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20.06.2011

16:32 Uhr

Sentix Marktradar

Sorglosigkeit kommt vor dem Fall

VonPatrick Hussy
Quelle:http://www.sentix.de/

An den Finanzmärkten hat sich ein gefährliches Gemisch zusammengebraut. Noch haben das die Wenigsten begriffen. Aber die Lage erinnert sehr stark an das Jahr 2007 - bevor die Lehman-Pleite die Welt in die Krise stürzte.

Nachdenklicher Blick: Noch hat die Öffentlichkeit nicht begriffen, wie ernst die Lage ist. Quelle: dapd

Nachdenklicher Blick: Noch hat die Öffentlichkeit nicht begriffen, wie ernst die Lage ist.

FrankfurtStill und leise steigen die Ausfallversicherungen für erstklassige Bankanleihen auf ein Niveau an, das in Zeiten der Lehman-Krise erklommen wurde. Auch Staaten wie Spanien geraten unter Druck.

Das wichtige Renditeniveau von 5,50 Prozent bei zehnjährigen spanischen Staatspapieren wurde in der vergangenen Woche nach oben durchbrochen, was einem klaren technischen Verkaufssignal gleichkommt. Ähnliche Konstellationen gab es vor Monaten in Staatspapieren von Griechenland, Irland oder auch Portugal. Was danach kam, wissen wir nun alle.

Die Erholungsbewegung am Ende der vergangenen Woche reduzierte das Ausmaß, der Schaden im Chart ist dennoch vorhanden. Der spanische Aktienmarkt versuchte im gleichen Atemzug ebenfalls zu retten, was zu retten war. Immerhin konnte der Ibex die 10.000er Marke zum Wochenschluss zurückerobern, über den Berg ist das Kursmuster deshalb noch lange nicht. Wie sind diese Signale letztlich einzustufen?

Wie verschuldet ist Europa?

Griechenland

Staatsverschuldung: 152 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 7,4 % des BIP (2011); Rating: CCC (S&P), Caa1 (Moody's), B+ (Fitch)

Irland

Staatsverschuldung: 114 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 10,8 % des BIP (2011); Rating: BBB+ (S&P), Baa3 (Moody's), BBB+ (Fitch)

Portugal

Staatsverschuldung: 90,5 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 5,6 % des BIP (2011); Rating: BBB- (S&P), Baa1 (Moody's), BBB- (Fitch)

Spanien

Staatsverschuldung: 64 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 6,2 % des BIP (2011); Rating: AA (S&P), Aa2 (Moody's), AA+ (Fitch)

Italien

Staatsverschuldung: 120 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 4,3 % des BIP (2011); Rating: A+ (S&P), Aa2 (Moody's), AA- (Fitch)

Belgien

Staatsverschuldung: 97 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 3,9 % des BIP (2011); Rating: AA+ (S&P), Aa1 (Moody's), BB+ (Fitch)

Deutschland

Staatsverschuldung: 80 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 2,4 % des BIP (2011); Rating: AAA (S&P), Aaa (Moody's), AAA (Fitch)

Nach wie vor wollen viele Strategen von einer deutlichen Konjunkturabkühlung nichts wissen. Die Optimisten stützen sich in den letzten Wochen auf die These, dass China die Weltwirtschaft zu retten vermag. Die gemeldete Industrieproduktion sorgte am vergangenen Montag für einen Jubelschrei und nährte diese Hoffnung.

Wir möchten ungeachtet dessen vor einer weiteren Eintrübung warnen, die sich in unseren Konjunkturindizes für Asien ex Japan andeutet: Im Gegensatz zu den sentix-Indikationen hat der PMI für China bislang noch kein neues Verlaufs-Tief etabliert, aber die Veröffentlichung der Daten für den Juni stehen ja erst noch an (Anfang Juli).

Auch der chinesische Aktienmarkt verstärkt mit seinem Preisverhalten unserer Skepsis. Ein Vergleich zwischen den A-Shares (Inlandsinvestoren) und den B-Shares (Auslandsinvestoren) zeigt zudem, wie stark die QE-Liquidität die In- und Auslandsindizes auseinander getrieben hat. Vorher gab es einen eklatanten Gleichlauf, die Abkopplung scheint nur auf den Liquiditätsimpuls zu beruhen, nicht auf harte Fakten.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

20.06.2011, 17:23 Uhr

Der Unterschied: Heute sind Marktteilnehmer skeptisch, wissen um das Pulverfass und sind nicht so blauäugig wie vor 4 Jahren.

Account gelöscht!

20.06.2011, 17:24 Uhr

Der Unterschied: Heute sind die Marktteilnehmer skeptisch,
sie wissen, dass sie auf einem Pulverfass sitzen und sind längst nicht so blauäugig wie vor 4 Jahren.

POPPER

20.06.2011, 17:25 Uhr

Man darf eines nicht vergessen: Wir haben immer noch eine nicht überwundene Finanzkrise. Alle Versuche, diese zu einer Staaten- oder Schuldenkrise umzudefinieren ist schädlich. Gerade, weil die Politiker und Banker diesen Tatbestand beharrlich zu leugnen versuchen, ist der nächste Financrash unabwendbar.

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