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31.07.2012

07:31 Uhr

Sentix Marktradar

Es braut sich etwas zusammen

VonJessica Schwarzer

Beeindruckende 400 Punkte hat der Dax binnen weniger Tage zugelegt, doch die Stimmung der Anleger wird immer schlechter. Aber genau das macht Hoffnung auf nachhaltig steigende Kurse.

Eine chemische Reaktion in einem Reagenzglas: Auch die Stimmung an den Märkten ist nicht ungefährlich. ap

Eine chemische Reaktion in einem Reagenzglas: Auch die Stimmung an den Märkten ist nicht ungefährlich.

DüsseldorfEin sattes Kursplus haben die deutschen Standardwerte in den vergangenen Tagen eingefahren. Vor allem die klaren Worte von Mario Draghi ließen die Notierungen in die Höhe schießen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte angekündigt, dass die EZB während seiner Amtszeit alles Erforderliche tun werde, um den Euro zu erhalten. Die Börsen goutierten das mit einer kleinen Rally. Doch die Stimmung der Anleger bleibt schlecht, sie ist im Vergleich zur Vorwoche sogar noch schlechter geworden. „Das ist erstaunlich“, sagt Patrick Hussy von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Die technischen Kaufsignale werden scheinbar ignoriert. Auch Kursgewinne im Depot sorgen nicht für gute Laune. Genau das Gegenteil ist der Fall. „Draghi hat deutliche Worte gefunden, der Markt hat ein deutliches Zeichen gesetzt, doch das ist bei den Anlegern nicht angekommen“, analysiert Hussy. Die mittelfristigen Erwartungen der Investoren sind weiter gefallen. Kein gutes Zeichen, denn sie sind in der Regel ein Indikator für die Kursentwicklung in den kommenden Wochen.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Da hilft es auch nichts, dass die kurzfristige Stimmung ganz leicht angestiegen ist. Denn damit spiegelt sie keinesfalls die jüngste Entwicklung an den Märkten wieder. Der Sentix-Experte findet deutliche Worte: „Das ist abermals eine Ohrfeige für die Politik und vor allem für die Notenbanken.“ Allen Hilfsmaßnahmen und Ankündigungen zum Trotz glauben die Anleger nicht an eine nachhaltige Lösung der europäischen Schuldenkrise.

Kommentare (16)

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Pseudowissenschaft

31.07.2012, 08:17 Uhr

Die Stimmung ist schlecht. Das ist gut für die Aktien. Oder schlecht. Je nachdem. Oder auch nicht.

Nutzloser als Sentix ist nur Chartanalyse gefolgt von Astrologie.

Account gelöscht!

31.07.2012, 08:59 Uhr

Der Währungskrieg zwischen den USA und Europa ist in vollem Gange.

Geithner war hier und hat mit Draghi, Hollande und Monti Entscheidungen gegen Deutschland gefällt.

Draghi und Monti sind "Bilderberger" und engste Kollegen von Goldman Sachs.

http://zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/848-monti-draghi-papademos-wessen-interesse-vertreten-die-technokraten.html

Account gelöscht!

31.07.2012, 09:48 Uhr

Und da die USA, ohne Rücksicht auf die längerfristig daraus entstehenden Folgen, Dollar druckt bis der Arzt kommt, sind sie gegenwärtig monetär im Vorteil dem Euroraum gegenüber. Hier wird durch die von Deutschland geforderten Sparzwänge eine vielleicht notwendige aber eben auch sehr schmerzvolle Wertberichtigung vollzogen. Erschwerend kommt hinzu dass die USA durch ihre höheren finanziellen Mittel (inflationäre Wirkung kommt immer erst sehr viel später), die Krise (auch an den Börsen) noch verschärfen.

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