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03.07.2012

12:08 Uhr

Sentix Marktradar

Ist die Mini-Rally nur ein Strohfeuer?

VonJessica Schwarzer

Mit den Kursgewinnen an der Börse steigt die Stimmung – zumindest kurzfristig. Doch mittelfristig bleiben die Anleger skeptisch. Die Beschlüsse des EU-Gipfels ändern daran nichts, das Vertrauen in den Euro sinkt sogar.

Die Kurve des Deutschen Aktienindex: Dem Dax stehen heftige Kursschwankungen bevor. dapd

Die Kurve des Deutschen Aktienindex: Dem Dax stehen heftige Kursschwankungen bevor.

DüsseldorfDie imposante Kursrally zum Ausklang der vergangenen Woche hat die kurzfristige Stimmung der Anleger aufgehellt, das zeigt die wöchentliche Umfrage des Analysehauses Sentix. „Mit den EU-Beschlüssen in Brüssel und der zügigen Zustimmung von Bundestag und Bundesrat könnte man meinen, dass nun Ruhe und Zuversicht an den Märkten einkehrt“, sagt Sentix-Experte Patrick Hussy.  Doch so weit ist es noch längst nicht. Denn mittelfristig sind die Investoren, ob private oder institutionelle, noch immer skeptisch.

Das besondere an der aktuellen Umfrage: Die Hälfte der privaten Anleger wurde bereits befragt, bevor die Gipfel-Beschlüsse über die Nachrichtenagenturen liefen. Bei ihnen war die kurzfristige Stimmung noch etwas verhaltener. Die später Befragten – also die andere Hälfte der Privaten und alle Institutionellen – waren besser gestimmt. „Klar, wenn die Kurse an den Börsen steigen wie am vergangenen Freitag, dann hebt das natürlich die Stimmung“, sagt Hussy.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Aber eben nur kurzfristig, denn mittelfristig sieht das Bild anders aus. Hussy spricht von „Ernüchterung“. Sowohl vor als auch nach der Bekanntgabe der Beschlüsse sind die Anleger für die Aktienmärkte auf Sicht von einigen Wochen eher pessimistisch gestimmt – und zwar für Europa ebenso wie für die USA, China oder Japan. „Damit ist die Gefahr latent vorhanden, dass der Jubelschrei an den Börsen vom vergangenen Freitag nur ein Strohfeuer war“, analysiert Hussy. „Es sieht so aus, als halten die Marktteilnehmer die politischen Lösungen der vergangenen Woche für nicht tragfähig.“ Ein treffsicherer Krisenseismograph ist der Euro. Auch in dieser Woche sieht es für die Gemeinschaftswährung nicht gut aus. In beiden Anlegergruppen messen die Sentix-Experten einen weiteren Vertrauensverlust. „Der Index fällt auf eine neues 52-Wochentief, was für die Politik eine herbe Ohrfeige darstellt“, so Hussy.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

03.07.2012, 12:30 Uhr

Das war nichts weitere als dass ein paar Scheinheilige in einer katastrophalen Lage die sie selbst mitverbockt haben, mit Clownsmasken aufgetreten sind wie beim Kindergeburtstag um zu sagen "Hihihoho alles ist gut"!

Erinnert mich alles an Göbbels in seiner letzten Radioansage um die Leute noch immer für dumm verkaufen zu wollen...der Sieg ist unser und wir packen das blablabla....im Hintergrund gingen Bomben der sowjets schon runter.

Ich hoffe die Prozesse werden dieses mal vom Volk ausgetragen.

Incommunicado

03.07.2012, 13:08 Uhr

Ich verfolge schon seit längerem die Nachrichten im Handelsblatt und auch Ihre Kommentare sind mir schon aufgefallen. Ich möchte niemandem seine eigene Meinung absprechen, so skuril und widersinnig sie auch sein mag, aber die Anleger und den Börsenhandel mit Nazis und den Grausamkeiten des 2. Weltkrieges in Verbindung zu setzen ist einfach nur abstossend. Wer so einen zynischen Unsinn von sich gibt, zeigt nur, wie wenig intellektuellen Tiefgang er in seine Meinungsäusserung investiert.

Account gelöscht!

03.07.2012, 14:59 Uhr

Ein völlig nutzloser Indikator. Zeigt prozyklisch die Marktstimmung an.

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