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12.03.2013

11:50 Uhr

Sentix Marktradar

„Die Jubelstimmung ist gefährlich“

VonKatharina Schneider

Dax nahe 8.000 Punkten - das bringt viele Anleger zum Jubeln. Doch die kurzfristig gute Stimmung passt nicht zu den mittelfristigen Erwartungen der Investoren. Experten rechnen mit einer Konsolidierung am Aktienmarkt.

Jubelstimmung ist schön, kann aber schnell umschlagen. dpa

Jubelstimmung ist schön, kann aber schnell umschlagen.

DüsseldorfSo gut wie in diesen Tagen war die Stimmung der Anleger lange nicht mehr. Der Sprung über die 8.000-Punkte-Marke hielt für den Deutschen Aktienindex zwar nicht lange an. Doch die Anleger sind sich trotzdem sicher, dass das Allzeithoch von 8.151 Punkten bald geknackt wird. Dieser Optimismus kann jedoch gefährlich werden. „Wenn die Anleger bei ihren kurzfristigen Erwartungen sehr optimistisch, aber auf mittlere Sicht skeptisch sind, ergibt das eine ungute Mischung“, sagt Manfred Hübner, Geschäftsführer von Sentix.

Ähnlich groß sei der kurzfristige Optimismus zuletzt im vergangenen Dezember gewesen, so Hübner. Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 4.000 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

„Die Anleger sind berauscht, doch sie beginnen auch, den Markt als zu teuer anzusehen“, sagt der Marktexperte. Aus psychologischer Sicht könne dieser mittelfristige Pessimismus mit dem sogenannten Anker-Effekt begründet werden.

„Der Dax-Stand von 8.000 Punkten ist in den Köpfen bislang als ‚oben‘ verankert“, sagt Hübner. „Alles darüber hat man noch nicht gesehen und es fällt schwer, sich das vorzustellen.“ Die Anleger jubeln also über die aktuellen Kurse, zweifeln aber daran, dass der Dax über 8.000 Punkten noch Potenzial hat.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Fraglich ist allerdings, ob sich der mittelfristige Pessimismus tatsächlich nur mit diesem psychologischen Phänomen begründen lässt. Die schlechtere Stimmung setzte just nach der Italienwahl ein. Deshalb könnten auch ökonomische und politische Ereignisse eine Rolle spielen.

Kommentare (5)

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DrKaffeesatz

12.03.2013, 12:41 Uhr

Sentix, mach den Laden zu. Wer diesen Prognosen Glauben schenkt, ist richtig gestraft.

Nicht, dass die aktuelle Ansicht falsch wäre, aber das letzte halbe Jahr war mehr als peinlich.

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12.03.2013, 12:52 Uhr

Witzig, scheint noch nicht bei allen angekommen zu sein, dass DAX-Stand 8000 vom Jahre 2000 aus dem Kursindex entsprang, der heute bei knapp über 4000 liegt. Also rechnen wir mal DM-Euro-Konversion mit ein und den 50%-Kaufkraftverlust des Euro seit bestehen, ist der DAX heute nur halb soviel Wert wie im Jahre 2000. Nach meiner Meinung ist das völlig unterbewertet.

Für den DAX Performanceindex, der heute bei 8000 steht und als DAX bezeichnet wird, heisst das, ab Stand 15000 haben wir erst wieder die Überbewertung vom Jahre 2000 erreicht. Bis dahin sind noch 7000 Punkte Luft nach oben... sag ich als Privatanleger.

Wir haben heute allerdings eine meinungsmanipulierte Börse ;-)

Account gelöscht!

12.03.2013, 13:30 Uhr

Ein bisschen Wasser in den Wein will ich schon geben. Auch im Jahr 2000 wurde der Index schon in Euro berechnet.
Die Kernaussage ist aber richtig. Man muss den Kursindex vergleichen, nicht den DAX Performance, denn da sind die Dividenden alle mit drin! Es sind somit noch ca. 50 % Luft nach oben bis zum bisherigen Hoch aus dem März 2000!
Ich verestehe auch nicht, wieso das die Börsenprofis nicht sehen wollen und auch renomierte Seiten und Dienste das ignorieren. Jeder der qualifiziert informieren will sollte das berücksichtigen! Handelsblatt, wo stehst denn du mit deinem Qualifikationsprofil?

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