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04.04.2011

12:24 Uhr

Sentix Marktradar

Optimismus der Investoren erhält einen Dämpfer

VonManfred Hübner

Die diversen globalen Krisen zeigen bei den Anlegern Wirkung. Kurzfristig ist die Stimmung zwar noch gut, doch die längerfristigen Erwartungen trüben sich ein. Dies gilt vor allem für Japan

Erdbebenschäden im japanischen Rikuzentakata. Die Katastrophe zeigt bei Investoren Wirkung. Quelle: dapd

Erdbebenschäden im japanischen Rikuzentakata. Die Katastrophe zeigt bei Investoren Wirkung.

FrankfurtDer Monat März war in vielerlei Hinsicht ein ereignisreicher Monat. Dabei war die Naturkatastrophe in Japan und die nachfolgende atomare Katastrophe in den Kernreaktoren von Fukushima sicher die prägendste und folgenreichste Erfahrung. Umso interessanter ist damit der Blick auf die neuesten Konjunktureinschätzungen der Anleger, die erstmals für alle Weltregionen eine Bewertung aus Anlegersicht reflektieren.

Erstaunlich gelassen reagieren die Anleger bislang auf den Cocktail aus Japan-Problemen, steigenden Rohstoffpreisen und politischen Verschiebungen (Euro-Frage, Atomausstieg). Der sentix Konjunkturindex für Euroland fällt moderat um knapp drei Punkte zurück, bleibt damit aber noch immer über dem Stand vom Januar 2011. Also vordergründig keine große Veränderung. Doch bei genauer Betrachtung fällt auf, dass die Erwartungswerte erstmals seit längerer Zeit einen spürbaren Dämpfer erhalten und mit nur noch +3,5 Punkten signalisieren, dass wir einen Zenit in der Konjunktur durchschreiten. Dies trifft nicht nur auf die Euroland-Konjunktur zu, sondern zeigt sich auch in den Deutschland-Daten des sentix Konjunkturindex.

Eine wesentliche Ursache dürfte diese Abschwächung der Erwartungswerte in den steigenden Ölpreisen haben. Der Preisanstieg verfestigt sich und dämpft damit die Konjunktur über steigenden Kosten und Besteuerung des Konsumenten an der Zapfsäule. Aber auch die absehbare Änderung in der Geldpolitik stellt einen Belastungsfaktor für die Konjunktur dar. Das Gemisch aus steigender Inflation (auch wegen Ölpreisen) und Straffung der Geldpolitik nährt bei den Anlegern die Erwartung auf weiter steigende Zinsen, was erfahrungsgemäß mit etwas Verzögerung auch die Konjunktur dämpfen dürfte. Schließlich stellt die anhaltende Unsicherheit über die Euro-Schuldenkrise einen Belastungsfaktor dar.

Eine weitere Ursache für eine etwas skeptischere Konjunkturhaltung der Anleger scheint auch die Entwicklung in Japan zu haben. Die Daten des sentix Konjunkturindex Japan belegen, dass die japanische Konjunktur durch die Ereignisse in eine Rezession abgeglitten ist. Während so manche Volkswirte in der letzten Woche mit Blick auf den Tankan-Index noch von „fehlender Panik bei den Unternehmen“ gesprochen haben, übersehen sie damit den nachlaufenden Effekt dieses Index. Die frühere Indikation liefern die sentix Indizes, welche nahezu in Realtime auch für Japan einen „first mover advantage“ aufweisen.

Die ohnehin katastrophal schlechten Lagewerte von -26,5 (nach +4,75) werden von negativen Erwartungswerten begleitet, was nichts anderes bedeutet, als dass die japanische Wirtschaft wohl noch einige Zeit mit einer negativen Konjunkturdynamik konfrontiert sein dürfte. Doch bislang schätzen die Anleger nur Japan als so schwache Wirtschaftsregion ein. Die globalen Wirkungen werden noch als begrenzt eingeschätzt, was sich in einem sehr moderaten Rückgang des Global Aggregate Index von 20,4 auf 16,6 Punkten ausdrückt.

Dies hat zwei Ursachen: Zum einen ist die japanische Wirtschaft nur für ca. acht Prozent des Welt-BIP verantwortlich. Zum anderen gehen die Investoren davon aus, dass vor allem die asiatische Region einen Teil der derzeit nicht von Japan geleisteten Produktion übernehmen kann. So kommt es zu der scheinbar paradoxen Entwicklung, dass sich die Erwartungswerte für die asiatische Region ex Japan von 4,50 auf 8,25 erholen können.

Überhaupt trauen die Anleger den aufstrebenden Nationen unverändert einiges zu. Auch die entsprechenden sentix Indizes für Lateinamerika und Osteuropa können gegen den Trend in den etablierten Industrieregionen zulegen. In den letzten Monaten war die USA überraschenderweise Leader im globalen Konjunkturzug. Diese Führungsrolle ist den USA aber bereits wieder abhandengekommen. Die Daten des sentix Konjunkturindex USA zeigen vor allem bei den Erwartungen einen überdurchschnittlich starken Einbruch. Wie in diesem Umfeld die US Notenbank einen Ausstieg aus ihrem „quantitative easing“-Programm bewerkstelligen will, erscheint mehr denn je fragwürdig.

 

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