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29.10.2012

14:27 Uhr

Sentix Marktradar

Heftige Turbulenzen erwartet

VonJessica Schwarzer

Droht ein empfindlicher Kursrücksetzer? Glaubt man den Experten des Analysehauses Sentix, dann stehen Börsianer ein paar hektische Handelstage bevor.  Ein Grund zur Sorge ist das aber nicht.

Die schwankende Kurve des Deutschen Aktienindex dpa

Die schwankende Kurve des Deutschen Aktienindex

DüsseldorfSeit Wochen pendelt der Dax zwischen 7.200 und 7.500 Punkten hin und her. Mal sieht es nach dem Ausbruch nach oben aus, dann folgt wieder ein empfindlicher Rücksetzer.  Vielen Anlegern dürfte das derzeit einiges an Kopfzerbrechen bereiten. „Grundsätzlich ist die Stimmung der Investoren zwar noch immer positiv, doch die Konsolidierung sorgt für steigende Irritationen“, sagt Manfred Hübner von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 3.500 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Hatten die Anleger noch vor wenigen Wochen nur gezweifelt, sind sie mittlerweile regelrecht verwirrt. Einerseits halte sich die Grundüberzeugung, dass die Maßnahmen der Notenbanken positiv für die Aktienmärkte seien. Schließlich versorgen die Währungshüter die Märkte großzügig mit Liquidität und auch die Inflationssorgen nehmen ab.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Anderseits sorgen die zuletzt schwachen Konjunkturdaten, die Korrektur der Technologieaktien und natürlich die Fragezeichen in Sachen Euro-Krise für Irritationen. „Zweifel sind an der Börse meist positiv zu werten, Irritationen nur bedingt“, analysiert Sentix-Experte Hübner. „Denn Irritationen sind ein Vorbote für künftige Volatilität.“ Es könnte also noch mal ungemütlich werden an den Märkten.

Abzulesen ist das an den Neutralitätswerten, die in der aktuellen Umfrage für fast alle Anlageklassen wieder gestiegen sind.  „Wir sollten deshalb in den kommenden Wochen mit einer erhöhten Schwankungsbreite an den Märkten rechnen, die die relative Ruhe der vergangenen Wochen ablösen dürfte“, so Hübner. Mit massiven Abstürzen rechnet er aber nicht, denn „Volatilität ist prinzipiell richtungslos“.

Aktien für Langfrist-Anleger

AmBev

Guter Schutz gegen die Euro-Krise bietet die Brauerei aus Brasilien. Sie wächst vor allem in den Schwellenländern, ist aber weltweit präsent und nahezu schuldenfrei.
Börsenwert in Millionen Euro: 81674
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,7
Dividendenrendite: 0,9 Prozent.

Apple

Trotz der imposanten Rally ist die Aktie nicht teuer. Gewinn und Umsatz wachsen gar schneller als der Börsenwert.
Börsenwert in Millionen Euro: 428190
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,5

Dividendenrendite: 1,6 Prozent.

Baidu

Der Konzern verliert zwar Marktanteile, wächst aber insgesamt nach wie vor rasant im chinesischen Internet-Markt. Die Aktien sind günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 29197
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,8
Dividendenrendite: keine

British American Tobacco

Der Tabakkonzern aus Großbritannien kann trotz der immer strenger werdenden Gesetze jedes Jahr Umsatz, Gewinn und Dividende steigern. Besonders stark ist das Unternehmen in den asiatischen Schwellenländern.
Börsenwert in Millionen Euro: 75886
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 13,8
Dividendenrendite: 4,6 Prozent

CF Industries

Der hochprofitable und dividendenstarke US-Düngemittelkonzern profitiert vom steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit.
Börsenwert in Millionen Euro: 11021
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,8
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Deckers Outdoor

Ein Ende der jahrelangen Wachstumsstory ist noch immer nicht absehbar. Die Aktie ist günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 1300
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,5
Dividendenrendite: keine

Elekta

Der Medizintechniker ist besonders stark in der Krebs-Medizin, einem wachsenden Zweig.
Börsenwert in Millionen Euro: 3671
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 18,4

Dividendenrendite: 1,5 Prozent

Kia Motors

Die neuen Modelle des schnell wachsenden Automobilherstellers gewinnen derzeit alle Qualitätstests.
Börsenwert in Millionen Euro: 202557
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,9
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Novo Nordisk

Der dänische Pharma-Konzern ist bei Diabetes-Medikamenten mit einem Anteil von über 51 Prozent weltweit Marktführer.
Börsenwert in Millionen Euro: 67311
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,4
Dividendenrendite: 1,6 Prozent

Millicom Cellular

Das Mobilfunkunternehmen aus Luxemburg hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt, indem es preisgünstige Handy-Einsteiger-Tarife in Schwellenländern verkauft.
Börsenwert in Millionen Euro: 7195
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,6

Dividendenrendite: 2,9 Prozent

Salesforce.com

Das Software-Unternehmen profitiert mit seiner Miet-Software vom weltweiten Trend zum Cloud Computing. Das Geschäft gilt als krisensicher.
Börsenwert in Millionen Euro: 16508
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 76,4
Dividendenrendite: keine

Shire

Der britische Pharma-Konzern hat zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gebracht. Seine Aktien sind nicht hoch bewertet.
Börsenwert in Millionen Euro: 13305
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14
Dividendenrendite: 0,5 Prozent

Vodafone

Das Unternehmen ist besonders stark in Afrika. Sein Umsatz nimmt leicht zu.
Börsenwert in Millionen Euro: 106910
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 10,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Williams Partners LP

Der Öl-Konzern profitiert von der Steuergesetzgebung in den USA und kann ein sehr hohes Umsatzwachstum vorweisen.
Börsenwert in Millionen Euro: 14171
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Trotzdem könnte es – zumindest für ein paar Tage – turbulent werden. Der Grund: Viele Anleger haben der Konsolidierung in den vergangenen Wochen relativ tatenlos zugesehen, wie die Sentix-Daten zeigen. Allen Zweifeln und Irritationen zum Trotz haben sie ihre Portfolios nicht angepasst. „Normalerweise nehmen Investoren in einer Konsolidierung Gewinne mit, das ist dieses Mal nicht geschehen, noch nicht“, so Hübner. „Und deshalb könnte die Endphase der Konsolidierung ungemütlicher werden als zuletzt gedacht.“ Das sei aber kein Anlass zur Sorge, sondern ein relativ normaler Prozess.

Grundsätzlich sieht die Lage nämlich gar nicht so düster aus. „Die Volatilität mag zwar zu einer schärferen, kurzfristigen Korrektur führen“, sagt der Experte. Das Gesamtszenario sei damit aber keinesfalls in Frage gestellt. „Das Grundvertrauen der Anleger in die Märkte, dass seit Sommer kontinuierlich angestiegen ist, ist nach wie vor hoch.“ Dieser sogenannte strategische Bias zeigt die mittelfristigen Markterwartungen der Investoren und signalisiert die grundsätzliche Kauf- und Verkaufsbereitschaft. In der Regel läuft der Indikator dem Gesamtmarkt oft mehrere Wochen voraus.

 

Die Sentix GmbH ist der führende Anbieter von Stimmungsindikatoren und Sentimentanalysen in Europa. Mehr als 3.500 Investoren beteiligen sich wöchentlich an den Umfragen, die einen umfassenden und zeitnahen Einblick in die Psychologie der Börse gewährt. Das sentix Marktradar durchleuchtet Woche für Woche, welche Sentimententwicklungen für die Märkte relevant sind. Erfahren Sie mehr unter:  http://www.sentix.de

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