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24.09.2014

15:40 Uhr

SEC überprüft Pimco

Bill Gross unter Verdacht

Neuer Ärger für Pimco: Die US-Börsenaufsicht nimmt einen Fonds des Firmengründers Bill Gross unter die Lupe. Sollte sich der Verdacht bestätigen, hätte auch die deutsche Allianz ein Problem.

Bill Gross rückt seine Sonnenbrille zurecht: Der Star-Manager stand zuletzt in der Kritik. Reuters

Bill Gross rückt seine Sonnenbrille zurecht: Der Star-Manager stand zuletzt in der Kritik.

Newport BeachDie US-Börsenaufsicht SEC knöpft sich Pimco vor. Untersucht wird, ob die Erträge des Pimco Total Return ETF korrekt ausgewiesen wurden. Der Fonds mit einem Volumen von 3,6 Milliarden Dollar wird von Pimco-Gründer Bill Gross verwaltet. Ein Sprecher des Unternehmens, eine Tochter der Allianz, bestätigte am Dienstag entsprechende Untersuchungen.

Das „Wall Street Journal“ hatte zuvor berichtet, die SEC prüfe, wie der Fonds seine Anlagen eingekauft und bewertet habe und ob dies dazu geführt habe, dass Investoren falsche Informationen zur aktuellen Entwicklung des Fonds bekommen hätten. Der Verdacht: Der Fonds könnte Vermögenswerte zu reduzierten Preisen erworben, sich aber bei der Berechnung des Werts seiner Beteiligungen auf höhere Bewertungen gestützt haben. Damit würde man den Anschein erwecken, der Fonds hätte Gewinne erzielt, obwohl tatsächlich nur abweichende Bewertungen ausgenutzt wurden.

Die Untersuchungen liefen seit mindestens einem Jahr, schreibt die Zeitung. Gross habe sich mehr als einen ganzen Tag lang den Fragen der Beamten stellen müssen. Auch andere führende Manager des Fonds seien befragt worden.

Pimco ist sich keiner Schuld bewusst. „Wir meinen, dass unsere Preisfindung absolut angemessen ist und im Einklang mit den bewährten Methoden in der Branche steht“, sagte der Sprecher. Pimco habe zudem mit der SEC kooperiert. Bei der US-Aufsicht war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Der Total Return ETF ist die kleinere Variante von Pimcos Flaggschifffonds, dem Total Return Fund, der etwa 221 Milliarden Dollar verwaltet. In diesem Jahr hat der kleine Ableger mit einem Plus von 5,4 Prozent sogar besser abgeschnitten als der große Fonds mit 3,4 Prozent.

Der Total Return ETF beinhaltet unter anderem Anleihen und Hypothekenpapiere, die wenig oder nur in kleiner Stückzahl gehandelt werden. Das macht eine korrekte Bewertung besonders schwierig. Beim großen Total Return Fund setzt Gross dagegen stärker auf Derivate – zum Beispiel Futures, Optionen und Swaps. So soll der Fondsmanager nach Informationen von Bloomberg in den vergangenen Monaten einen großen Anteil an US-Staatsanleihen verkauft und diese durch Futures auf entsprechende Anleihen ersetzt haben. Diese Kontrakte erfordern nur eine kleine Abschlagszahlung, was Mittel freisetzt, die Gross in höherverzinsliche Papiere stecken kann – wie Bonds aus Brasilien, Spanien und Italien.

„Sie nehmen die liquiden Mittel und kaufen all diese Peripherieanleihen, die im Verhältnis zu Treasuries über hohe Renditeabstände verfügen“, sagt Erik Schiller, Vermögensverwalter von Prudential Fixed Income. „So hebeln sie ihren Fonds.“

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