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12.06.2017

14:07 Uhr

Sentix-Umfrage

Anleger sehen Trump als Risiko für Märkte

Die Affären um Donald Trump wirken sich negativ auf die Finanzmärkte aus – so das Ergebnis einer Sentix-Umfrage. Das Urteil der Investoren über den amerikanischen Präsidenten ist vernichtend.

Ein Risiko für die Finanzmärkte? AP

Donald Trump

Ein Risiko für die Finanzmärkte?

BerlinAnleger sehen einer Umfrage zufolge US-Präsident Donald Trump immer stärker als Risiko für die Finanzmärkte. Die Haltung zum Brexit hingegen habe sich nach der Wahl in Großbritannien kaum verändert, teilte die Investmentberatung Sentix am Montag zu einer Umfrage unter rund 1100 privaten und institutionellen Anlegern mit. Auch der deutliche Sieg der Partei von Frankreichs neuem Präsidenten Emmanuel Macron in der ersten Wahlrunde sei zu erwarten gewesen, „Investoren geben an, hierauf nicht reagieren zu wollen“, sagte Sentix-Experte Manfred Hübner. „Der Aufreger jedoch ist Trump, der immer mehr für die Märkte zum Problemfall wird.“

Der entlassene FBI-Chef James Comey hatte jüngst bei einer Anhörung im US-Senat schwere Vorwürfe gegen Trump erhoben. Der Präsident habe ihn gefeuert, um FBI-Ermittlungen zu einer mutmaßlichen Einflussnahme Russlands auf den US-Wahlkampf zugunsten Trumps zu untergraben, sagte Comey am Donnerstag vor dem Geheimdienstausschuss. Trump wies dies zurück.

Wie James Comey zu einer Gefahr für Donald Trump wurde

05. Juli 2016

In einer Pressekonferenz sagt James Comey, kein „vernünftiger Strafverfolger“ würde die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre anklagen. Ihren Umgang und der ihres Teams mit Geheimdienstinformationen verurteilt er aber als „extrem sorglos“.

Am gleichen Tag: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump nennt die FBI-Entscheidung, nicht strafrechtlich gegen Clinton vorzugehen, das größte Beispiel dafür, dass das System „manipuliert“ sei.

Quelle: AP

07. Juli 2016

Comey verteidigt die Entscheidung nach Kritik durch die Republikaner. Clinton anzuklagen, wäre unberechtigt und eine reine „Prominentenjagd“, sagt er.

28. Oktober 2016

Tage vor der Präsidentenwahl informiert der FBI-Chef den US-Kongress in einem Brief, die Ermittlungen gegen Clinton würden wieder aufgenommen – es gebe neue Hinweise durch E-Mails, die auf einem von einer Vertrauten Clintons genutzten Computer gefunden seien worden. Das Justizminister warnte Comey vorab, den Bescheid herauszugeben – dies könne den Richtlinien widersprechen; der Anschein, sich in die Wahl einzumischen, müsse verhindert werden.

Am gleichen Tag: Trump würdigt auf einer Wahlkampfansprache die jüngste Entscheidung des FBI. Er habe großen Respekt für die Behörde, falsche Dinge richtigzustellen.

06. November 2016

Comey teilt dem US-Kongress in einem zweiten Brief mit, die neu entdeckten E-Mails änderten den Beschluss des FBI nicht. Es bleibt dabei: Clinton wird nicht angeklagt.

Am gleichen Tag: Trump kritisiert Comeys zweites Schreiben – Clinton werde durch ein „manipuliertes System“ geschützt. Sie sei „schuldig“.

08. November 2016

Trump wird zum neuen US-Präsidenten gewählt.

12. November 2016

Während eines Telefongesprächs mit führenden Wahlkampfspendern macht Clinton Comey für ihre Wahlniederlage verantwortlich. Bis zu dessen ersten Brief an den Kongress sei sie auf dem Siegeszug gewesen.

06. Januar 2017

Zusammen mit drei weiteren hochrangigen Geheimdienstmitarbeitern informiert Comey den gewählten Präsidenten, dass Russland laut ihrer Erkenntnisse die US-Wahl beeinflusst hat – und zwar zugunsten Trumps.

20. März 2017

Comey sagt vor dem US-Kongress aus, dass das FBI bereits seit Juli zu möglichen Verbindungen des Trump-Teams nach Russland ermittelt. Es ist der gleiche Monat, in dem er öffentlich ankündigte, gegen Clinton werde keine Anklage erhoben. Zuvor hatte Comey sich geweigert, die parallel laufende Ermittlung gegen Trumps Verbündete öffentlich bekanntzugeben. Bei Demokraten sorgt das für Protest: Sie bekräftigen, Comey sei in der Verantwortung für Clintons Niederlage.

Am gleichen Tag – in der gleichen Anhörung: Comey sagt, FBI und Justizministerium hätten keine Belege für Trumps Behauptung, dass der frühere US-Präsident Barack Obama ihn vor der US-Wahl abhören ließ.

03. Mai 2017

Vor dem Justizausschuss des Senats bekräftigt Comey seine Entscheidung, mit den Ermittlungen im Fall Clinton und im Fall des Trump-Teams unterschiedlich umgegangen zu sein. „Ich kann nicht eine Sekunde lang erwägen, welche politische Zukunft in welcher Weise beeinflusst wird. Wir müssen uns fragen, was das Richtige ist und das dann tun“, sagt er.

09. Mai 2017

Comey korrigiert in einem Brief an den US-Kongress eine Aussage, die er während einer jüngsten Anhörung machte. Es geht um eine langjährige Topberaterin Clintons, Huma Abedin. Diese habe entgegen seiner Erklärung nicht „Hunderte und Tausende“ E-Mails an den Laptop ihres Ehemanns gesendet – sondern lediglich „eine kleine Zahl“.

12. Mai 2017

„James Comey sollte hoffen, dass es keine „Aufnahmen“ unserer Gespräche gibt, bevor er beginnt, an die Presse zu leaken!“, twittert Trump.

15. bis 16. Mai 2017

Das Weiße Haus verteidigt Trumps Weitergabe an Informationen an den russischen Außenminister und den russischen Botschafter in den USA als angemessen. Auch Trump selbst sagt, er habe „absolutes Recht“ gehabt, Informationen zu offenbaren, die Terrorismus betreffen.

16. Mai 2017

Eine mit der Sache vertraute Person sagt der Nachrichtenagentur AP, dass Comey in einer Gesprächsnotiz vom 27. Januar verzeichnet habe, Trump habe ihn gebeten, die FBI-Ermittlungen gegen den Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Das Weiße Haus weist das zurück. Der Republikaner Jason Chaffetz verspricht, Kopien der Notizen für einen Ausschuss einzuholen. „Ich habe meinen Stift zur Vorladung bereit“, twittert er.

7. Juni 2017

Vor der mit Spannung erwarteten Anhörung Comeys veröffentlicht der Senatsausschuss das vorbereitete Statement des Ex-FBI-Chefs. Demnach habe ihn Trump mehrfach persönlich aufgefordert, die Ermittlungen gegen Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn wegen einer möglichen Russland-Verschwörung einzustellen. Außerdem soll der Präsident Comey indirekt gebeten haben, seinen Namen öffentlich reinzuwaschen.

Die Senatsanhörung Comeys habe aus Sicht der Anleger die „Restlaufzeit“ des US-Präsidenten erneut verkürzt, erklärte Sentix. Im Mittel erwarteten die Anleger, dass Trump nur dreieinhalb und nicht die üblichen vier Jahre im Amt bleibe. Weniger als zehn Prozent der Investoren trauen dem Republikaner demnach eine Wiederwahl und somit eine zweite Amtszeit zu. „Trumps Zustimmungswerte sind entsprechend auf fachlicher und persönlicher Ebene katastrophal“, betonte Hübner. Die fachliche Zustimmung sei auf einer Skala von -2 bis +2 seit Amtsantritt von -0,71 auf -1,2 Punkte abgestürzt. Die schwachen persönlichen Kompetenzwerte seien von -1,2 auf -1,48 abgerutscht. „Sollte sich dieser Ansehens- und Vertrauensverlust der Anleger auch in der US-Bevölkerung ausbreiten, könnte dies eine Bedrohung für den US-Aufschwung darstellen.“

Von

rtr

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