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12.06.2012

09:39 Uhr

Sentix Marktradar

Erholung ja, Entwarnung nein

VonJessica Schwarzer

Grüne Vorzeichen an der Frankfurter Börse. Der Dax setzt zur Erholung an, mehr aber auch nicht. Für eine Entwarnung ist es noch zu früh, das zeigt der Sentix Marktradar. Der nächste Kursrutsch droht.

Ein Händler an der Frankfurter Börse. AFP

Ein Händler an der Frankfurter Börse.

DüsseldorfEntspannt sich die Lage an der Börse? Nachdem nun auch Spanien unter den Rettungsschirm schlüpft, hat das deutsche Standardwerte-Barometer Dax Boden gut gemacht. Schon die ersten Gerüchte aus Madrid reichten und die Aktien kletterten. Für Manfred Hübner ist das keine Überraschung. „Die Zeit für eine technische Korrektur war reif, das haben unsere Daten in den vergangenen Wochen bereits gezeigt“, sagt der Experte von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Entwarnung kann Hübner allerdings noch nicht geben: „Unsere Daten zeigen ganz klar, dass wir derzeit nur eine kurzfristige Gegenbewegung erleben.“ Er rechnet zwar damit, dass der Dax noch bis auf 6.400 Punkte steigen wird, dann dürfte aber erst mal Schluss sein mit der guten Stimmung an der Börse. „Bedenklich bleibt der Trend in den mittelfristigen Erwartungen – in Verbindung mit den eingetrübten Konjunkturerwartungen bleibt da wenig Raum für Optimismus“, so Hübner. Deshalb sehen der Sentix-Experte und Team nach der Analyse der wöchentlichen Umfrage auch „nur“ eine technische Korrektur.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Das liest Hübner vor allem aus der mittelfristigen Stimmung – in der Fachsprache mittelfristiges Sentiment genannt – der Anleger ab. Sie läuft dem Markt in der Regel einige Wochen voraus und hat somit Prognosecharakter. Nicht nur bei deutschen Aktien sind die Investoren skeptisch, auch für die europäische Gemeinschaftswährung sehen sie schwarz. In der jüngsten Umfrage ist das mittelfristige Sentiment für den Euro sogar gefallen, liegt fast wieder auf Jahrestief. Und das obwohl der Ruf Spaniens nach dem Rettungsschirm in der vergangenen Woche bereits abzusehen war. „Die Anleger haben das nicht goutiert“, so Hübner. „Im Gegenteil, sie sind sogar noch pessimistischer geworden.“

Scheinbar wurden die absehbaren Hilfen für Spanien nicht als echte Rettung gewertet. Den Aktienmarkt mögen sie kurzfristig beflügelt haben, so der Experte, „das Vertrauen in den Euro untergraben sie weiter.“ Der Euro bleibt also angeschlagen. Aktuell laufe ähnlich wie an den Aktienmärkten eine technische Erholung, die aber unterhalb der 1,30 auslaufen dürfte. „Wir gehen unverändert von einem Test der 1,20 in den kommenden Wochen aus“, sagt der Sentix-Experte.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Zu dieser Stimmungslage passt auch, dass Gold in der Gunst der Befragten steigt. „Endlich, mag man als Gold-Bulle und als Kritiker der derzeitigen Euro-Rettungsorgien ausrufen“, kommentiert Hübner. „Die mittelfristigen Erwartungswerte für das gelbe Edelmetall ziehen an.“ Das sei eine wichtige Voraussetzung für wieder steigende Notierungen ist damit gegeben. „Gold ist als sicherer Hafen zurück auf der Agenda der Anleger“, so Hübner.

Die jüngste Umfrage lasse nur eine Interpretation zu: Solange die Politik keine klaren Signale sende und keinen endgültigen Fahrplan für Lösung der Euro-Krise biete, bleibe die Lage an den Märkten angespannt. „Die Märkte werden weiter Stress machen“, resümiert Hübner.

Die Sentix GmbH ist der führende Anbieter von Stimmungsindikatoren und Sentimentanalysen in Europa. Mehr als 3.500 Investoren beteiligen sich wöchentlich an den Umfragen, die einen umfassenden und zeitnahen Einblick in die Psychologie der Börse gewährt. Das sentix Marktradar durchleuchtet Woche für Woche, welche Sentimententwicklungen für die Märkte relevant sind. Erfahren Sie mehr unter http://www.sentix.de

Kommentare (1)

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Unsinn

12.06.2012, 10:27 Uhr

Gestern am Hochpunkt eröffnet und am Tagestief geschlossen - da von einer Erholung zu sprechen weil der Dax gerade mal 10 Punkte im Plus steht ist doch nicht ernst gemeint, oder??

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