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21.02.2011

11:53 Uhr

Sentix Marktradar

Der Ölpreis hat noch viel Potenzial

VonPatrick Hussy
Quelle:http://www.sentix.de/

Der Preis für Brentöl zieht dem für amerikanisches Öl davon. Und ein weiterer Preisanstieg ist mit Blick auf die Erwartungen der Investoren am Ölmarkt sehr wahrscheinlich.

FrankfurtWas ist da los am Ölmarkt? Zwischen der Ölsorte WTI (West Texas Indermediate Cushing Crude Oil) und der Nordseesorte Brent ist eine Lücke von bis zu 19 Dollar entstanden. Historisch ist das äußerst ungewöhnlich und verleitet den einen oder anderen Spekulant, auf die Einengung dieses Spreads zu setzen.
Doch die Sache ist hochkomplex und mit Vorsicht zu genießen. In den Erklärungen von den Ölanalysten wird häufig auf das Überangebot in Cushing (Texas) hingewiesen und auch die Unruhen in Nordafrika müssen als Ursache für die Preisunterschiede herhalten. Doch erklären diese Nachrichten 19 Dollar Unterschied? Selbst ein Irak-Krieg oder auch eine Finanzkrise in 2008 hinterließen nicht solche Spuren im Spread wie am aktuellen Rand. Ein Vergleich der Future-Preise auf WTI und Brent scheint daher ratsam, denn eine Investition in Rohöl erfolgt meist über Futures oder Zertifikate auf Future-Preise.
Das Thema "Rollverluste" aufgrund eines Kontraktwechsels ist zwar als genereller Nachteil bekannt, doch wie hoch summieren sich diese im Zeitablauf? Hierfür kann man synthetisch die historischen Future-Preise verketten (readjustieren) und die wahre Gewinn- und Verlustrechnung für einen Finanzinvestor ermitteln. Hätte ein Investor am Hochpunkt des Ölpreises Mitte 2008 bei einem Spotpreis (Kassakurs) von 145 USD gekauft und seither sein Investment über Futures aufrechterhalten, so würde sich der Einstandspreis auf 257,15 USD (Brent) und 204,92 USD (WTI) verteuert haben. Die Lagerkosten für Öl sind eben teuer und diese Kosten hat der Investor mitzutragen.

Genau diese Rollkosten sind aber entscheidend für den Erfolg eines Finanz-Investments in Öl. Der Preisabstand der beiden wichtigsten Ölsorten bekommt über diese Analyse eine andere Dimension, denn die WTI-Future Preise steigen über die nächsten Monate massiv an, sodass der Effekt von Rollverlusten hier besonders stark ist. Investiert beispielsweise ein Anleger zum aktuellen WTI-Kassepreis bei 87 Dollar, so muss dieser bis August 2011 auf über 95 Dollar steigen, damit der Investor auf Endfälligkeit gerechnet überhaupt in die Gewinnzone kommt.

Der Fokus auf den Vergleich der reinen Kasse-Preise ist demnach nur die halbe Wahrheit und im langfristigen Chart von WTI und Brent werden diese Effekte nicht ersichtlich. Demgegenüber läuft in der Future-Verkettung die G&V bis zu 50 Dollar auseinander. Somit scheint der Unterschied von aktuell 16,67 Dollar zwar hoch, aber er ist historisch betrachtet immer noch nicht als extrem zu bezeichnen!

Was leiten wir daraus ab? Wir wissen aus den sentix-Daten, dass die Anleger mittelfristig steigende Ölpreise erwarten. Dieses Grundvertrauen ist für den Ölpreis ein positiver Faktor, denn Investments werden nur mit einer positiven Aussicht getätigt. Gleichzeitig hat aber die Mehrheit der Anleger Öl-Kurse von über 104 Dollar für 2011 nicht einplant. Wir gehen davon aus, dass deshalb der Ölpreis 2011 positiv überrascht und die alten Höchststände bei 145 USD anvisiert.

Die aktuelle Irritation der Marktakteure bezüglich der Spreadentwicklung bekräftigt uns in unserer positiven Sichtweise, da der Hauptfokus beim Öl mehr auf die Dissonanz der Preise gerichtet ist als auf die eigentliche Grundrichtung. Wir bevorzugen aufgrund der genannten Faktoren an den Future-Märkten nach wie vor die Nordseesorte Brent.

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