. Innerhalb der vergangenen drei Tage erlebte die Tokioter Börse damit eine Kapitalvernichtung von gut 250 Milliarden Euro, was etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Schweden entspricht.

„Ich bin sprachlos“, sagte ein Experte. In Marktkreisen wird derweil befürchtet, dass der „Livedoor-Schock“ die gesamte Internetbranche in Verruf bringen und sich ausländische Börseninvestoren wieder abwenden könnten. Viele sehen den Wirbel langfristig jedoch nur als „Sturm im Wasserglas“.

Im Zentrum des Spektakels steht die Firma Livedoor mit ihrem erst 33 Jahre alten Gründer und Präsidenten Takafumi Horie. Das „enfant terrible“ der japanischen Unternehmerschaft, das sich in der Öffentlichkeit lieber in T-Shirts als in Anzügen zeigt, hat mit seinem provokanten Auftreten schon mehrfach für Aufsehen gesorgt. So mit seinen letztlich erfolglosen Versuchen, einen Baseballclub sowie den größten privaten Fernsehsender des Landes, Fuji TV, zu übernehmen oder - mit Unterstützung der Regierungspartei LDP - als Unabhängiger ins Parlament einzuziehen. Seit 2000 hat der Abbrecher der Elite- Universität Tokio nicht weniger als 20 Unternehmen gekauft.

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