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25.03.2013

12:44 Uhr

Sentix Marktradar

Das Vertrauen in den Euro sinkt

VonJessica Schwarzer

Der Euro leidet deutlich unter der neu aufflammenden Krise. Investoren trauen der Gemeinschaftswährung derzeit nicht viel zu und rechnen wieder stärker mit dem Ausstieg eines Landes aus der Euro-Zone.

Eine verbogene zypriotischen Euro-Münze dpa

Eine verbogene zypriotischen Euro-Münze

Die Euro-Krise ist zurück, doch an den Aktienmärkten scheint das Drama um Zypern spurlos vorbeizuziehen. „Die Grundüberzeugung der Anleger hat durch das Ringen um die Zypern-Rettung keinen Schaden genommen“, sagt Manfred Hübner von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 4.000 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Die europäische Einheitswährung hingegen leidet deutlich unter der neu aufflammenden Euro-Skepsis. „Die Italien-Wahl und das Zypern-Debakel haben einigen Schaden angerichtet“, sagt der Sentix-Experte. „Die mittelfristigen Erwartungen der Anleger sind stark gefallen.“

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Durch die neuerlichen Rettungsdiskussionen ist die Gemeinschaftswährung angeschlagen, Investoren sind eher bereit, Positionen abzubauen. Sollte der Euro unter die Marke von 1,29 US-Dollar rutschen, wird es brenzlig. „Das wäre ein wichtiger technischer Katalysator, die Talfahrt wäre programmiert“, so Hübner.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Noch zum Jahreswechsel waren die Investoren pro Euro gestimmt. „Diese Zuversicht ist völlig verflogen“, analysiert der Sentix-Experte. Das liege aber nicht nur am Euro selbst, sondern auch daran, dass der US-Dollar deutlich positiver bewertet werde. „Zwar ist US-Haushaltsstreit noch nicht gelöst, die Konjunkturaussichten sind aber gut, die Wirtschaftsdynamik hat positiv überrascht – die Stimmung dreht also auch pro Dollar und nicht nur contra Euro.“

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

25.03.2013, 13:19 Uhr

Ob 4.000 oder 40 Investoren, ist egal. So lange keine Fehlerangaben zur Erhebung durch Sentix öffentlich gemacht werden, ist das alles unseriös.

DickesEndeKommtNoch

25.03.2013, 14:07 Uhr

Oder die Leute kapieren endlich dass sie in Cash und Anleihen willkuerlich enteignet werden koennen waehrend dies in Aktien und Immobilien schwieriger ist.
Wie man glauben kann dass ein grosses Land geordnet und ohne Domino Effekte auch auf vermeintlich solide Banken und Volkswirtschaften in den vermeintlich solideren Laendern in Anbetracht der geographisch juristischen Vermischung von Assets und Liabilities und dem unausweichlichen Rechtsbruch (s. Argentinien) bei einer Abwertung vonstatten gehen kann, gerade auch bei der Generation von strategischen Genies die z.Zt. idS am Ruder ist, ist mir schleierhaft.
Aber Verstand ist ja stets bei wenigen nur gewesen.

Ichbinsdoch

25.03.2013, 14:30 Uhr

Welches Vertrauen bitte?
Eizig was sich nun etwas geändert hat, ist das viele nun endlich auch einsehen das der Euro und die EU Diktatur nur eins im Sinn haben : Macht und Umverteilung und das ohne jegliche demokratische Legitimation !!!!
Der Euro ist dazu geschaffen werden, um Europa zu enteignen und die Reichen noch Reicher zu machen.

Und diese angebliche 100.000 Euro Grenze....doch lachhaft. Klar augenscheinlich trifft es dann "nicht" die Autonormalverbraucher, die haben vielleicht 1.000 bis 10.000 auf dem Konto...Aber auch nicht die Großen, denn das Geld ist weg wie aus Frankfurt zu hören ist. Komischerweise trotz Kapitaltranzferkontrollen verschwunden. Auch werden die Investoren nicht zur Kasse gebeten, sondern nur die Bareinlagen.
Und da machen die keinen Unterschied ob das Geld nun nur da "geparkt" wurde, oder ob das Konto von kleinen Unternehmen, dem Handwerker um die Ecke, dem Lebensmittellasden usw ist. Das ganze zielt alleine auf den Mittelstand...was passiert denn wenn der Handwerker, kleine Firma Löhne zahlen müssen? Lieferrungen beglichen weren müssen? Auf einmal 30% vom Kapital weg...das überleg keins der kleinen Unternehmen...dementsprechend auch dann die Angestellten und Arbeiter dieser....
Und so trifft es dann doch den kleinen Mann...

Aber in der Mafiazentrale Brüssel und Ihrer größten Aussenstelle Berlin klopft man sich auf die Schulter und beweihräuchert sich über die "Rettung"
Dazu wird dann noch groß TAMTAM in den GEZ-Propagandamedien und Handlander anderer Medienverlage (Springer udg) gemacht

WOMIT BITTE SOLL DA IRGENDWELCHES VERTRAUEN BEGRÜNDET WERDEN ?

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