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01.02.2011

15:34 Uhr

Schwellenländer

Risiken rücken ins Bewusstsein

Die Zukunft liegt in den Schwellenländern. So lautet seit Jahren die Botschaft, mit denen Banken und Fondsgesellschaften um Anleger werben. Doch nun wird vielen klar, dass solche Investments nicht ohne Risiko sind. Der Volksaufstand in Ägypten könnte zu einem Umdenken führen.

Proteste in Kairo: Der Volksaufstand in Ägypten könnte zu einem Umdenken der Anleger führen. Reuters

Proteste in Kairo: Der Volksaufstand in Ägypten könnte zu einem Umdenken der Anleger führen.

HB LONDON. Seit Jahren wird für Investitionen in Schwellenländer gworben. Beeindruckende Wachstumszahlen in vielen aufstrebenden Wirtschaftsnationen galten als schlagendes Argument. Erst jetzt werden vielen Anlegern die Risiken bewusst.

"Die Entwicklung in Ägypten hat quasi über Nacht Fragen nach der politischen Stabilität in den Schwellenländern aufgeworfen", sagt Tina Fordham, Politikanalystin bei Citigroup. Diese neue Unsicherheit könne sich auswirken auf die Rohstoff- und Energiemärkte, den Devisen-, den Aktien- und den Kapitalmarkt.

Die Angst, ebenfalls vom Volkszorn aus dem Amt getrieben zu werden, könnte einige Regierungen zu extremen Maßnahmen treiben wie Zensur und Repression politischer Gegner, Kapitalkontrollen oder Nahrungsmittelsubventionen auf Kosten der Staatskasse. "Wer in Schwellenländern investiert, sollte wissen, dass solche Dinge passieren können - das wurde offensichtlich verdrängt", sagt der Commerzbank-Experte für Emerging Markets, Michael Ganske: "Man hat sich Länder wie Ägypten angesehen, nur auf die guten Zahlen geachtet und geglaubt, das Regime würde auf ewig fortbestehen." Ein anderes Beispiel für die ausgeblendeten Risiken ist die Elfenbeinküste. Die Unruhen nach der Präsidentenwahl lähmen den weltgrößten Kakao-Produzenten. Am Dienstag setzte das Land eine Zinszahlung für eine wichtige Staatsanleihe aus. Prompt legten auch die Risikoaufschläge für andere afrikanische Anleihen zu.

Im Nahen Osten wiederum wächst die Sorge, die Krise in Ägypten könnte den Schiffsverkehr im Suez-Kanal beeinträchtigen - eine Schlagader für die Versorgung der Industrieländer mit Rohöl. Der Fass-Preis kletterte mittlerweile über 100 Dollar.

Sollte die Region tatsächlich unruhiger werden, würde das der ohnehin anziehenden Inflation auf den Rohstoffmärkten einen neuen Schub geben. Vor allem in den Schwellenländern könnten die Preissteigerungen zu neuen Unruhen führen. Die Regierung Algeriens sorgt bereits vor und kauft Nahrungsmittelreserven.

Unorthodoxe Wege gehen auch andere Schwellenländer: Die Türkei und Kenia senken die Leitzinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln, obwohl die ökonomische Lage eigentlich Zinserhöhungen erfordert.

Unter der größten Ansteckungsgefahr stehen allerdings die Nachbarn von Ägypten und Tunesien. "Jemen, Sudan, Jordanien und Syrien - alle sehen verwundbar aus", warnt Zaineb Al-Assam von der Londoner Beratungsfirma Exclusive Analysis. "Das größte Risiko, sowohl was die Wahrscheinlichkeit als auch die Schwere einer Krise angeht, bleibt jedoch Saudi Arabien", warnt Al-Assam.

Zwar sei es wenig wahrscheinlich, dass die Regierung aus dem Amt gejagt werde, schon alleine, weil sie wegen des Reichtums des Landes viel besser manövrieren könne als die in Ägypten. Allerdings könnten schon kleine Veränderungen in der Risikobewertung der Investoren zu höheren Ölpreisen führen. Für die Weltwirtschaft, die sich noch immer von ihrem ungewöhnlich scharfen Einbruch 2009 erholen muss, wäre das Gift.

Kommentare (1)

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bolle

01.02.2011, 22:36 Uhr

"Das Risiko kehrt zurück"


Haha, einfach lachhaft - das Risiko war nie wirklich weg, nur die Anleger haben wie immer die Scheuklappen auf und bekommen nichts mit.

Und dann sind wieder alle soooo überrascht ...


"Das größte Risiko ...bleibt jedoch Saudi Arabien ...
Zwar sei es wenig wahrscheinlich, dass die Regierung aus dem Amt gejagt werde, schon alleine, weil sie wegen des Reichtums des Landes viel besser manövrieren könne als die in Ägypten. "


So ein Quatsch - dann schauen wir uns mal die interne und externe Verschuldung an - bereits im Jahr 2000 war die Verschuldung so hoch, daß Rohöl für 42 Jahre exportiert werden müßte (zu den damals geltenden Konditionen bzgl. Preis und Exportmenge), bis die Schulden mit den Einnahmen abbezahlt sind.

Hat sich die Lage so dramatisch verbessert in einer Welt, wo wir seit 2000 eine regelrechte Schuldenexplosion erleben (siehe Dubai)? Wohl kaum ...

Mann mann mann, Hb, macht mal einen anständigen Job - aber Danke, wieder mal ein Lacher mehr vom Hb ...

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