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04.03.2013

15:14 Uhr

Sentix Marktradar

Die Stimmung an der Börse kippt

VonJessica Schwarzer

Die Italien-Wahl wirkt nach. Die Verunsicherung der Investoren steigt. Und zugleich sinkt ihre Zuversicht, dass es mittelfristig mit den Börsen weiter aufwärts geht. Gewinnmitnahmen werden wahrscheinlicher.

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Die Italien-Wahl hat Spuren hinterlassen. dpa

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Die Italien-Wahl hat Spuren hinterlassen.

DüsseldorfItalien hat gewählt und die Ratlosigkeit auf dem Parkett ist erst einmal groß.  Silvio Berlusconi ist zurück, allerdings reicht es nur zum Patt, den großen Sieg schafft er nicht. „Clowns“ hätten die Italiener gewählt, verkündet SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Doch den Börsianern vergeht das Lachen. Vor allem das südeuropäische Land selbst wird unmittelbar nach der Wahl an den Aktien- und Rentenmärkten abgestraft. Aber auch der Dax muss einen Rücksetzer wegstecken, wenn auch einen verkraftbaren.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

„Doch der Schaden ist da und der Ausgang der Italien-Wahl drückt auf die Stimmung der Anleger“, sagt Patrick Hussy von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 4.000 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer. „Stimmung dreht“, analysiert Hussy die aktuelle Umfrage vom Wochenende.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Die mittelfristigen Erwartungen der Anleger sind längst nicht mehr so positiv wie noch vor einer Woche. „Nun müssen wir abwarten, ob sich dieser Trend festsetzt oder das nur eine vorübergehende Flaute ist“, so Hussy. Er ist allerdings relativ optimistisch, denn ein Bullenüberhang von 33 Prozent sei immer noch eine stolze Quote.

Kommentare (6)

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Gast

04.03.2013, 15:26 Uhr

http://www.rottmeyer.de/wann-kommt-der-flash-crash-2-0/

bjarki

04.03.2013, 15:54 Uhr

Stimmung kippt " Investoren" verunsichert ??? Oh Gott, die Juppis bekommen das Fracksausen. Denn was koennen die Boersianer schon ausser Roulette spielen. (...). Dann muessten diese arbeiten, aber das koennen die nicht. Das arrogante Foren Geschwaetz wuerde dann verstummen. Na los kauft Aktien Gold Oel Platin, Nahrungsmittel, verspekuliert euch und verschwindet. (...)


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Sapere_aude

04.03.2013, 16:22 Uhr

Ich finde es im hohen Maße unglaubwürdig und journalistisch unter aller Kanone, wenn Frau Schwarzer einerseits öffentlich ihr Musterdepot führt - sich also als Anlegerin im Markt versucht - und andererseits marktbewegende Berichterstattung betreibt.
Eines von beiden: ja - aber bitte nicht beides zugleich.

Noch wesentlich problematischer ist es dann, wenn zugleich auch noch ein kommerzieller Marktbeobachter wie Sentix in die Berichterstattung einfliesst - perfekte Kommerzialisierung der Berichterstattung, von der dann nur noch ein extremer Tölpel annehmen dürfte, sie sei neutral und an offener Information interessiert.

Mit den Moralvorstellungen, für die das Handelsblatt ja sonst immer sehr gerne eintritt, wenn es um die Bewertung der Geschäftspraktiken ANDERER geht, hat das absolut nichts zu tun, ja es konterkariert sie öffentlich.
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