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04.06.2012

11:45 Uhr

Sentix Marktradar

Die Angst ist da - endlich!

VonJessica Schwarzer

Die Stimmung an den Börsen ist denkbar schlecht. Bei Aktien und dem Euro herrscht Angst – und das ist gut so, sagen die Experten des Analysehauses Sentix. Doch es fehlt etwas Entscheidendes, um Entwarnung zu geben.

Händler an der Frankfurter Börse: Die Schuldenkrise hat die Märkte fest im Griff. dpa

Händler an der Frankfurter Börse: Die Schuldenkrise hat die Märkte fest im Griff.

DüsseldorfAn den Märkten herrscht Krisenstimmung. Die Schuldenkrise hat die Börsen fest im Griff. Der Dax ist erstmals seit Jahresbeginn wieder unter die Marke von 6.000 Punkten gefallen. „Die Angst der Anleger ist deutlich messbar“, sagt Manfred Hübner von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer. „Bei vielen Märkten wie etwa dem Euro Stoxx 50 nähern wir uns Extrembereichen.“ Auch für den Dax sehen Anleger derzeit schwarz. Vor allem kurzfristig trauen die Investoren den Aktienmärkten nichts mehr zu, im Gegenteil. Die Stimmung ist unterirdisch, hat sogar ein neues 52-Wochen-Tief erreicht. „Leider geben auch die mittelfristigen Werte nach, allerdings weniger stark als die kurzfristige Stimmung“, sagt Hübner.

Die Sentix-Datenlage ist zwar prinzipiell positiv für die Märkte. Denn wenn kurzfristig die Angst regiert, dann ist das eigentlich ein Signal dafür, dass die Märkte bald drehen. „Doch um strategische Entwarnung zu geben, fehlt noch ein Puzzleteil“, so der Sentix-Experte. „Bisher beobachten wir lediglich eine schleichende Portfolio-Bereinigung, es fehlt noch immer ein klassischer Ausverkaufstag.“

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Sorgen bereitet den Experten vor allem die mittelfristige Wertwahrnehmung. Noch in der vergangenen Woche hatten sich Hübner und sein Team über die überraschende Stabilisierung der mittelfristigen Erwartungen gewundert, doch damit ist es nun vorbei. Der Wert ist auf ein neues Jahrestief abgeschmiert. „Die Verunsicherung ist groß, doch die Chance auf eine technische Erholung bleibt“, sagt Hübner. „Allerdings dürften mittelfristig orientierte Anleger eine solche Kurserholung eher als Verkaufschance werten.“

Die aktuelle Datenlage erinnert ihn stark an den vergangenen August. Damals ging es auch kräftig abwärts, es folgte eine Stabilisierung mit geringen Kursausschlägen nach oben, doch dann ging es wieder abwärts. „Ähnlich dürfte es auch jetzt wieder laufen“, so Hübner.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Größtes Sorgenkind ist die Konjunktur. „Auch hier kippt die Stimmung“, sagt der Experte. „Euro-Land wird konjunkturell immer mehr zum globalen Sorgenkind.“ Dass die Euro-Zone in ihrer heutigen Form noch lange Bestand hat, glaubt er nicht. „Die Märkte treiben die Politik zur ultimativen Entscheidung“, sagt Hübner. „Solange die Politik sich aber verweigert, erodiert das Vertrauen in den Märkte immer weiter.“

Die Sentix GmbH ist der führende Anbieter von Stimmungsindikatoren und Sentimentanalysen in Europa. Mehr als 3.500 Investoren beteiligen sich wöchentlich an den Umfragen, die einen umfassenden und zeitnahen Einblick in die Psychologie der Börse gewährt. Das sentix Marktradar durchleuchtet Woche für Woche, welche Sentimententwicklungen für die Märkte relevant sind. Erfahren Sie mehr unter http://www.sentix.de

Kommentare (7)

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Heinrich

04.06.2012, 12:24 Uhr

Na endlich steht der Gerichtsvollzieher vor den Türen der europäischen Parlamente. Haben die Politiker doch jahrelang Rechnungen und Mahnungen einfach ignoriert ja sogar einfach weggeschmissen.

Johannes

04.06.2012, 12:26 Uhr

Was für eine dumme Schlagzeile

Dieter

04.06.2012, 12:38 Uhr

Ich finde das schon fast stündliche Bewerten, Analysen und Kommentieren des DAX Standes für absolut übertrieben. Es werden deutliche Zeichen der Politik gefordert, die dann wenn sie kommen wieder zerredet werden was dann wiederum zu negativen Reaktionen beim DAX führen. Das kann es doch nicht sein!

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