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16.01.2015

11:56 Uhr

Schweizer Franken und Aktien

Der Ausverkauf geht weiter

Die Schweizer Börse findet auch am Tag nach der Freigabe des Franken kein Halt. Der Leitindex SMI verliert fast sechs Prozent, die Kurse von Bankaktien brechen ein. Der Schweizer Markt steht vor der Zerreißprobe.

Euro-Franken-Kurs

Der Tag nach dem Kurssturz

Euro-Franken-Kurs: Der Tag nach dem Kurssturz

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Die überraschende Freigabe des Franken sorgt am Freitag für ein heftiges Nachbeben an der Schweizer Börse. Der Leitindex SMI verlor 5,7 Prozent auf 7934 Punkte. Händler sprachen nach dem Kurssturz von knapp 470 Punkten von einem „anhaltend nervösen Geschäft“. Am Vortag gab es beim wichtigsten Aktienbarometer in Zürich einen historischen Kurseinbruch von zeitweise fast 14 Prozent. Am Ende stand ein Minus von 8,67 Prozent.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte am Morgen vollkommen unerwartet die seit September 2011 geltende Koppelung des Franken an den Euro aufgehoben. Damit war der Franken seit mehr als drei Jahren künstlich billig gehalten worden - als Schutzschirm für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft. Der Frankenkurs schoss unmittelbar nach der Entscheidung in die Höhe.

Das sagten Experten am 15. Januar zum Schweizer Manöver

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin

„Die Entscheidung der Schweizer Notenbank war längst überfällig. Ihre Wechselkurspolitik hat zwar in den vergangenen Jahren Schweizer Exporteure geschützt und deren Wettbewerbsfähigkeit durch einen schwächeren Franken unterstützt. Diese Politik könnte sich jedoch als enorm teurer Fehler erweisen. Denn der Franken wird langfristig gegenüber dem Euro aufwerten. Die Wertverluste auf die Devisenreserven könnten deshalb enorm groß werden. Der Zeitpunkt der Entscheidung ist sicherlich nicht zufällig. Die Erwartung eines Anleihenkaufprogramms der EZB sollte den Euro mittelfristig weiter schwächen, und damit die sonst notwendigen Ankäufe und diese Verluste für die Schweizer Notenbank erhöhen.“

Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsverbands Economiesuisse

„Es war von Anfang an klar, dass die Wechselkursuntergrenze eine temporäre Maßnahme sein soll. Auch die Wirtschaft strebt im Prinzip eine Rückkehr zu flexiblen Wechselkursen an, aber nicht jetzt. Denn in der gegenwärtig angespannten Situation ist die Gefahr sehr groß, dass es zu einem Überschießen des Frankens kommt. Wir sind davon ausgegangen, dass die Wechselkursuntergrenze für die nächsten Monate noch halten wird.

Wir sind jetzt weit jenseits der Kaufkraftparität, die ich auf 1,29 Franken pro Euro schätze. Mit einer leichten kontinuierlichen Aufwertung kann die Wirtschaft leben. Aber bei einer schockartigen Aufwertung ist die Industrie überfordert. Das wird sehr große Probleme geben.

Es bricht eine schwierige Zeit für die Schweizer Unternehmen an. Dies gilt vor allem für die Export- und Zuliefer-Industrie sowie für den Tourismus. Die Planungssicherheit ist vorderhand weg. Entscheidend ist jetzt, wo sich der Euro einpendeln wird. Mit 1,15 Franken kann die Wirtschaft leben. Bei 1,05 würde es zu einem größeren Einbruch kommen.“

Schweizerischer Gewerkschaftsbund

„Der Entscheid der SNB, den Mindestkurs aufzuheben, gefährdet die Löhne und Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft massiv und erhöht die Deflationsgefahren in der Schweiz. Auch zum Kurs von 1,20 gegenüber dem Euro war der Franken nach wie vor deutlich überbewertet. Mit der Aufhebung der Untergrenze ist der Devisenspekulation nun Tür und Tor geöffnet. Es ist mit einer unkontrollierten Aufwertung zu rechnen. Die bereits heute unter dem überbewerteten Franken leidende Exportwirtschaft (Industrie/Tourismus) wird zusätzlich belastet.“

Christian Lips von der NordLB

„Die SNB scheint nicht mehr an eine Durchsetzbarkeit für den Fall eines EZB-Staatsanleihenankaufprogramms zu glauben – und könnte sich doch mit der Panikreaktion in eine Sackgasse manövriert haben. Zumindest ist die Kommunikation der SNB – bei allem Wohlwollen – als missglückt zu bezeichnen.“

JP Morgan Research

„Die größte Überraschung der heutigen Entscheidung ist, dass die SNB sich gegen einen gelenkten Rückzug entschieden hat – sie hat dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen.

Das ist zwar die sauberste Option für die SNB – alle Verbindungen zur Geldpolitik der EZB können nun gekappt werden. Aber es ist auch die Option mit dem größten Risiko, den Euro-Franken-Kurs unter den fairen Wert zu drücken, den wir bei etwa 1,10 Franken sehen.“

Thomas Gitzel von der VP Bank

„Die SNB beugt sich dem Marktdruck, setzt aber ein Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses war an punktuelle Interventionen gedacht, nicht aber an permanente. Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. (...) Da der Franken auf den aktuellen Kursniveaus deutlich gegenüber dem Euro überbewertet ist, sollten sich nach einer Übertreibungsphase wieder höhere Kursniveaus beim Währungspaar Euro-Franken einstellen.“

Jefferies-Stratege Jonathan Webb

„Die Entscheidung der SNB hat den Markt völlig überrascht. Die SNB geht vermutlich davon aus, dass die EZB in der kommenden Woche auf ihrer Ratssitzung ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Angesichts der anstehenden Wahlen in Griechenland wäre es für die Schweizer ziemlich schwierig, den Mindestkurs aufrecht zu halten.“

Chris Beauchamp, Markt-Analyst bei IG

„Meine erste Reaktion war, dass das ein Signal für eine bevorstehende Aktion der EZB ist. Allerdings war die Reaktion an den Aktienmärkten dafür zu negativ. Aber es passiert ja nicht jeden Tag, dass eine Notenbank einfach einer Währung den Boden unter den Füßen wegzieht. Und die Leute haben eindeutig Angst, dass etwas Größeres bevorsteht. Für den Schweizer Markt und die Wirtschaft ist das sehr schlecht, wenn der Franken so rasant steigt und der Euro abstürzt. Die Stimmung ist seit Jahresbeginn ziemlich unruhig, und so eine Nachricht sorgt für Volatilität aus.“

Helaba-Analyst Ulrich Wortberg

„Die Aufhebung des Mindestkurses kommt sehr überraschend und die SNB dürfte an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betonte. Einen neuen Mindestkurs dürfte es wohl nicht mehr geben, da Marktteilnehmer kein Vertrauen mehr haben, dass dieser langfristig gehalten wird. Der Euro-Franken wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen.“

Die Aktien von Julius Bär rutschten am SMI-Ende um weitere 8,3 Prozent auf 37,3 Franken ab. Barclays-Analyst Jeremy Sigee sieht die Investmentbank als größten Verlierer der Franken-Aufwertung in der Branche.
Die schon am Vortag gebeutelten Papiere von Swatch verloren heute weitere 7,2 Prozent. "Der Schritt der SNB ist ein Tsunami, für die Exportwirtschaft und für den Tourismus, letztlich für das ganze Land. Es fehlen mir die Worte," erklärte Swatch-CEO Nick Hayek gestern per E-Mail. Sein Unternehmen ist exportabhängig und von der Aufwertung des Franken besonders betroffen.

Die Anteile am Telekomkonzern Swisscom, der aufgrund des starken Inlandsgeschäfts kaum abhängig ist von der Währungsentwicklung, hielt sich wie schon am Vortag am besten in dem Index. Selbst diese Aktie verlor aber 2,2 Prozent. John Greenwood, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Invesco verliert trotzdem nicht seinen Optimismus: „Auch wenn Schweizer Aktien auf Basis Schweizer Franken Wertverluste verzeichnet haben, sind sie auf US-Dollar-Basis weitgehend gestiegen“.

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Der Franken kostet weiter fast einen Euro. Am Freitagvormittag wurde die Schweizer Währung am Devisenmarkt mit rund 0,99 Euro gehandelt. Das ist rund ein Fünftel über dem Niveau der vergangenen Zeit. Am Vortag hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Märkte mit dem überraschenden Beschluss geschockt, die seit September 2011 geltende Koppelung des Franken an den Euro mit sofortiger Wirkung aufzugeben. Daraufhin war der Franken-Kurs sofort in die Höhe geschossen.

Kommentare (21)

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Herr Lee Rtasche

16.01.2015, 12:07 Uhr

Ob Sie es hier gern hören oder nicht: Das Problem einer gemeinsamen Währung läßt sich nicht im Süden festmachen.

DAS PROBLEM ZIEHT GEN NORDEN EUROPAS!

Und in Umkehrung des Sachverhaltes möchte man hierzulande Allen weismachen, dass eine Euro-Währungspolitik mit gleicher Ausrichtung gut für die deutsche Export-Industrie sein.

WER ES GLAUBT, WIRD SELIG!

Herr Vittorio Queri

16.01.2015, 12:16 Uhr

>> Der Ausverkauf geht weiter >>

Die Schweizer haben die 2 Möglichkeiten auf die Waagschale geworfen :

- Untergang mit der virtuellen Währung €

- Abkopplung von dem €

und haben ausgerechnet, dass die Abkopplung weniger schmerzhaft sei.

So einfach ist das ganze zu verstehen.

Herr richard roehl

16.01.2015, 12:33 Uhr

Da sieht man, wie Leute vernunftgetrieben handeln, die noch weitgehend frei in ihrem Denken und Entscheidungen sind, und nicht wie bei uns dem Euro-religiösen, dogmatischen, von den gleichgeschalteten Systemmedien unterstützten Gesinnungsterror ausgesetzt sind. Der Michel steht kuhäugig glotzend, mit den Schultern zuckend daneben, und lässt alles mit sich geschehen

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