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09.07.2012

14:43 Uhr

Sentix Marktradar

Das Vertrauen in den Euro schwindet rapide

VonJessica Schwarzer

Der Euro ist zur Krisenwährung verkommen. Der Vertrauensverlust der Investoren wird immer größer. Daran ändern auch alle Rettungsversuche und Hilfsprogramme von Seiten der Politik nichts. Und das Misstrauen wird noch befeuert.

Eine Euro-Münze in einer Flamme dapd

Eine Euro-Münze in einer Flamme

Düsseldorf „Anleger haben die Gipfelbeschlüsse überhaupt nicht honoriert“, sagt Manfred Hübner vom Analysehaus Sentix. Im Gegenteil: Das Misstrauen ist sogar noch gewachsen. In der wöchentlichen Sentix-Umfrage unter mehr als 3500 privaten und institutionellen Investoren ist die mittelfristige Stimmung auf ein neues 52-Wochen-Tief gefallen. „Damit rückt unser Kursziel von 1,20 in greifbare Nähe“, analysiert der Experte. „Wenn dann die einzige Hoffnung für den Euro darin besteht -, dass sich womöglich bald der Anlagefokus auf die USA und deren hausgemachte Schuldenprobleme richtet , wird das Dilemma des Euros offensichtlich.“

Keine guten Aussichten also. Dass die Anleger trotz der massiven Vorbehalte gegenüber der Gemeinschaftswährung ihr Geld nicht abziehen, hat einen einfachen Grund. „Investoren verstehen die Krise nicht und deshalb reagieren sie auch nicht“, sagt Hübner. „Das liegt daran, dass den Anlegern die Alternativen fehlen und sie einfach nicht wissen, wohin sie mit ihrem Geld sollen.“

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Viele könnten sich aber auch gar nicht komplett aus dem Euro-Raum verabschieden, selbst wenn sie wollten. Vor allem Institutionelle haben schließlich Vorgaben, an die sie sich halten müssen. Und für Privatanleger, die im Euro-Raum leben, ist es noch schwieriger – und auch wenig ratsam, ihr Geld komplett im Ausland anzulegen. „Aber natürlich kann man Euro-Positionen absichern oder ausländische Aktien, Anleihen und natürlich die Währungen selber beimischen“, so Hübner.

Staatsanleihen und billiges Geld

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Der Sentix-Experte befürchtet, dass es nur eines kleinen Impulses – etwas durch eine schlechte Nachricht in einem Krisenland – bedarf, um  das Fass zum überlaufen zu bringen. Irgendwann werde der Druck zu groß, so Hübner. Die Folge könnte eine Flucht aus dem Euro sein.

Kommentare (24)

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Leopold

09.07.2012, 15:05 Uhr

Die neuen europäischen Führer haben nur ihre eigenen Interessen im Sinn und kein Interesse an einem gemeinsamen Europa. Sie brauchen nur frisches Geld für ihre Staats-Verschuldung. Hinter dem Euro steht ausser Frau Merkel niemand mehr. Nur Brüssel hat bei all seinen Spielchen noch nicht gespannt, dass damit dieser Regierung der Boden weggezogen wird.

Edelzwicker

09.07.2012, 15:11 Uhr

WENN man täglich zu hören bekommt, dass sich die Schuldenländer weder an ihre Zusagen halten, diese sogar nach zwei Tagen noch "nachverhandeln" wollen, oder die Besuche der Troika kategorisch ablehnen, obwohl sie nach dem Geld der solide wirtschaftenden Euro-Länder unverschämt und anmaßend gieren, dann hätte ich als Anleger auch kein Vertrauen in diese Währung - eine Währung übrigens, die jederzeit ex cathedra einen Schuldenschnitt auf Kosten der Anleger bewirken kann. Ja, dann kann ich meine Kohle viel besser in Monte-Carlo, im Cassino plazieren! Der Euro ist hinüber - er könnte nur durch die komplette Abkopplung der PIGS wieder zu neuer Blüte auferstehen.

Pro-Me

09.07.2012, 15:20 Uhr

so lange die Abläufe des € noch ind en Händer dieser Bilderbeger Politiker liegen, sollten wir besser zur DM zurück kehren.

BIG BROTHER ist wieder einen Schritt weiter zu 1 Weltregierung, denn nun liegt die Bankenkontrolle schon in europäische Hand, also zentral.

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