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30.04.2013

10:10 Uhr

Sentix Marktradar

Optimismus verdirbt die Kauflaune an der Börse

VonKatharina Schneider

Es klingt zuerst paradox, doch die positive Marktentwicklung der vergangenen Woche stimmt Marktprofis skeptisch. Je „bullisher“ die Anleger bereits sind, desto weniger Kaufchancen sehen die Experten.

Die Anleger sind wieder „bullisher“. dpa

Die Anleger sind wieder „bullisher“.

DüsseldorfDer Kursprung der vergangenen Woche hat die Anleger optimistisch werden lassen. Der Deutsche Aktienindex hatte knapp fünf Prozent zugelegt, das wirkte sich auch positiv auf die Überzeugungen der Anleger aus: „Viele sind wieder deutlich bullisher“, so die Analyse der Marktexperten von Sentix.

Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 4.000 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer. Der Markt stand zu Beginn der vergangenen Woche an der Klippe von 7.450 Punkten. „Wenn es an dieser Stelle weiter nach unten gegangen wäre, hätte das einen Ausverkauf ausgelöst“, sagt Patrick Hussy, Geschäftsführer von Sentix.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Doch nach dem jüngsten Kursanstieg sei die Angst erst einmal aus dem Markt raus – der Blutdruck der Anleger habe sich wieder beruhigt. Das klingt eigentlich positiv. Aber für die weitere Entwicklung an den Märkten ist das nur ein bedingt positives Signal: Die Investmentprofis sind bereits offensiv positioniert. Wenn schon alle gekauft haben, seien kaum noch potenzielle Käufer übrig, so Hussy. Es gebe also weniger Potenzial für steigende Kurse.

Der Marktexperte sieht günstige Kaufsituationen eher dann, wenn viele Marktteilnehmer pessimistisch sind. „Besonders großen Chancen können wir immer dann ausmachen, wenn Dissonanzen auftreten“, sagt Hussy. „Wenn beispielsweise das Grundvertrauen hoch ist, die Anleger aber trotzdem Angst vor dem Kaufen haben.“ Doch an solchen Signalen mangelt es aktuell.

Kommentare (5)

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Jackinthebox

30.04.2013, 10:46 Uhr

Also man bekommt den Eindruck als werde hier auch wieder unterstellt, dass die Liquiditätsschwemme bei den Banken irgend etwas mit der Liquidität der Privatanleger zu tun hätte. Wie deppert ist das? Nach meinen Erfahrungen mit Banken werde ich im Leben keinen Kredit mehr aufnehmen. Der Zug ist abgefahren, eine Entschuldigung habe ich bis heute nie erhalten! Soll'n se doch hingehen wo der Pfeffer wächst um ihr zuviel Geld bei zuwenig Eigenkapital zu verleihen!

Schlapp

30.04.2013, 10:49 Uhr

Für den Privatanleger gibt es kein billiges Geld der EZB, nur für die Finanzjongleure der Banken, Hedgefonds (als Kredite) u.a.. Er muss in aller Regel für das Geld, das er anlegt zuvor arbeiten. Also geht er auch sorgfältiger damit um. Wenn der Klimmzug über die 8.000 des Performance-Dax versucht wird, bildet sich ein schönes Doppel-Top als obere Wendeformation in technischer Hinsicht aus. Fundamental ist es, abgesehen von dem "billigen Geld" der EZB ohnehin in diesem Jahr finster. Und ob die wolkigen Versprechungen für 2014 kommen, wollen wir doch erst einmal sehen. Das haben wir schon 2012 für 2013 so gehört. Ein Stück kann man die Welle reiten, aber am Ende bricht sie.

lettaaufdiestulle

30.04.2013, 10:50 Uhr

Also die Stimmung ist gut und das ist schlecht! Erst wenn sie schlecht wäre, ist das gut...zumindest meistens, nicht immer! Das paradoxe ist ja, jeder macht sich selbst seinen Reim und das HB wird ja nicht müde, täglich ähnlich oder gleichlautende Artikel, mal in die eine Richtung, mal in die andere Richtung zu veröffentlichen und erfreut sich durch Schenkelklatschen, wie viele Volldeppen (mich eingeschlossen) doch immer wieder darauf reagieren. Davon lebt das HB, das wollen wir doch mal festhalten! Was steigt, kann fallen und was gefallen ist kann steigen, muß aber nicht. Kommt drauf an! Aber kurz vor dem Monat Mai können wir resümieren, Italien hat am Wochenende mit einer garadezu überrumpelnden Leichtigkeit eine Regierung zusammengestellt, die sicherlich so weitermacht, wie alle anderen vorher auch. Das "Letta-Programm" sieht ja auch vor, nix mehr sparen, sondern Ende der Enthalsamkeit. Da fällt für jeden wieder etwas ab. Grund für steigende Kurse, Sonnenschein etc. und der Rest der Welt findet das auch wieder ganz o.K. Man kommt endlich wieder voran...oder so...vielleicht ...hoffentlich...sell in may...and...Bitte jetzt Beifall für alle Akteure und Finanzakrobaten unter den Regierigen.

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