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01.05.2012

09:23 Uhr

Sentix Marktradar

Dax-Erholung verwirrt Anleger

VonJessica Schwarzer

Ist die Korrektur vorbei und der Dax setzt zur nächsten Rally an? Keine leichte Frage und die meisten Anleger scheinen auch keine klare Meinung zu haben. Sie sind verwirrt und zögern. Doch das kann sich schnell ändern.

Kurstafel an der Frankfurter Börse: Steht der Dax vor dem Ausbruch nach oben? AFP

Kurstafel an der Frankfurter Börse: Steht der Dax vor dem Ausbruch nach oben?

DüsseldorfAngst und Gier sind die entscheidenden Emotionen an der Börse. Doch aktuell sind die Anleger emotionslos. „Schlimmer noch, sie verstehen die Kapitalmärkte nicht mehr, sind irritiert und stellen sich erstmal neutral“, sagt Manfred Hübner von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich 3500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer. Dass die Aktienkurse in der abgelaufenen Woche zu einem Konter ansetzten und der Dax fast die wichtige Marke von 6.880 Punkten geknackt hat, passt nicht zum aktuellen Wirtschaftsbild der Anleger: Hoher Ölpreis, Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung in China, die noch immer schwelende Schuldenkrise – eigentlich keine positiven Nachrichten für Aktienkurse.

Entsprechend verhalten ist die Stimmung der Investoren. Für die Sentix-Experten heißt das: keine klaren Signale. „Irritation und Neutralität sind leider keine Indikatoren, die auf eine Wende am Markt hindeuten“, sagt der Sentix-Experte. Erst wenn die Anleger wieder eine klare Meinung haben, sind das Hinweise auf steigende oder fallende Kurse.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Vor allem das sogenannte kurzfristige Sentiment ist spannend, es wird antizyklisch bewertet. Ist die Stimmung sehr gut, sind die Anleger also gierig, ist mit einer Korrektur zu rechnen. Regiert die Angst an den Märkten, ist das ein Zeichen für eine baldige Kurserholung. Derzeit schlägt das kurzfristige Sentiment kaum aus, liegt aber nach den Kurserholungen der vergangenen Woche leicht im positiven Bereich, „ein weiteres Indiz für die prinzipielle Zurückhaltung der Anleger“, so Hübner.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Impulse erhofft er sich von der Charttechnik. „Der Dax kämpft derzeit mit zwei entscheidenden Marken“, sagt der Experte. Nach unten muss die 6.600 halten, sonst droht Ungemach. Diese Marke hat der Dax zwar in den vergangenen Tagen ganz kurz unterschritten, sie aber ein Tag später wieder zurückerobert. Ein gutes Zeichen. Jetzt rückt die obere Begrenzung in den Fokus. „Wenn der Dax über 6.880 Punkte steigt, ist die Konsolidierung beendet“, sagt Hübner. „Dann dürften Anleger wieder zugreifen.“

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

01.05.2012, 10:53 Uhr

Ich könnte mich schlapp lachen über diese Fabulieren über den Blick in die Glaskugel,mehr ist hinter den Börsenanalysen meist nicht.Und mit sowas füllt man täglich die Seiten.
Erwachsene Menschen nehmen sich entsetzlich ernst und tun doch nicht mehr als zu würfeln.

Lachsack

01.05.2012, 11:29 Uhr

Sehe ich auch so!

Die Pappnasen haben NULL Ahnung.

Ist aber eigentlich auch seitdem es Aktien gibt nix neues!
Wäre es anders, wären se alle reich und bräuchten nicht mehr die hochbezahlten Schamanen und Knochenwerfer auf dem Parkett mimen.

Im Nachhinein hat man im Übrigen schon immer alles gewusst! Und bei den vielen Deppen dieser Branche ist schon statistisch immer einer dabei, der alles vorausgesagt hat. Der ist dann man auch gleich der Größte. Der wird dann gleich der Vostand im Dorf der Ahnunglosen, sprich Professor mit Anwartschaft für noble Preise.

Die akademische Lehre der Wirtschaftswissenschaften kannste doch inne Tonne kloppen. Leicht verschämt hört man das sogar manchmal: "Wirtschaft ist hauptsächlich Psychologie". In Bierseliger Runde im Stiudentenviertel hörtse den kurzen Lichblick nicht selten, bevor er nach akademischen Würden möglichst tief im Keller versteckt wird.

Um so grösser ist das Ego dieser Selbstberäucherungs und Selbstbedienungskaste am System.
Das verhält sich reziprok zum Wissen. Da wird eben die wenige vorhandene Substanz bis zum Maximum aufgeblasen. Kann schon sein, dass das dann mal platzt. Lehmann Brothers lassen da grüßen.

Alter Sponti Spruch:
Wer nix wird, wird Wirt oder geht zum Bund.

Stand der Dinge wäre heute eher:
Wer nix wird, wird Wirt bei DSDS oder lernt Wirtschaftswissenschaften.

Alaf und Helau ihr Pappnasen!

Privatier

01.05.2012, 11:31 Uhr

Steigt der Dax, fällt er, vielleicht steigt er doch oder bewegt er sich seitwärts.
Schon beeindruckend, mit was Analysten jeden Tag ganze Seiten füllen, dabei eigentlich nichts sagen und gutes Geld damit verdienen.
Der Anleger, der sich selbst nichts zutraut zahlt viel Geld für Börsenbriefe, die ihm ein gutes Gefühl gebe, ihm aber nicht wirklich helfen.
Mich würde mal interessieren, ob all die gut bezahlten Analysten und Herausgeber von Börsenbriefen selbst an der Börse investiert sind.
Ihr Geld scheinen sie damit jedenfalls nicht zu verdienen!

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