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19.03.2013

11:09 Uhr

Sentix Marktradar

Gefährliche Sorglosigkeit an den Märkten

VonJessica Schwarzer

Die Euro-Krise ist zurück. Mit dem Gerangel um das Rettungspaket für Zypern rückt sie wieder in den Fokus der Anleger. Trotzdem ist die Stimmung an den Märkten noch immer sehr gut – und das ist gefährlich.

Bulle und Bär vor der Kurstafel an der Frankfurter Börse dpa

Bulle und Bär vor der Kurstafel an der Frankfurter Börse

DüsseldorfEuro-Krise hin, Zypern-Rettung her, so leicht lassen die Börsianer sich derzeit nicht die Laune verderben. Das lässt sich an den Kurstafeln der großen Marktplätze ablesen. Viele Indizes notieren noch immer nahe ihrer Rekordhochs. „Diese Sorglosigkeit ist nicht ungefährlich“, sagt Patrick Hussy von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 4.000 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Auch wenn die Stimmung in der vergangenen Woche einen kleinen Dämpfer bekommen hat, sind die Anleger mit Blick auf die kommenden Wochen sehr optimistisch für deutsche Aktien gestimmt.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Die mittelfristigen Markterwartungen sind allerdings gefallen. Ein Warnsignal für den Experten: „Mit drei Rücksetzern in Folge ist eine Serie entstanden, die wir ernst nehmen müssen“, sagt Hussy. Damit steige die Bereitschaft, Gewinne mitzunehmen weiter an. „Auffällig ist die Dissonanz zur Kursentwicklung“, ergänzt er.

Pünktlich zum Future-Verfall gab es eine Zäsur:. „Der Future-Verfall hatte es schon immer in sich. Der Aktienmarkt wird spätestens zur Wochenmitte in die nächste Konsolidierungsrunde geschickt“, ist Hussy überzeugt. Einen kleinen Vorgeschmack darauf bekamen Anleger schon zum Wochenauftakt, also nach der Sentix-Umfrage.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Besonders Bankwerte geraten im Zuge der Euro-Krise immer wieder ins Visier der Anleger. Die Stimmung schwankt extrem, wie der Sentix Marktradar zeigt. Noch im Januar herrscht Jubelstimmung bei den befragten Investoren. Es folgten gleich zwei empfindliche Dämpfer. Während Sentix die Gefühlslage mit Blick auf den Gesamtmarkt wöchentlich abfragt, wird das Branchen-Sentiment nur monatlich erhoben.

Kommentare (5)

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Ameise

19.03.2013, 11:40 Uhr

Die Märkte müssen volatil sein. Dann lässt sich am einfachsten und schnellsten Geld verdienen. Immer schön panisch rauf und runter, so wie in den letzten Jahren. Dann verdienen alle: Trader, Banken und Börsenbetreiber. Dumm nur, das ein Großteil der Märkte das Spiel nun langsam kennt und sich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen lässt. "Da geht doch noch was," meint die Presse und versucht weiter Panik zu verbreiten. Immer schön rauf und runter, rauf und runter...Niemand kann ununterbrochen Angst und Panik empfingen, ein Gewöhnungseffekt tritt ein..

EU_Endspiel_2013

19.03.2013, 12:33 Uhr

Keine Angst, das Armageddon wird kommen - totsicher!!!
Die komplette EU ist Megapleite, ein Sinn in der Gemeinschaft ist absolut nicht mehr vorhanden - es wird zerfallen ,noch in diesem Jahr. Die Eurogegnerparteien werden die neuen regierungen stellen und alles kippen!

Frop

19.03.2013, 12:35 Uhr

Die Rundfunkgebühr in Deutschland ist höher als die benötigten Milliarden in Zypern. Also Ball flachhalten.

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