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02.05.2014

10:28 Uhr

Sell in May and go away

Zeit für den Ausstieg?

VonJessica Schwarzer

Alle Jahre wieder fragen sich Börsianer Anfang Mai, ob sie sich nun von der Börse verabschieden und ihr einige Monate fern bleiben sollten. So rät es nämlich eine alte Börsenweisheit. Doch was ist dran an „Sell in May“?

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Handelsblatt in 99 Sekunden: Was Börsenweisheiten taugen

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DüsseldorfMit dem Blick auf den Kalender erinnern sich viele Anleger in diesen Tagen an eine alte Börsenweisheit: „Sell in May and go away” gehört zu den Klassikern der klugen oder weniger klugen Sprüche über die Besonderheiten der Märkte.

Aber was ist dran, an dem Sprüchlein? Erzielen Investoren wirklich eine Überrendite, wenn sie der Börse im Sommer fernbleiben? Glauben sie dieser populären Börsenweisheit, dann sind Sommermonate keine guten Börsenmonate. Im Sommerloch sind die Umsätze schwach und die Kurse purzeln. Richtig rund läuft es erst wieder im Herbst. Das zumindest besagt der zweite Teil der alten Börsenregel: „But remember to come back in September“. Anleger erzielen also dann höhere Kursgewinne, wenn sie ihre Aktienbestände im Mai verkaufen und erst im September auf das Parkett zurückkehren – so die Regel.

Geldanlage: So sparen die Deutschen

Platz 10

Festverzinsliche Wertpapiere: 8 Prozent
Bei den Geldanlagen der Deutschen gibt 2014 laut einer TNS-Umfrage deutliche Unterschiede zum Vorjahr. Mehr als 2000 Bürger über 14 Jahren nahmen an der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts zum Sparverhalten der Deutschen teil.
Quelle: Verband der privaten Bausparkassen

Platz 9

Aktien: 14 Prozent

Patz 8

Investmentfonds: 20 Prozent

Platz 7

Riester-Rente: 22 Prozent

Platz 6

Immobilien: 25 Prozent

Platz 5

Kurzfristige Geldanlagen: 32 Prozent

Platz 4

Renten- und Kapital-LV: 35 Prozent

Platz 3

Sparen auf Girokonto: 37 Prozent

Platz 2

Bausparvertrag: 37 Prozent

Platz 1

Sparbuch und Spareinlagen: 51 Prozent

Die beliebteste Geldanlage ist mit 51 Prozent zwar immer noch das Sparbuch. Es verzeichnete im Vergleich zu 2013 jedoch einen Rückgang um vier Prozentpunkte.

Der Klassiker unter den Börsenweisheiten ist aber keinesfalls unumstritten. Kalenderzeitregeln messen lediglich Häufungen der Vergangenheit, meinen diejenigen, die mit der Regel wenig anfangen können. „Die Hochzeit der Jahreszeitanomalien bei Aktien lag in den 1980er-Jahren des letzten Jahrhunderts“, sagt Christoph Bruns, Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. „Damals hat man etliche Effekte wie den Januar-Effekt, den Small-Cap-Effekt, den Montagseffekt und andere Kursbesonderheiten unter die Lupe genommen.“ Letztlich habe sich aber gezeigt, dass derlei Effekte nicht mit hinreichender Sicherheit für die Zukunft vorhergesagt werden können. „Und so ist es auch mit der Regel ‚Sell in May and go away‘“, ergänzt Bruns.

Auch Claude Hellers ist überzeugt: „Aktienkurse richten sich nicht sklavisch nach dem Kalender. In einigen Jahren hätte sich ein Aussteigen aus den Märkten während der Sommermonate gelohnt, in anderen nicht“, sagt der Leiter Vertriebspartnergeschäft von Fidelity in Deutschland. „Eine eindeutige Tendenz ist nicht auszumachen.“ Wer beispielsweise Anfang Mai 2013 sein Depot leerräumte, verpasste die Rekordjagd an den Börsen. Der Dax knackte ein Rekordhoch nach dem anderen. Insgesamt legte der Leitindex fast sechs Prozent zu – übrigens einer der besten Monate seiner 25-jährigen Geschichte. Auch in den USA war der Mai alles andere als ein schwacher Börsenmonat.

Es gibt viele Jahre, in denen „Sell in May and go away. But remember to come back in September“ die absolut falsche Strategie gewesen wäre. In der Finanzkrise, die ab Mitte September 2008 zu einem starken Kursverfall des Dax führte, hätte es sich gar rentiert, Mitte September die Gewinne mitzunehmen und im Mai 2009 wieder einzusteigen. Anleger wären also sogar besser damit gefahren, die Regel auf den Kopf zu stellen.

Im Jahr 2011 hingegen hätten diejenigen Anleger, die der Weisheit blind folgen, genau richtig gehandelt – auch wenn der katastrophale Markteinbruch im August und September nichts mit einem Sommerloch zu tun hatte, sondern viel mehr mit der sich dramatisch zuspitzenden Schuldenkrise. Die Aktienkurse richten sich letztlich eben doch nicht nach dem Kalender.

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