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31.01.2017

19:07 Uhr

Schweizer Börse

Fusionswelle krempelt den SMI-Index um

Der Schweizer Leitindex SMI steht vor dem größten Umbau seit rund acht Jahren. Doch die Neuzugänge können die Lücken nicht füllen. Eventuell ist eine Großbank gleich mit zwei verschiedenen Aktien im Index vertreten.

Das Schweizer Unternehmen hat seinen Sitz in Allschwil bei Basel. Der US-Konzern Johnson & Johnson will Europas größte Biotech-Firma übernehmen. Rund 30 Milliarden Dollar will der Pharma- und Konsumgüterriese aus New Jersey für den Hersteller von Lungenmedikamenten auf den Tisch legen. Reuters, Sascha Rheker

Zentrale des Biotechnologiekonzerns Actelion

Das Schweizer Unternehmen hat seinen Sitz in Allschwil bei Basel. Der US-Konzern Johnson & Johnson will Europas größte Biotech-Firma übernehmen. Rund 30 Milliarden Dollar will der Pharma- und Konsumgüterriese aus New Jersey für den Hersteller von Lungenmedikamenten auf den Tisch legen.

ZürichMit der bevorstehenden Übernahme des Biotechnologiekonzerns Actelion und des Pflanzenschutzmittel-Herstellers Syngenta scheiden in den kommenden Monaten wohl gleich zwei Aktien aus dem gut eine Billion Franken schweren Börsenbarometer SMI an der Schweizer Börse aus. Zwei weitere der insgesamt 20 Titel sind Experten zufolge gefährdet. 2009 wurden mit drei Unternehmen letztmals mehr SMI-Titel ausgewechselt.

„Wie geht es weiter, wenn die großen Schweizer Firmen weggekauft werden?“, fragt ein Aktionärsberater besorgt. Der Anlagebedarf nehme zu, aber die Neuzugänge an der Börse könnten die Lücke, die die Konzerne hinterließen, nicht füllen. Mit der Übernahme von Actelion durch die amerikanische Johnson & Johnson und Syngenta durch Chemchina verliert der Index zwei der zehn Titel mit dem größten Börsenwert.

Die Kriterien für die Aufnahme in den Club der wichtigsten Schweizer Unternehmen sind von der Börse klar geregelt: Im SMI sind die 20 höchstkapitalisierten und liquidesten Papiere mit dem größten Anteil frei handelbarer Aktien. „Gemäß aktueller Selektionsliste der Schweizer Börse ist es ziemlich klar, dass Lonza in den SMI aufgenommen werden dürfte“, sagte Thomas Kühne, Fondsmanager der Liechtensteinischen Landesbank. Der Pharmazulieferer bringt eine Börsenkapitalisierung von rund zehn Milliarden Franken auf die Waage, die im laufenden Jahr wegen der Übernahme der US-amerikanischen Capsugel noch deutlich zunehmen dürfte. Derzeit steht Lonza auf Rang 21.

Die schlechtesten Anlagen 2016

Sparbuch

Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand 30.12.2016

Mexikanischer Peso

Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro.

Britisches Pfund

Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell und legte zweistellig zu. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Aktien China

Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450Euro übrig.

Aktien Ägypten

In Ägypten gab die Zentralbank den Wechselkurs im November frei, das ägyptische Pfund stürzte ab. Der ägyptische Leitindex EGX 30 gewann zwar über 70 Prozent - Euro Anleger hatten aber am Jahresende von 100.000 investierten Euro nur noch 79.570 Euro übrig.

Aktien Ghana

Der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, verlor ebenfalls stark. Von 100.000 Euro bleiben nur 77.840 Euro übrig. Die agrarisch strukturierte Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes, schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein.

Aktien Nigeria

Deutsche Anleger, die 2016 an der kleinen nigerianischen Börse 100.000 Euro investierten, hatten Ende des Jahres nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Das lag vor allem daran, dass die Währung Naira im Sommer einbrach, nachdem die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung an den Dollar aufgab.

Daneben zählen der Bau- und Spezialchemie-Spezialist Sika und der Hörgeräte-Hersteller Sonova, die ihr Wachstum in den vergangenen Jahren mit Übernahmen vorangetrieben haben, zu den aussichtsreichsten Kandidaten für einen Aufstieg in die erste Liga. „Sika steht hinter Lonza auf Platz zwei", sagt Eric Chassot, Portfoliomanager bei der Banque Cantonale Vaudoise. Zwischen Sika und Sonova sei ein Zweikampf im Gange, erklärte Kühne. „Sonova hat etwas mehr Volumen, Sika dafür eine höhere Freefloat-Marktkapitalisierung.“

Außenseiterchancen räumen Experten dem Schweizer Geschäft der Credit Suisse ein, das die Muttergesellschaft teilweise separat an die Börse bringen will. Für eine abschließende Beurteilung fehlten allerdings die Einzelheiten zu der Transaktion, erklärt Experte Chassot. Fondsmanager Kühne glaubt jedenfalls nicht an eine Aufnahme in den SMI, weil voraussichtlich ein zu kleiner Aktienanteil der Tochter frei an der Börse gehandelt werde. Zwei Aktien der Credit Suisse im SMI sind nach Auskunft der Börse grundsätzlich jedoch möglich.

Allerdings könnten mehr als zwei der 20 Plätze im Index frei werden, denn mehrere Titel erfüllen die Kriterien nicht mehr oder nur noch teilweise. Auf der Kippe stehen möglicherweise die Aktien der Privatbank Julius Bär und des Lebensversicherers Swiss Life. Der Auswahlliste zufolge sind die „Bären“ beim Handelsumsatz auf den 21. Rang gesunken und Swiss Life beim Marktwert auf Rang 23.

Mit der Aufnahme in den Leitindex ist nicht nur ein Prestigegewinn verbunden, der dem Unternehmen bei den Anlegern viel Aufmerksamkeit verschafft, sondern auch ein handfesterer Vorteil. Schließlich bilden die in der Anlegergunst rasant steigenden börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds) meist einen Index ab und müssen Änderungen in dem Barometer entsprechend nachbilden. Fondsanbieter werden aber erst aktiv, wenn Anpassungen anstehen. „Wir spekulieren nicht darüber, welche Aktie aufgenommen oder ausgeschlossen wird“, sagte Serkan Batir vom Marktführer Blackrock. „Wir warten erst auf die offizielle Ankündigung der Börse - dann sehen wir, was wir tun müssen.“

Die SIX entscheidet jeweils im Juni über Modifikationen, die dann im September wirksam werden. Änderungen werden nach dem Verfall der September-Kontrakte an der Eurex wirksam. Außerterminliche Änderungen sind aber möglich, etwa wenn es zu außergewöhnlichen Ereignissen wie Fusionen oder Börsennotierung kommt. In vielen Jahren gab es jeweils keinen oder nur einen Wechsel im Blue-chip-Index. Dennoch hat sich das Gesicht des SMI seit der Gründung 1988 über die Jahre gewandelt. Von den Gründungsmitgliedern ist nur noch knapp die Hälfte im Index - zumeist mit einem neuen Namen.

Von

rtr

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