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21.08.2012

11:43 Uhr

Sentix Marktradar

Das Ende der Dax-Rally ist nah

VonJessica Schwarzer

Er hat mehrere Anläufe gebraucht, doch am Freitag schaffte es der Dax endlich über die 7.000 Punkte. Eine psychologisch wichtige Marke, die eigentlich Lust auf mehr machen sollte. Doch es droht eine Korrektur.

Die Kurve des Deutschen Aktienindex: Dem Dax steht eine Korrektur bevor. dapd

Die Kurve des Deutschen Aktienindex: Dem Dax steht eine Korrektur bevor.

DüsseldorfDer Dax steigt und steigt, aber so recht will bei den Investoren keine gute Stimmung aufkommen. Auch ein Kursplus von mehr als 1.000 Punkten in nur wenigen Wochen kann die Anleger nicht überzeugen. „Der Dax stürmt davon und lässt die Anleger strategisch etwas ratlos zurück“, fasst Manfred Hübner die Lage zusammen. Vor dem „September der Entscheidungen“ würde sich kaum jemand festlegen wollen, ergänzt der Experte von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Die Mehrheit der Anleger ist stark verunsichert und verharrt an der Seitenlinie. „Selbst diejenigen, die die Rally mitmachen und Aktien kaufen, tun das nur mit geringen Einsätzen, eine strategische Überzeugung ist aber auch bei Ihnen Fehlanzeige“, so Hübner. „Sie folgen einfach nur prozyklisch dem Trend.“ Eine echte Aufbruchsstimmung hat EZB-Chef Draghi trotz markiger Worte nicht erreicht.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Das ist nachvollziehbar, schließlich stehen im September einige wichtige Entscheidungen an. Die wichtigste ist wohl das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsfonds ESM und zum Fiskalpakt. „Ein Ja der Karlsruher Richter öffnet den Rettungspolitikern wohl jede Tür zur Schuldenunion, die bislang noch verschlossen scheint“, so der Sentix-Experte. Und auch ein möglicher Euro-Austritt der Griechen könnte im kommenden Monat auf der Agenda stehen – flankiert von dem ein oder anderen EU-Gipfel. „Diese Agenda ist für die Anleger nur allzu klar sichtbar“, analysiert Hübner. Das erkläre, warum sich die mittelfristige Marktmeinung der Anleger zu Aktien derzeit kaum bewege und damit weder Kauf- noch Verkaufsbereitschaft entsteht.

„Umso bedeutender wäre es deshalb, wenn der Markt bereits vor den großen Ereignissen Fakten schaffen würde und Dax, MSCI World und Co. ihre mittelfristigen Abwärtstrends nach oben verlassen würden“, so Hübner. Um einen Trend zu drehen, braucht es allerdings die entsprechende Nachfrage – und die ist derzeit Fehlanzeige. „Realistisch ist ein Trendbruch derzeit nicht.“ Denn die Anleger sind keineswegs unterinvestiert.

Kommentare (6)

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21.08.2012, 12:01 Uhr

Ich glaube nicht, daß das Ende der DAX-Ralley nahe ist. Ich denke, die Ralley geht weiter.

Allerdings in die andere Richtung -
dafür wird die völlig irre EURO-Rettungspolitik schon sorgen!

Kronecker

21.08.2012, 12:03 Uhr

Niemals vergessen: Wenn von "Wahrscheinlichkeit" die Rede ist, und davon ist in diesem Artikel oft die Rede, heißt das immer, dass der Autor unter einem "Mangel an Wissen" leidet. Noch nicht einmal einen Zahlenwert für seinen Mangel weist er vor. Nein danke.

Account gelöscht!

21.08.2012, 12:35 Uhr

Alte Regeln sind durch Kamikaze-Politik der wöchentlich brechenden Dämme außer Kraft.
Das systematische Verbrennen zunächst des Deutschen Einflusses in der EZB und dann jeglicher Sperrmauern in der Geldpolitik konnten selbst Pessimisten in dieser Form kaum erwarten. Im Grunde hat Mekel das links überholt, was Oskar Saar-Zwerg schon vor 10 und mehr Jahren forderte: Inflationierung um jeden Preis.
Was die EZB nun beabsichtigt, nämlich Zinsobergrenzen (vereinfacht gesagt) um dann Staatsfinanzierung zu übernehmen, ist Planwirtschaft pur.
Es ist also kein wirkliches Wunder, wenn die hohe Liquidität zumindest teilweis ein den letzten Hort der Marktwirtschaft, also in weltweit tätige Wettbewerbsunternehmen, fließt.
Es mag Rücksetzer geben, den ganz großen Niedergang der Aktien erwarte ich wegen der zu mit planwirtschaftlicher Kapitalpolitik garnierten Inflationierung nicht mehr. Aktieen sind eine Ersatzwährung zur Minderung der Verluste. Immobilien und Gold werden wahre Renner!

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