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16.04.2012

16:07 Uhr

Sentix Marktradar

Deutliche Warnsignale!

VonJessica Schwarzer

Die Euro-Krise ist mit voller Wucht zurück. Anleger werden immer skeptischer. „Es fehlt nicht viel zu einem neuen Bärenmarkt“, warnt Patrick Hussy von Sentix. Der Experte für Börsenpsychologie sieht einige Alarmsignale.

Statue vor der Deutschen Börse in Frankfurt: Droht ein Bärenmarkt? dpa

Statue vor der Deutschen Börse in Frankfurt: Droht ein Bärenmarkt?

DüsseldorfDie Stimmung der Anleger dreht schnell, sehr schnell. Noch vor zwei Wochen war bei der wöchentlichen Umfrage des Analysehauses Sentix keine klassische Angst messbar – zumindest wenn es um die kurzfristige Stimmung für deutsche Aktien ging. Zwar waren die Anleger nicht gerade optimistisch gestimmt, richtig pessimistisch aber auch nicht. „Doch dann rutschte der Dax unter die charttechnisch wichtige Marke von 6.850 Punkten – und den Anlegern das Herz in die Hose“, sagt Sentix-Experte Patrick Hussy. Die Angst war zurück, pünktlich zum Osterfest.

In den vergangenen Tagen hat sich das kurzfristige Sentiment trotz weiter fallender Kurse allerdings wieder leicht verbessert. Klingt erstmal nach Entwarnung, ist aber gar nicht gut. „Das kurzfristige Sentiment zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Gier und Angst liegen. Es muss antizyklisch bewertet werden“, erklärt Hussy. Die nachlassende Angst ist in Kombination mit den schwachen Börsenkursen ein Warnzeichen.

Ein weiteres Alarmsignal sendet die mittelfristige Stimmung. Auch hier stehen die Zeichen für deutsche und auch für europäische Aktien auf eine weitere Korrektur. „Ähnlich wie schon im vergangenen Jahr stürzen die mittelfristigen Erwartungen ab“, sagt Hussy. „Die Skepsis ist hoch.“

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Auch für den Euro sieht es gar nicht gut aus. Die Stimmung steuert auf ein neues Zwölf-Monats-Tief zu. Fällt die europäische Einheitswährung unter 1,30 US-Dollar, „wird es dunkel“, so Hussy. Angesichts der sowieso schon negativen mittelfristigen Stimmung könnte es sogar zu einem regelrechten Abverkauf des Euro kommen. Ein solcher Absturz würde auch die Aktienmärkte weiter belasten.

Kein Wunder, dass die Risikoneigung der Anleger deutlich nachgelassen hat – ein weiteres Ergebnis der aktuellen Umfrage. Auf den zweiten Blick verwundern mag die ausgesprochen positive Stimmung für Aktien aus den aufstrebenden Schwellenländern. „Sie ist viel zu gut, vor allem wenn man die chronische Underperformance wichtiger Teilmärkte wie China betrachtet“, sagt der Sentix-Experte. „Und das ist ein weiteres deutliches Warnzeichen für die Märkte.“

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Hussy würde zwar gerne das Ende der Korrektur ausrufen, doch die Daten sagen etwas anderes. „Die Warnsignale sind deutlich, es sieht schlecht aus für die Aktienmärkte“, fasst der Experte zusammen. „Wir sitzen auf einem Pulverfass, das die EZB zwar mit einer hohen Brandmauer schützen will, doch der Funken könnte jederzeit überspringen – und dann kracht es.“ Übersetzt heißt das: In den kommenden vier Wochen könnten die Kurse noch einmal deutlicher nachgeben.  

 

Die sentix GmbH ist der führende Anbieter von Stimmungsindikatoren und Sentimentanalysen in Europa. Mehr als 3.500 Investoren beteiligen sich wöchentlich an den Umfragen, die einen umfassenden und zeitnahen Einblick in die Psychologie der Börse gewährt. Das sentix Marktradar durchleuchtet Woche für Woche, welche Sentimententwicklungen für die Märkte relevant sind. Erfahren Sie mehr unter http://www.sentix.de

 

 

Kommentare (6)

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Leopold

16.04.2012, 16:28 Uhr

Warnsignale - und die EZB fängt an, neues Geld zu drucken? Aber vielleicht ist das Verhalten der EZB erst Grund für diese Unsicherheit an den Märkten? Der EZB nimmt doch niemand mehr das Ziel einer stabilen Geldpolitik ab.

Pilosop

16.04.2012, 16:58 Uhr

Sind die Sentiments gut, ist es eine schlechte Nachricht. Sind die Sentiments schlecht, ist es auch eine schlechte Nachricht.

Das ist nicht mal Pseudo-Wissenschaft, das ist gar nichts, außer Wichtigtuerei. Sentix, such dir eine Arbeit.

Account gelöscht!

16.04.2012, 18:41 Uhr

Wollen wir uns doch nichts vor machen. Es gibt keine nachhaltige Lösung aus der europäischen Staatsschuldenkrise! Wie es auch keine gibt aus der Amerikanischen oder der Japanischen. Jeder Lösungsversuch (Sparmassnahmen) reist nur neue noch viel größere Löcher (Rezession, wegbrechende Staatseinnahmen, zunehmende Verarmung und Arbeitslosigkeit) auf. Jede Intervention seitens der EZB führt nur zu einer weiteren Zunahme der Geldmenge bei gleichzeitiger Abnahme der Wirtschaftlichen Leistung. Zumal die von der EZB zur Verfügung gestellten Geldmittel eher für weitere Spekulationen als zur Stützung der Wirtschaft benutzt werden. Die Hyperinflation ist da vor programmiert. An der Börse geht es gegenwärtig doch nur noch darum kurzfristig zu beurteilen wo wer noch Gewinne erzielt, wo es Synergieeffekte geben könnte oder wo es vielleicht, durch die Situation bedingt und durch notwendige Einsparungen motiviert, es zu Übernahmen (Konzentrationen) kommen könnte.
Außerdem kommen noch Finanzspekulanten hinzu, die jede noch so kleine negative Nachricht dazu nutzen durch Leerverkäufe Panik zu schüren, die Kurse irreal zum purzeln zu bringen und damit ihr Geld zu verdienen. Am Ende wird es wohl nur noch Verlierer geben.

Moritz J. Mueller

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