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19.11.2012

16:07 Uhr

Sentix Marktradar

„Ein wenig mehr Hysterie wäre gar nicht schlecht“

VonJessica Schwarzer

Der Dax legt heute deutlich zu und klettert über 7.100 Punkte. Doch für Entwarnung ist es noch zu früh. Die Stimmung an der Börse wird von Woche zu Woche schlechter - sie ist aber noch nicht schlecht genug.

Bärenfallen charakterisieren sich dadurch, dass sie offensichtliche Verkaufssignale liefern, um damit nervöse Anleger abzuschütteln. dpa

Bärenfallen charakterisieren sich dadurch, dass sie offensichtliche Verkaufssignale liefern, um damit nervöse Anleger abzuschütteln.

DüsseldorfNachdem der Dax am Freitag unterhalb der psychologisch wichtigen Marke geschlossen hatte, erobert er sie heute locker zurück. Der Index kletterte sogar kurzzeitig über 7100 Punkte. Doch für Entwarnung ist es noch zu früh. „Die Stimmung ist schlecht, könnte aber noch ein bisschen mehr Pessimismus vertragen, um ein antizyklisches Kaufsignal zu generieren", sagt Patrick Hussy vom Analysehaus Sentix. „Ein Bruch der 7.000 Punkte-Marke wäre ein idealer Katalysator, um einen Ausverkauf auszulösen.“ Sentix befragt wöchentlich mehr als 3.500 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

„Es ist eine gehörige Portion Angst im Markt, aber Panik ist das noch nicht“, fasst Hussy die Ergebnisse des aktuellen Marktradars zusammen. Ein wenig mehr Hysterie wäre aber gar nicht schlecht, um wieder klare Kaufsignale zu sehen. Denn die kurzfristige Stimmung der Anleger gibt den Sentix-Experten ein antizyklisches Signal. Je größer die Angst der Börsianer, desto eher dreht der Markt. „Ein letztes Quäntchen Angst fehlt noch, aber trotzdem haben wir insgesamt ein Bild, das mittelfristig positiv erscheint“, so Hussy. „Die kurzfristige Stimmung verschlechtert sich, doch die mittelfristigen Erwartungen der Anleger sind relativ stabil.“

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Für eine deutliche Erholung der Märkte bräuchte es also nochmals einen deutlichere Rücksetzer. "Kommt es zu einer Angst-Attacke der Anleger und der Dax rutscht bis zu seiner Unterstützungszone um 6.880 Punkte ab, könnte das ein interessanter Einstiegssignal sein", sagt Hussy. Ein solcher, kurzfristiger Mini-Crash wäre die optimale Voraussetzung für nachhaltig steigende Kurse. "Eine klassische Bärenfalle, das wäre ideal"' ergänzt er. Bärenfallen charakterisieren sich dadurch, dass sie offensichtliche Verkaufssignale liefern, um damit nervöse Anleger abzuschütteln.

Aktien für Langfrist-Anleger

AmBev

Guter Schutz gegen die Euro-Krise bietet die Brauerei aus Brasilien. Sie wächst vor allem in den Schwellenländern, ist aber weltweit präsent und nahezu schuldenfrei.
Börsenwert in Millionen Euro: 81674
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,7
Dividendenrendite: 0,9 Prozent.

Apple

Trotz der imposanten Rally ist die Aktie nicht teuer. Gewinn und Umsatz wachsen gar schneller als der Börsenwert.
Börsenwert in Millionen Euro: 428190
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,5

Dividendenrendite: 1,6 Prozent.

Baidu

Der Konzern verliert zwar Marktanteile, wächst aber insgesamt nach wie vor rasant im chinesischen Internet-Markt. Die Aktien sind günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 29197
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,8
Dividendenrendite: keine

British American Tobacco

Der Tabakkonzern aus Großbritannien kann trotz der immer strenger werdenden Gesetze jedes Jahr Umsatz, Gewinn und Dividende steigern. Besonders stark ist das Unternehmen in den asiatischen Schwellenländern.
Börsenwert in Millionen Euro: 75886
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 13,8
Dividendenrendite: 4,6 Prozent

CF Industries

Der hochprofitable und dividendenstarke US-Düngemittelkonzern profitiert vom steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit.
Börsenwert in Millionen Euro: 11021
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,8
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Deckers Outdoor

Ein Ende der jahrelangen Wachstumsstory ist noch immer nicht absehbar. Die Aktie ist günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 1300
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,5
Dividendenrendite: keine

Elekta

Der Medizintechniker ist besonders stark in der Krebs-Medizin, einem wachsenden Zweig.
Börsenwert in Millionen Euro: 3671
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 18,4

Dividendenrendite: 1,5 Prozent

Kia Motors

Die neuen Modelle des schnell wachsenden Automobilherstellers gewinnen derzeit alle Qualitätstests.
Börsenwert in Millionen Euro: 202557
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,9
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Novo Nordisk

Der dänische Pharma-Konzern ist bei Diabetes-Medikamenten mit einem Anteil von über 51 Prozent weltweit Marktführer.
Börsenwert in Millionen Euro: 67311
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,4
Dividendenrendite: 1,6 Prozent

Millicom Cellular

Das Mobilfunkunternehmen aus Luxemburg hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt, indem es preisgünstige Handy-Einsteiger-Tarife in Schwellenländern verkauft.
Börsenwert in Millionen Euro: 7195
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,6

Dividendenrendite: 2,9 Prozent

Salesforce.com

Das Software-Unternehmen profitiert mit seiner Miet-Software vom weltweiten Trend zum Cloud Computing. Das Geschäft gilt als krisensicher.
Börsenwert in Millionen Euro: 16508
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 76,4
Dividendenrendite: keine

Shire

Der britische Pharma-Konzern hat zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gebracht. Seine Aktien sind nicht hoch bewertet.
Börsenwert in Millionen Euro: 13305
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14
Dividendenrendite: 0,5 Prozent

Vodafone

Das Unternehmen ist besonders stark in Afrika. Sein Umsatz nimmt leicht zu.
Börsenwert in Millionen Euro: 106910
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 10,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Williams Partners LP

Der Öl-Konzern profitiert von der Steuergesetzgebung in den USA und kann ein sehr hohes Umsatzwachstum vorweisen.
Börsenwert in Millionen Euro: 14171
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Häufig wird jedoch wenige Tage danach die Bewegung gekontert, die Märkte sind dann aufgrund der überaus negativen Stimmung frei für einen neuen Bullenmarkt. "Unser Time Differential Index, der den Unterschied zwischen kurzfristiger Stimmung und mittelfristiger Markterwartung misst, ist nur noch wenige Punkte von einem solchen Kaufsignal entfernt."

Schon jetzt könnten Anleger darüber nachdenken, Positionen aus- oder aufzubauen und unterbewertete Substanzwerte einsammeln. Wann das von vielen Börsianern wahrscheinlich sehnlichst erwartete Kaufsignal kommt, darüber mag Hussy keine Prognose abgeben. Er warnt allerdings wie bereits im Oktober: "Die Konsolidierung endet unschön."

Die Sentix GmbH ist der führende Anbieter von Stimmungsindikatoren und Sentimentanalysen in Europa. Mehr als 3.500 Investoren beteiligen sich wöchentlich an den Umfragen, die einen umfassenden und zeitnahen Einblick in die Psychologie der Börse gewährt. Das sentix Marktradar durchleuchtet Woche für Woche, welche Sentimententwicklungen für die Märkte relevant sind. Erfahren Sie mehr unter: www.sentix.de

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