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26.12.2013

14:37 Uhr

Schwellenländer-Bonds 2014

Rendite für Geduldige

VonJan-Henrik Förster

Das Verhalten der US-Notenbank hat Anleger in Schwellenländern sehr beunruhigt. Sie zogen Kapital ab. Doch wer 2014 genau hinschaut, kann dort wieder ordentliche Renditen einfahren.

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro: Experten empfehlen die Anleihen des Landes. Reuters

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro: Experten empfehlen die Anleihen des Landes.

Lutz Röhmeyer ist Risiko gewohnt. Der Fondsmanager von der LBB Invest schreckt auch nicht vor afrikanischen Anleihen, Venezuela-Bonds oder Ukraine-Anleihen zurück. Um auf dem Laufenden zu bleiben und Risiken zu überblicken, steht der Investor im ständigen Austausch mit politischen Analysten vor Ort. Auf diese Weise findet der Bond-Experte auch in schlechteren Zeiten Renditebringer für sein Portfolio.

Anleihen von Venezuela sind so ein Beispiel. Zwar ging das Land immer wieder durch verschiedene politische Krisen, zuletzt etwa mit dem Tod von Hugo Chavez. Aber die Gläubiger bezahlte der Öl-Staat stets aus. „So lange das Öl fließt, können sie da nichts falsch machen“, sagt Röhmeyer.

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihre Niedrigzinspolitik vorerst fortsetzen. „2014 steht noch keine restriktive Geldpolitik auf der Agenda, sondern eher eine Konsolidierung der Bankenlandschaft“, sagt Wöhrmann.

Bankenunion wird Volatilitätstreiber

In den USA gelte sie nach mehr als 450 abgewickelten Finanzinstituten bereits als abgeschlossen. Das Schlagwort Bankenunion könne einer von vielen möglichen Volatilitätstreibern in Europa werden.

USA: Weniger Anleihekäufe

Die Fed sollte hingegen im ersten Quartal damit beginnen, die Geldpolitik wieder etwas anzuziehen. Über das so genannte Tapering werden die Notenbanker ihre Anleihekäufe zurückfahren.

Niedrigzinsgewinner: Emerging Markets

Nach einer eher volatilen Phase dürften sich dann im zweiten Halbjahr die Märkte beruhigen, wovon auch die Emerging Markets profitieren dürften. Eine Zinserhöhung in den USA dürfte erst wieder 2015 Thema werden.

Bonds: Anhaltende Renditeflaute

Die Situation an den Rentenmärkten ist nicht gerade einfach. Papiere aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Japan, dürften weiterhin nur sehr niedrige Renditen bringen, teilweise dürfte der Ertrag zwar nominal positiv, real aber negativ sein.

Nullzinsen für weitere zwei Jahre

Das Nullzinsumfeld am Geldmarkt werde noch etwa zwei Jahre anhalten. „2014 ist aktives Bonds-Management für erfolgreiches Investment auf den Anleihenmärkten wichtig“, sagte Stefan Kreuzkamp, Head Europe, Middle East and Africa Fixed Income.

Lukrativ: Anleihen aus der Peripherie

Differenzierte Investments seien 2014 von großer Bedeutung, etwa bei Unternehmensanleihen, die aufgrund ihrer Zinsaufschläge in dem Niedrigzinsumfeld gut gepuffert sind. Anleihen aus Peripherieländern böten einen Zinsaufschlag gegenüber Anleihen aus den Kernländern.

Strategie: Carry and Tightening

Carry und Tightening – also das Verdienen an einer Normalisierung der Zinsaufschläge – bleibe im Euro-Raum eine attraktive Strategie. In den Emerging Markets sei eine sehr differenzierte Analyse nötig, vor allem hinsichtlich der Länderauswahl.

Bei Emerging-Market-Anleihen lohnt sich also immer auch ein zweiter Blick – auch in 2014. Das zurückliegende Jahr lief ähnlich wie bei Schwellenländer-Aktien mau. Die Ankündigung der US-Notenbank Fed, ihre Anleihekäufe zu reduzieren, ließ die Kurse für Schwellenländer-Anleihen fallen und die Renditen steigen.

Dollar-Anleihen und lokale Währungsanleihen der Schwellenländer verloren zwischenzeitlich so viel wie seit 1998 und 2003 nicht mehr. Pimco‘s Emerging Market Bond Fund brach in diesem Jahr um über sechs Prozent ein, nachdem der Fonds über die vergangenen fünf Jahre elf Prozent Rendite eingefahren hatte.

Im vergangenen Quartal sind zudem etwa die Handelsvolumina von Schwellenländer-Anleihen sowohl in Lokalwährungen als auch in Euro und Dollar stark gesunken. Besonders häufig wurden allerdings noch mexikanische Schuldtitel sowie brasilianische, indische und südafrikanische gehandelt. Experten meinen, dass bei diesen Titeln die Renditechancen die Risiken ausgleichen.

„Nach dem Jahrzehnt der Schwellenländerhausse sehen Investoren besonders nach Ankündigung der Fed zur Normalisierung bessere Chancen anderswo“, sagt Röhmeyer. „ Der Kapitalabzug wird sich erst mal fortsetzen.“

Doch Experten hoffen auf die zweite Jahreshälfte. Es sprechen mehrere Dinge für Emerging Markets als Anlageklasse im Allgemeinen sowie für Bonds im Speziellen. Die Fundamentaldaten der Staaten sind solide. Sie haben geringe Schulden und die Volkswirtschaften wachsen zudem. Erstmalig in diesem Jahr haben die Schwellenländer mit 50 Prozent den Anteil am globalen BIP überstiegen. Das dürfte auch die Ratings der Anleihen heben oder zumindest stabil halten.

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