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15.04.2013

13:49 Uhr

Sentix Marktradar

Goldpreissturz lässt Schnäppchenjäger kalt

VonKatharina Schneider

So billig war Gold schon lange nicht mehr. Trotzdem lassen Anleger lieber die Finger davon. Das dürfte vorerst auch so bleiben, glauben Marktexperten. Der Aktienmarkt ist von der Skepsis kaum betroffen - noch.

Goldpreis lässt Anleger noch kalt. dpa

Goldpreis lässt Anleger noch kalt.

DüsseldorfDer Preis für eine Feinunze Gold ist am Montag zwischenzeitlich unter 1.400 Dollar gerutscht. Trotzdem sind Anleger noch nicht zum Kaufen motiviert. Und daran dürfte sich vorerst auch nichts ändern. Es gibt kein Signal für eine schnelle Wiederbelebung, so die Analyse der Marktexperten von Sentix.

„Trotz des niedrigen Preisniveaus zeichnet sich keine gesteigerte Kaufbereitschaft bei den Anlegern ab“, sagt Sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy. Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 4.000 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Schon am Freitag war der Goldpreis in wenigen Stunden um 4,3 Prozent eingebrochen. In die aktuelle Befragung ging dies teilweise auch schon ein. „Für die Wertung der Umfrageergebnisse spielt das allerdings gar keine große Rolle, denn die Entwicklung der vergangenen Woche lässt bereits die gleichen Schlussfolgerungen zu“, erklärt Hussy.

Seit vergangenem Freitag ist der Goldpreis um zehn Prozent gefallen. Das ist der größte Kursrutsch seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Der Markt rätselt indessen über den Auslöser. Ursache für den Absturz könnten unter anderem Nachrichten aus Zypern sein. Das Land könnte sich zur Deckung seines erhöhten Geldbedarfs von einem Teil seiner Goldreserven trennen.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Das wäre eine neue Strategie, denn zuletzt hatten die Notenbanken ihre Goldbestände stets aufgestockt. Die zyprische Notenbank verwaltet laut Angaben des World Gold Council Goldbestände im Umfang von 13,9 Tonnen. Ein weiterer Grund könnte die leicht gestärkte US-Konjunktur sein, die Anlegern Hoffnung auf ein Ende der Finanzkrise macht.

Kommentare (7)

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Kleinfeldt

15.04.2013, 14:44 Uhr

Das passiert in den nächsten Tagen auch mit Aktien. Die Fed fängt an die Geldmenge vom Markt zu nehmen. Der Aktiencrash naht.

WFriedrich

15.04.2013, 14:48 Uhr

Schnäppchenjäger werden Goldpreis nicht signifikant bewegen zu können. Diese Kraft besaßen nur Wenige, darunter Notenbanken. Inzwischen verfügen viele Notenbanken nicht mehr über die Fähigkeit zum wirksamen intervenieren. Einigen steht das Wasser soweit am Halse, dass eher mit weiteren Notverkäufen zu rechnen ist. Betroffen wird dadurch wohl am härtesten der Dollar; er könnte zur "Leitwährung auf Abruf" werden. Fakt ist, dass dessen Hüter außerstande sind, das volkswirtschaftlich verheerende Fiat-Money-Image mittels Rückbesinnung auf die Stabilität zu überwinden, die durch Breton-Wood leichtfertig und folgenreich preisgegeben worden war. So werden sie nun ohnmächtige Zuschauer sein, wenn der Goldpreis weiter fällt und dem strategischen Wettbewerb faktisch in den Schoß fällt. Die gebotene Rückbesinnung auf die Stabilität vor Breton-Wood ist unfinanzierbar. So wird man - gegen bessere Grundüberzeugungen - die Bedeutung vollständiger oder teilweiser Golddeckung herunter reden müssen, obwohl sich dadurch die Kaufgelegenheiten für die Konkurrenz noch weiter verbessern werden. Diese potenten Interessenten werden ihre Währung auf diesem Wege zukunftsfähig machen. Erster Gewinner könnte der Yuan sein. Sollte ein strategisches Interesse hinter dem jüngsten Goldpreisverfall stehen, so könnte der Zeitpunkt nicht besser gewählt worden sein.

KauftGold

15.04.2013, 14:49 Uhr

Mal wieder Anti-Gold Propaganda..... lächerlich.
Nur dumme Menschen glauben das....
Ein Beispiel :
Westgold von einer Kaufwelle überrannt: Tagesbericht

Die Edelmetallhandelsfirma Westgold (www.westgold.de) wird am Freitag und über das Wochenende von einer Kaufwelle überrannt. Die Zahl der Kaufaufträge liegt um etwa 500 % über dem Durchschnitt der letzten Monate.

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