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23.07.2012

11:24 Uhr

Schwellenländer-Anleihen

Die Angst vor der Inflation

VonAndrea Cünnen

Die zunehmende Geldentwertung in den Schwellenländern sorgt für steigende Anleihe-Renditen. Das freut die Anleger, nicht jedoch die Märkte. Denn die hohen Zinsen könnten das Wachstum der Emerging Markets ausbremsen.

In Ländern wie Brasilien, China und Mexiko wird ein Großteil des Verdienstes in Lebensmittel investiert. Steigende Zinsen können sich demnach negativ auf die Wirtschaft dieser Länder auswirken. Reuters

In Ländern wie Brasilien, China und Mexiko wird ein Großteil des Verdienstes in Lebensmittel investiert. Steigende Zinsen können sich demnach negativ auf die Wirtschaft dieser Länder auswirken.

FrankfurtDie steigenden Preise für Agrarrohstoffe dürften die Schwellenländer besonders hart treffen. Der Grund: Über steigende Lebensmittelpreise werden die Inflationsraten in den sogenannten Emerging Markets voraussichtlich in einigen Monaten anziehen, weil dort Lebensmittel einen größeren Anteil an den Konsumausgaben ausmachen als in den entwickelten Ländern.

"Besonders betroffen werden davon unter anderem Afrika, China, Brasilien und Mexiko sein", meint Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP Bank. Die Folgen: Die Notenbanken in den Emerging Markets können die hohen Leitzinsen nicht mehr so deutlich senken wie erwartet, und die vielerorts erhofften Wachstumsimpulse aus den Schwellenländern für die Weltkonjunktur dürften damit merklich geringer ausfallen als erhofft.

Konkret trübt das auch die Aussichten für die Staatsanleihen der Schwellenländer, die auf die jeweiligen lokalen Währungen lauten. "Steigende Inflationsraten dürften die Kurse dieser Anleihen unter Druck bringen und die Renditen steigen lassen", meint Gitzel. Zudem würden Lokalwährungsanleihen meistens dann leiden, wenn die Investoren wieder risikoscheuer werden.

Genau das könnte bald bevorstehen, fürchtet auch Jim Leaviss, Leiter des Anleihebereichs bei M&G Investments. Er ist deshalb extrem vorsichtig bei den Anleihen in Lokalwährungen - auch wenn sie mit hohen Renditen locken. So rentieren zum Beispiel fünfjährige Anleihen aus Mexiko, Südafrika und Brasilien in den Landeswährungen zwischen 4,8 und 8,8 Prozent.

Weniger abhängig von den Inflationsraten sind die auf Euro oder Dollar lautenden Anleihen der Schwellenländer, wobei der Dollar die meistgenutzt Hartwährung ist. Die Dollar-Anleihen der Emerging Markets haben sich in diesem Jahr am besten unter allen Anlageklassen entwickelt und Investoren im Schnitt einen Gesamtertrag aus Kursgewinnen und Zinseinnahmen von 9,6 Prozent gebracht.

Die Kehrseite der Medaille für Neueinsteiger: Die Renditen sind deutlich gefallen. Fünfjährige Dollar-Anleihen aus zum Beispiel Mexiko und Brasilien werfen nur noch zwischen 1,6 und 1,7 Prozent Rendite ab.

Trotzdem bevorzugen auch die Strategen der US-Bank JP Morgan weiter die Hartwährungsanleihen der Schwellenländer. Und immerhin sind deren Renditen noch ansehnlich verglichen mit den mageren 0,6 Prozent, die Anleger für fünfjährige amerikanische Staatsanleihen bekommen - auch wenn die Risikoprämien genannten Renditeaufschläge ebenfalls stark gesunken sind.

Trotzdem: "Langfristig gesehen dürfte sich der Trend zu sinkenden Risikoprämien noch verstärken", meint Gitzel. Schließlich würden viele institutionelle Investoren die Anleihen der im Schnitt nur gering verschuldeten Schwellenländer als Alternative zu Anleihen der hochverschuldeten Euro-Staaten und der USA sehen.

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