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15.05.2012

10:47 Uhr

Sentix Marktradar

Die unheimliche Stärke des Dax

VonKatharina Schneider

Die deutsche Wirtschaft trotzt der Euro-Krise. Bei Investoren sind deutsche Aktien deshalb erste Wahl. Doch das birgt Gefahren. Experten fürchten, dass sich Deutschland nicht ewig vom Rest Europas abkoppeln kann.

Deutsche Aktien sind beliebt, doch das ist auf Dauer ein Problem. AFP

Deutsche Aktien sind beliebt, doch das ist auf Dauer ein Problem.

DüsseldorfDeutsche Aktien sind deutlich beliebter als andere europäische Papiere. Das zeigt ein Vergleich des Dax mit dem Eurostoxx 50. Während der Dax seit Jahresanfang acht Prozent zugelegt hat, liegt der Eurostoxx rund fünf Prozent im Minus. „In der zehnjährigen Geschichte unseres Analysehauses haben wir eine solche Bevorzugung des Dax bisher noch nicht gemessen“, sagt Manfred Hübner, Geschäftsführer von Sentix.

Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer. „Viele Anleger rechnen sich die Situation schön“, sagt Hübner. Doch die deutschen Aktien dürften nicht völlig isoliert von Europa betrachtet werden. Denn das birgt ein großes Enttäuschungspotenzial: „Wenn auch die deutschen Unternehmen von der Euro-Krise erfasst werden, verlieren die Anleger ihren „Anker“. Das könnte eine Verkaufswelle anstoßen wie schon im vergangenen Sommer.“

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Kurzfristig zeigt sich bei den Erwartungen der Anleger laut Sentix eine gewisse Skepsis, „doch eine ausgeprägte Angst ist das noch nicht“, sagt Hübner. Die kurzfristige Gefühlslage schwanke eher zwischen Verdrängung und Irritation. „Die Anleger haben ihre Portfolien bislang nur wenig an die erneute Krisenverschärfung in der Euro-Zone und die schwächeren Konjunkturdaten angepasst und ihre Aktienbestände noch nicht in großem Umfang reduziert.“

Auch die mittelfristigen Erwartungen der Anleger sind laut der aktuellen Umfrage stabil, es gibt derzeit also keine starken Kauf- oder Verkaufsimpulse. Zwar habe sich die Relation zwischen kurz- und mittelfristiger Stimmung in der abgelaufenen Woche verbessert, doch die Aktienmarktkorrektur scheint noch nicht beendet, so Hübner.

Für immer mehr Anleger gebe es kaum noch eine Alternative zur Aktienanlage. Das zeigt auch die Sentix-Analyse zum Anlagestil: „Die Anleger fahren voll auf Dividenden ab“, sagt der Sentix-Experte. Grund dafür sei aber nicht nur die aktuelle Dividendensaison. Vielmehr steigerten die niedrigen Bond-Renditen die Beliebtheit von Aktien – insbesondere solcher mit hohen Dividendenzahlungen. Das sei ein Zeichen von Risikovermeidung.

Insgesamt befinde sich der Aktienmarkt auf einer Gratwanderung zwischen Bullen- und Bärenmarkt, so Hübners Fazit. „Am Rentenmarkt dürften sich dagegen erste Gewinnmitnahmetendenzen einstellen, nachdem hier die Stimmung deutlich bullisher geworden ist“, so Hübner. An den Anleihemärkten steigt die Stimmung zudem in Bezug auf die Emerging Markets. Und beim Goldpreis schreite die Korrektur voran, sei aber wie bei den Aktien wohl noch nicht beendet.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

15.05.2012, 12:17 Uhr

"Die unheimliche Stärke des Dax" - was ist denn das wieder für ein Bericht? Verglichen zum DOW steht der Dax doch ziemlich mieserabel da. Aber in der Vergangenheit war oft zu beobachten, dass nach gewissen Talfahrten des DAX solche Berichte verfasst werden. Als ob das etwas nützt, der Dax ist trotzdem kurz vom Einbruch. Das sollte bestimmt heißen:

Die unheimlich Schwäche des Dax.

Kritiker

15.05.2012, 12:50 Uhr

...das sehe ich aber genauso @ Hamburger.

Gibt es beim DAX nicht seit Mitte März einen Abwärtstrend oder brauche ich ne Brille??? Okay - ich gestehe, ich bin kein Chart-Analyst oder Wirtschaftsjournalist und könnte mich daher auch irren :-)

Ich denke der Deutsche Michel sollen mal wieder motiviert, etwas Geld in die Hand zu nehmen, um damit die Talfahrt ein wenig abzumildern und um den institutionellen Anlegern sowie Investmentbankern die Chance zu geben, trotz schlechter Werte noch schnell für Q2 ein paar Gewinne mitzunehmen. Wäre doch auch ne Strategie - oder?

Ob diejenigen, die gerade ihr Geld verzockt haben auch die Stärken im DAX sehen???

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