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14.08.2012

10:23 Uhr

Sentix Marktradar

„Jetzt ist nicht die Zeit für riskante Aktienkäufe"

VonJessica Schwarzer

Die deutschen Standardaktien kennen seit einigen Wochen scheinbar nur eine Richtung - die nach oben. Doch was wie ein stabiler Aufwärtstrend wirkt, birgt erhebliche Risiken. Das Umfeld sei instabil, sagen Experten.

Skeptischer Blick: Wie lange läuft die Rally noch? dpa

Skeptischer Blick: Wie lange läuft die Rally noch?

DüsseldorfGut 1.000 Punkte hat der Dax seit Anfang Juni zugelegt. Eine beeindruckende Sommer-Rally, die an die Kursgewinne vom Jahresanfang erinnert. Mit dem Kursanstieg hat sich jedoch die Stimmung der Anleger nur relativ wenig aufgehellt. „Echte Aufbruchstimmung sieht aber anders aus“, sagt Manfred Hübner von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Die Daten zu den Aktienmärkten hätten sich zwar in den vergangenen drei Wochen verbessert, doch die Anleger seien noch immer sehr vorsichtig. „Eine gewisse Kaufbereitschaft hat sich inzwischen eingestellt, allerdings zeigt die Umfrage auch, dass die Portfolios mehr oder weniger neutral aufgestellt sind“, so Hübner. Die Aktienquoten sind also in den vergangenen Wochen kaum angestiegen, gleiches gilt für die Risikoneigung der Investoren.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Der positive Trend an den Märkten reißt sie nicht mit. Dieses Phänomen beobachten die Sentix-Experten schon länger. „Die Anleger sind verunsichert, es fällt ihnen schwer, die Märkte einzuschätzen“, erklärt Hübner. Seit EZB-Präsident Mario Draghi im Dezember die Märkte überraschend mit Geld geflutet hätte, falle den Anlegern die traditionelle Bewertung des Aktienmarktes immer schwerer. „Offensichtlich stören die willkürlichen Notenbanken-Maßnahmen das Wertegefühl der Investoren“, analysiert Hübner.

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Das Lager der Investoren sei zweigeteilt. „Während es die Einen fast schon aufgegeben haben, aktive Strategien zu verfolgen, sind die Anderen nur noch prozyklisch unterwegs – und das mit relativ geringen Mitteln, wie man am niedrigen Handelsvolumen ablesen kann“, analysiert der Sentix-Experte. Die Folge: Der Dax steigt, auch wenn die Anleger von diesem Anstieg nicht wirklich überzeugt sind.

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