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21.05.2013

16:09 Uhr

Sentix Marktradar

„Das Jahreshoch liegt noch vor uns“

VonJörg Hackhausen

An den Börsen geht es aufwärts. Doch Partylaune oder gar Euphorie macht sich unter Anlegern noch nicht breit. Gut so, sagt ein Experte. Ein gewisses Maß an Skepsis ist wichtig - wenn die Kurse weiter steigen sollen.

Hoch hinaus: Die Börsenrally geht in ihre Endphase. dpa

Hoch hinaus: Die Börsenrally geht in ihre Endphase.

DüsseldorfDer Dax bricht einen Rekord nach dem anderen. Die Marke von 8.500 Punkten ist nicht mehr weit. Doch mit jedem Punkt, den der Index zulegt, nimmt auch die Fallhöhe zu. Wie lange geht es noch weiter nach oben - bevor der Absturz kommt? Anleger können zunächst einmal beruhigt sein: Noch ist es nicht so weit. Eine wichtige Zutat für den Crash fehlt noch.

„Die heimischen Aktienmärkte setzen ihre Rekordjagd fort. Aber wir verzeichnen mehr ungläubiges Staunen als echte Jubelstimmung“, sagt Manfred Hübner, Geschäftsführer von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 4.000 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Bisher war die Rally an den Börsen eine exklusive Veranstaltung. In der ersten Phase haben vor allem risikofreudige Investoren gekauft, zum Beispiel Hedge Fonds. Dem folgten weitere Profis wie Fondsgesellschaften, Vermögensverwalter, zuletzt auch vorsichtigere Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen. Nur die Privatanleger schauten lange zu. Erst seit der Dax über 8.000 Punkte geklettert ist und in der Folge ein neues Allzeithoch erreicht hat, geben sie ihre Skepsis auf, allerdings nur sehr zögerlich.

Die Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

5. April 1991

In Frankfurt geht das „Interbank Informations System” - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Januar 1996

Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

10. März 1997

Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading” - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2000

Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007

Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

21. Januar 2008

Der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate leitet die Talfahrt des Dax ein. Am 21. Januar fällt der Index um mehr als 500 Zähler oder sieben Prozent auf 6790 Punkte.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

22. Mai 2013

Der Mai wurde für den Dax der Monat der Rekorde. Nachdem der Dax ein Rekordhoch nach dem anderen knackt, liegt das neue Allzeithoch bei 8.558 Punkten.

25. Oktober 2013

Der Dax schafft zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

7. November 2013

Neuer Rekord: Der Dax steigt zwischenzeitlich auf ein Allzeithoch von 9193 Punkten, gab bis zum Handelsende aber einen Teil der Gewinne wieder ab. Zum Börsenschluss reichte es für 9081 Punkten. Die Anleger feierten die überraschende Senkung des Leitzinses durch die EZB auf 0,25 Prozent.

25. November 2013

Der Dax beginnt die neue Handelswoche mit einer Rekordjagd. Schon in den ersten Minuten springt der Index über das alte Rekordhoch von 9254 Punkten und pendelt bereits vormittags an der Marke von 9300 Punkten.

2. Dezember 2013

Trotz eines ruhigen Präsenzhandels konnte der Dax an diesem Montag eine neue Bestmarke setzen: Er stieg am Vormittag bis auf 9424,83 Punkte.

30. Dezember 2013

Der Dax beendet seine Jahresendrally knapp über der Marke von 9500 Punkten.

4. Februar 2014

Der Dax startet stark ins neue Jahr und erreicht am 17. Januar mit 9789 Punkten abermals ein Rekordhoch. Börsianer hoffen, dass der Index nun über die 10000-Punkte-Markte springt und werden enttäuscht: Gegen Monatsende geht dem Dax die Puste. Am 31. Januar schließt er bei 9349 Punkten und läutet den Februar mit fallenden Kursen ein.

„Die Party bleibt im Anlegerlager umstritten. Das ist positiv!“, sagt Hübner. Das zeigen nicht nur die Sentix-Daten, das weiß Hübner auch aus eigner Erfahrung. Er sei in letzter Zeit häufig von Bekannten gefragt worden, was denn an der Börse los sei - und zwar nicht, weil die Leute die besten Anlagetipps haben wollten, sondern weil sie der Rally nicht trauten.

Für den Marktforscher ist das ein gutes Zeichen. Denn ein gewisses Maß an Skepsis ist gesund für die Börsen. Die Logik dahinter: Wenn sich alle bereits mit Aktien eingedeckt haben, ist keiner mehr da, der noch kauft. Herrscht dagegen Skepsis, gibt es immer noch Anleger, die noch nicht gekauft haben.

Kommentare (7)

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Profi

21.05.2013, 16:20 Uhr

und in welcher Reihenfolge gehen die "Anleger" wieder raus?Zuerst die Hedgefonds,die auf kaum Gegenwehr treffen, da bspw. 1Mio.Aktien auf eine Gegenwehr von 100 Stück treffen.Wenn die Privaten als letztes rausgehen, sammeln die Hedgefonds wieder ein

Account gelöscht!

21.05.2013, 16:36 Uhr

Das ist alles nur noch krank und hat mit Sachwerten NICHTS zu tun....

links_unten_nach_rechts_oben

21.05.2013, 16:44 Uhr

Diese Überschrift hätte auch gepasst:

„Das Jahrestief liegt noch vor uns“

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