Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2012

16:34 Uhr

Sentix Marktradar

Starke Signale für den Aktienmarkt

VonJessica Schwarzer

Die Stimmung an den Märkten ist bestens. Binnen weniger Tage schlug sie von Angst in Euphorie um. Eigentlich ein Warnsignal. Doch die Experten des Analysehauses Sentix sind überzeugt, dass es dieses Mal anders läuft.

An der Börse sind die Bullen los. AFP

An der Börse sind die Bullen los.

DüsseldorfDie Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), unbegrenzt Staatsanleihen aus Südländern kaufen zu wollen, war mehr oder weniger erwartet worden. Umso überraschender ist es allerdings, wie stark dieser Entschluss die Stimmung der Anleger beeinflusst hat. „Vor der EZB-Sitzung dominierte die Angst, die dann urplötzlich in große Euphorie umschlug“, sagt Manfred Hübner, von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Normalerweise ist die kurzfristige Markteinschätzung der Anleger ein Kontraindikator. Euphorie ist ein Warnsignal, der Rücksetzer an den Börsen sehr wahrscheinlich. Doch wenn ein Stimmungsumschwung mit einem solch großen Preissignal wie aktuell einhergeht – immerhin hat der Dax in den vergangenen Tagen seinen langfristigen Abwärtstrend aus dem Jahr 2008 gebrochen –, dann ist das ein  Einstiegssignal. „Wir werten diese Euphorie als Befreiungsschlag, ein Weckruf zum Einstieg“, sagt der Sentix-Experte.

Sentix-Indikatoren

Sentiment

Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

Strategische Bias

Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

Neutralitätsindex

Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

Overconfidence-Index

Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

Time Differential Index

Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Zuletzt hatte sich zwar die mittelfristige Erwartung der Anleger, der sogenannte strategische Bias, immer weiter erholt. Die Grundeinstellung zu den Aktienmärkten verbesserte sich, doch die Anleger ließen dem keine Taten folgen. Kein Wunder, angesichts ihrer hohen Verunsicherung. „Die ist nun gewichen, die Stimmungslage ist viel besser als noch vor wenigen Wochen und das lässt auf ein positives viertes Quartal an den Aktienmärkten schließen“, so Hübner.

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Ein Störfeuer könnte vom Bundesverfassungsgericht kommen. Kommt von den obersten Gesetzeshütern ein klares Nein zum Euro-Rettungsschirm ESM, dann ist alles Makulatur. Dann wird von der aktuellen Euphorie nichts mehr übrig bleiben. Im Gegenteil: „Ein ‚Nein‘ der Richter käme einer Crash-Anweisung relativ nahe“, ist Hübner überzeugt. „Ein ‚Ja, aber‘, selbst bei einer Festlegung auf die aktuelle Garantiesumme von 700 Milliarden Euro, wäre dagegen wohl kein Problem für die Märkte. Und ein wahrscheinliches ‚Go‘ für das unverändert fragwürdige ESM-Konstrukt dürfte wahrscheinlich die Party bis zum dreifachen Verfallstag am 21. September verlängern.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.09.2012, 20:23 Uhr

Weiha. Jetzt ist alles super? Vor 10Tagen wurde noch vor dem gefährlichen September gewarnt. Jetzt vor dem Oktober....

otternase

10.09.2012, 20:58 Uhr

Der Sentix Marktradar sagt einem hinterher sehr zuverlässig, warum die letzte Sentix Einschätzung Käse war. Mit Verlaub, aber meine Oma kann das besser.

Das Ding braucht wirklich N I E M A N D !

Scheint eher eine versteckte Marketing Aktion zu sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×