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14.05.2013

09:41 Uhr

Sentix Marktradar

„Die heiße Börsenphase hat begonnen“

VonKatharina Schneider

Langsam glauben auch die privaten Anleger, dass der Dax jenseits der 8.151 Punkte noch Potenzial hat. Doch die Stimmung an den Börsen ist beinahe schon zu gut. Marktexperten warnen, dass nun eine riskante Phase beginnt.

Die Anleger sind wieder „bullisher“. dpa

Die Anleger sind wieder „bullisher“.

DüsseldorfJetzt haben es auch die privaten Anleger verstanden. Bei 8.151 Punkten muss für den Deutschen Aktienindex noch lange nicht Schluss sein. „Aktien sind trotz Krise toll“, lautet die Botschaft und sie führt zu einer ausgelassenen Stimmung an den Märkten.

„Die Stimmung ist bereits zu gut“, sagt Patrick Hussy, Geschäftsführer von Sentix. Nun habe die „heiße Börsenphase“ begonnen. Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 4.000 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Doch wie lange wird die Rally anhalten? „Hierzu bedarf es einer Standortbestimmung, wo wir aktuell an der Börse stehen“, sagt der Marktexperte und beschreibt drei Phasen eines idealtypischen Spekulationszyklus: „Zuerst steigen die Kurse und niemand versteht warum“, sagt Hussy. In der zweiten Phase steigen die Kurse weiter und sie werden von den Argumenten und Daten gedeckt.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

In der dritten Phase gehe es oftmals auch noch steil nach oben, wobei in letzterer kaum noch jemand Argumente hören möchte: Es werde blind investiert, denn die Fakten liegen klar auf der Hand und das Geldverdienen an den Börsen erscheint allzu einfach.

„Wahrscheinlich befinden wir uns gerade am Anfang der dritten Phase“, sagt Hussy. Die verspreche zwar noch weitere Gewinne, sei aber deutlich riskanter als die vorherigen Phasen. Der Markt sei in den vergangenen drei Wochen heiß gelaufen. „Immerhin haben sich 60 Prozent der Anleger umorientiert, es gilt etwas heiße Luft abzulassen“, sagt Hussy.

Kommentare (13)

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Euroklopapier

14.05.2013, 09:58 Uhr

Genau das will man erreichen. Privatanleger zu Höchstpreisen in Aktien locken. Dann wird der Rahm (Sahne) abgeschöpft. Der kleine Privatanleger muss wieder seine Wunden lecken. Dieser wird nur abgezockt. Ganz egal wo er sein Geld anlegt! Staatsanleihen, Aktien, Lebensversicherung und sogar schon die Sparguthaben werden geplündert. Was soll der kleine Michel machen.
Sachwerte kaufen und gut schlafen!!!

Anleihenspezialist

14.05.2013, 10:49 Uhr

Liebe Frau Schneider,

Sie sind mir eine liebe Börsenexpertin. Also der Kleinanleger soll nun in Aktien investieren, nachdem man die Zinsen auf Sparerträge fast auf null gesenkt hat. Gruß an alle die LV/RV, Riester, Rürup, BAV - betriebliche Altersvorsorge haben. Bitte mal VAG § 89 googeln und in Ruhe lesen. Für Nebenwirkungen sollte Ihr Kreislauf kollabieren, bitte an Ihren zuständigen Bezirksabgeordneten wenden. Gesetze kommen von den Politikern.

Nun nochmal zu den Aktien liebe Frau Schneider. Die Aktien im DAX müssten mindestens um 25% höher bewertet sein. Was heißt das für den Laien? Wir haben einen Bärenmarkt, weil es zur viel Liquidität im Markt gibt. Es wird daher massiv in Aktien investiert, um die Niedrigzinsphase am Kapitalmarkt auszusitzen. Da es aber keine realen Wirtschaftszuwachs gibt entsteht eine Blase.

Liebe Frau Schneider wir nähern uns in riesen Schritten dem Crash. Es wird ein Ereignis ausreichen, dann kracht alles zusammen. Auf dem G7 - Treffen wurde darüber gesprochen, dass man eigentlich die Zinsen erhöhen müsste und die Aktienzukäufe massiv zurück gefahren werden müssten.

Problem ist, dass dann sofort etliche Banken bei Zinserhöhung zusammen brechen und etliche Staaten dadurch in die Staatspleite müssten, weil Sie die gehaltenen Staatsanleihen der Banken nicht bedienen könnten.

Wie sagt immer Rolli, wir sind alle auf einen guten Weg!

Stula

14.05.2013, 11:32 Uhr

Als täglich erscheinende "Fachzeitung" steckt das HB wirklich in einem Dilemma, das Börsengeschehen kommentieren zu müssen. Und das auch noch mit dem Anschein, als ob man wüsste, wie die Kurse in zwei Tagen resp. in zwei Wochen stünden.
Wer Ahnung hat und konservativ nur in "echte" Aktien und nicht in Derivate/Zertifikate investiert, hat dies bereits vor wenigen Jahren gemacht und kann sich jetzt über entsprechende Kursgewinne freuen. Diese Kursgewinne müssen - sofern keine reine Dividendenstrategie vorliegt - irgendwann auch durch Verkäufe realisiert werden. Und den Letzten beißen bekanntlich die Hunde.

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